Bamberg
Tourismus

In der Langen Straße vermisst man die Kreuzfahrer

Die zahlreichen Schiffstouristen in Bamberg sind den einen Last, für andere ein Wirtschaftsfaktor. Mit einem Kommentar.
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Leinritt statt Lange Straße: Die Wege der Kreuzfahrt-Touristen haben sich durch den Halt in der Mußstraße verlagert. Foto: Matthias Hoch
Leinritt statt Lange Straße: Die Wege der Kreuzfahrt-Touristen haben sich durch den Halt in der Mußstraße verlagert. Foto: Matthias Hoch
Obwohl sie meist nur eineinhalb bis zwei Stunden Zeit für den Stadtgang haben, geben die Passagiere der Flusskreuzfahrten in Bamberg auch Geld aus. Das vermisst man jetzt dort, wo diese Touristen heuer nicht vorbeikommen: in der Langen Straße.

"Die Amerikaner fehlen schon", konstatiert etwa Ralph Beckstein vom gleichnamigen Café. Nicht alle, aber mehrere befragte Geschäftsleute aus der Einkaufsstraße zwischen Schönleinsplatz und Obstmarkt berichten, dass sie das Fernbleiben dieser Touristen spüren würden.

Die Schiffsreisenden, die vorwiegend aus den USA, Kanada und Australien stammen, hätten Souvenirs, aber auch Schuhe und Bekleidung gekauft und die Cafés besucht. Und wenn es nur auf einen Kaffee war, um eine Toilette aufsuchen zu können, weiß Pius Schiele von der Interessengemeinschaft (IG) Lange Straße.

Die Ursache für das Ausbleiben der Kreuzfahrer ist klar: Die Stadt testet heuer die Mußstraße als Halt für alle Busse, mit denen die Schiffsreisenden vom Hafen zur Stadtbesichtigung gebracht werden. Die Gruppen gehen seit Saisonbeginn von der Konzerthalle aus auf anderen Wegen in die Altstadt als in der Vergangenheit, da man sie an der südlichen Promenade aus- und einsteigen ließ.

"Die fehlen definitiv. Jeder merkt es", sagte bei unseren Recherchen ein Kaufmann aus der Langen Straße. Der Bamberger, der nicht genannt sein will, ist ziemlich sauer auf Stadtverwaltung und Stadtrat. Er glaubt, sie hätten sich bei der - vorerst probeweisen - Verlegung des Bus-halts vor den Karren weniger Privatleute spannen lassen. Wegen Einzelner, die ihre Ruhe haben wollten, leide nun der Einzelhandel.

Er sei jedenfalls nicht gefragt worden, ob er eine Verlegung des Bushaltes befürwortet, sagt der Kaufmann. Würde aus dem Probejahr eine Dauereinrichtung, würden seiner Meinung nach Teile des Innenstadt-Handels spürbar darunter leiden. In seinem Haus habe man mit den Kreuzfahrern zwar "nicht den Riesenumsatz gemacht", aber ihre Einkäufe hätten "einen Teil dazu beigetragen, dass wir unsere Rendite erwirtschaften konnten".

Der Geschäftsmann stellt einen Zusammenhang zwischen gut gehenden Geschäften und dem Stadtbild her. Er ist überzeugt: Bamberg wäre nicht so schön, wenn die Einheimischen nicht so viel für ihre Wohn- und Geschäftshäuser machen würden. Das Geld zum Investieren müssten sie aber auch erwirtschaften können.


IG Lange Straße plant Umfrage

Als Sprecher der IG Lange Straße kündigt Schiele an, er werde in naher Zukunft die Mitglieder befragen, ob und wie sich die Umleitung dieser Touristengruppe bei ihnen auswirkt. Mit dem städtischen Tourismusdirektor Andreas Christel sei schon ausgemacht, "dass wir im Frühsommer ein erstes Resümee ziehen". Laut Schiele fällt auf, dass die Kreuzfahrer in der Langen Straße und am Grünen Markt gar nicht mehr auftauchen. Er bringt seine Beobachtung so auf den Punkt: "Früher sind alle zuerst zum Gabelmann gegangen, als ob es in Bamberg nichts Bedeutenderes gäbe. Jetzt geht keine Gruppe mehr hin."

Südliche Promenade oder Mußstraße? Am Ende dieser Saison will der Stadtrat entscheiden. Bis Herbst soll der städtische Tourismus- und Kongress-Service (TKS) die Erfahrungen und Berichte seiner Gästeführer zusammentragen und auswerten.

In der Mußstraße, die nach dem Willen der Stadt ohnehin schon von allen anderen touristischen Bussen zum Ein- und Aussteigen der Fahrgäste angesteuert wird, sind die zusätzlichen Busse jedenfalls nicht willkommen. Das wurde gleich zu Saisonbeginn deutlich: Nach einem chaotischen Wochenende mit weit mehr Bussen als Haltestellen war umgehend Kritik laut geworden, von Anwohnern wie einem Busunternehmer.

Dass Kreuzfahrer auf eigene Faust die Innenstadt erkunden und die Läden an der Langen Straße entdecken könnten, schließt Reisefachmann Schiele aus. Die Erfahrung lehre, dass ältere Leute, wie es viele der Hotelschiff-Passagiere sind, bevorzugt den selben Weg zum Bus zurückgehen, "weil sie den kennen". Deshalb ist für ihn klar, dass die Kreuzfahrer so lange als potenzielle Kunden in der Langen Straße fehlen werden, so lange sie an der Mußstraße ein- und aussteigen.

Kommentar:

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Den idealen Ein- und Ausstiegsplatz für Kreuzfahrer gibt es nicht. Egal, wohin Verwaltung und Politik die Transferbusse dirigieren: Es wird immer jemanden geben, der sich von den Fahrzeugen oder den vielen Menschen, die sie zeitgleich bringen, gestört fühlt.
Das zeigt sich in der Mußstraße, die heuer als möglicher Dauerhalt erprobt wird. Der Test zeigt aber auch, dass die Schiffsreisenden zu einem Wirtschaftsfaktor geworden sind: Wo sie, wie in der Langen Straße, ausbleiben, fehlen auf einmal potenzielle Kunden von Handel und Gastronomie.
Warum etabliert man nicht zwei Haltestellen, die abwechselnd angesteuert werden: Die Passagiere des ersten, dritten und fünften Schiffs hier, die von Nummer zwei, vier, sechs und so weiter dort. . . So könnte man Last und Kaufpotenzial verteilen
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