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Bamberg
Schwurgericht

Messerattacke in Bamberg: Urteil soll in zwei Wochen fallen

Im Prozess gegen Alexander L., der am 26. Juni 2015 einen 35-Jährigen niedergestochen hat, ist die Beweisaufnahme so gut wie abgeschlossen.
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Ein Foto vom ersten Verhandlungstag: Die Prozessbeteiligten besichtigen den Tatort.  Archivbild: Ronald Rinklef
Ein Foto vom ersten Verhandlungstag: Die Prozessbeteiligten besichtigen den Tatort. Archivbild: Ronald Rinklef
Das Geschehen ist unspektakulär: Ein 20-minütiges Video zeigt einen Mann im grünen T-Shirt, der in einem Waffengeschäft eingehend die Vitrinen betrachtet, sich von einem Verkäufer verschiedene Messer vorlegen und sich beraten lässt, die Messer in die Hand nimmt und ausprobiert, wie gut sie sich öffnen lassen. Wer mehr weiß, findet den Film aber gar nicht so harmlos, sondern bedrückend: Nur wenige Stunden später wird dieser Mann mit dem gekauften Messer einen Mann erstochen haben.


Hauptverhandlung seit 11. Juli

Der Kunde ist der heute 36-jährige Alexander L, der am 26. Juni 2015 im Treppenhaus seines elterlichen Anwesen in der Langen Straße einen gleichaltrigen Mann - ein Mieter in diesem Haus - niedergestochen hat. Das Opfer, Michael G., ist zwei Tage später in der Uni-Klinik in Erlangen an seinen schweren Verletzungen gestorben.
Seit 11. Juli muss sich Alexander L. vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Bamberg für die Tat verantworten. Die Staatsanwaltschaft sieht darin einen heimtückischen Mord, die Verteidigung eine Notwehrhandlung.


Urteil am 5. Oktober

Am gestrigen Donnerstag wurden die letzten Beweise erhoben: Zeugenaussagen, der Videofilm aus dem Waffengeschäft und Verlesungen. Am kommenden Dienstag, 27. September, sollen am Nachmittag die Plädoyers beginnen. Das Urteil wird voraussichtlich am 5. Oktober gesprochen werden.
Vernommen wurde am Dienstag noch ein Freund des Opfers. Der 45-Jährige schilderte, dass Michael G. ihm zwei Tage vor seinem Tod erzählt hat, wie Alexander L. am hellichten Tage mit einem Baseballschläger und einem Messer auf ihn losgegangen sei und ihn mit dem Tod bedroht habe. Sein Freund Michael, ein großer und kräftiger Mann, sei nach dieser Begegnung sehr bedrückt gewesen. Ob Michel G. denn wirklich Angst gehabt habe, wollte Vorsitzender Richter Manfred Schmidt von dem Zeugen wissen. Dessen Antwort: "Wenn er keine Angst gehabt hätte, hätte er es mir nicht erzählt."


Das Oper war gehandicapt

Gefragt wurde der Mann auch nach dem körperlichen Zustand seines Freundes, um einschätzen zu können, ob dieser bei einem Angriff Widerstand hätte leisten können. Michael G. war nämlich nach einem Unfall auf dem Fußballfeld am 11. April an der Achillesferse operiert worden. Im Juni sei er zuweilen noch gehumpelt und auch manchmal an Krücken gegangen, sagte der Zeuge.

Ob das am Tattag auch der Fall war konnte der Freund nicht mehr mit Bestimmtheit sagen, und auch der Orthopäde, der G. behandelt hatte, wusste das nicht. Aus seiner medizinischen Erfahrung berichtete er, dass nach einer Achillessehnen-Operation ein Fuß zwölf Wochen ruhig gestellt werden muss. Danach sei - wegen des Muskelabbaus in der Beinschiene - mit einem Schongang und Hinken zu rechnen. Michael G. sei zum Zeitpunkt der Tat mit Sicherheit gehandicapt und schnelles Laufen ausgeschlossen gewesen, so der Orthopäde. Für den Freund war der Tod von Michael G. besonders schlimm, weil sich der junge Familienvater gerade ein neues Leben hatte aufbauen wollte. Er habe sich sehr auf seinen neuen Job gefreut, der in Aussicht stand.

Gezeigt wurde im Gerichtssaal noch ein T-Shirt mit einem längeren Schnitt auf Bauchhöhe. Dieses gehört einem anderen Opfer, das Alexander L. am 7. September 2014 bei der Kirchweih in Reckendorf ebenfalls mit einem Messer angriffen haben soll - nachdem er den Mann einige Zeit zuvor zu Boden gerissen und gegen den Kopf getreten hatte, bis er bewusstlos war.

Auch über diese Tat urteilt das Gericht in zwei Wochen.
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