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In Freak-City wird der Meistertitel schon Routine

Einen Ort finden, wo Basketball übertragen wird - das ist auch in Bamberg während der Finalspiele eine echte Herausforderung. In der Sandstraße klappt es.
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Übertragungen des ersten Finalspiels gegen Ulm sind auch in der Stadt, wo Deutschlands Basketballherz schlagen soll, schwer zu finden. In der Sandstraße fieberten einige Fans mit - im "Stilbruch"... Foto: Ronald Rinklef
Übertragungen des ersten Finalspiels gegen Ulm sind auch in der Stadt, wo Deutschlands Basketballherz schlagen soll, schwer zu finden. In der Sandstraße fieberten einige Fans mit - im "Stilbruch"... Foto: Ronald Rinklef
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Sonntag, 15 Uhr, Sprungball für das erste Spiel um die deutsche Basketball-Meisterschaft. Die Brose-Arena in der Forchheimer Straße brodelt, die Freaks trommeln wild und halten Pappfiguren in die Luft, auf denen Kult-Trainer Andrea Trinchieri in verschiedenen Posen zu sehen ist. Drei Kilometer weiter im Herzen der Welterbestadt ist von dieser Begeisterung so gut wie nichts zu spüren.

Aufgeregte Kreuzschifffahrer tappen ihrem Führer hinterher, am halb gefüllten Stadtstrand sorgen sich die Besucher (zurecht!) um den nahenden Regen. Am Maxplatz sind vereinzelt Menschen zu sehen, die irritiert auf die große LED-Wand blicken. Sie scheint einsatzbereit, bleibt aber dunkel. Christopher Belitz im roten Meistershirt von 2015 ist enttäuscht: "Ich wollte das Spiel eigentlich hier schauen, jetzt muss ich mir etwas anderes suchen."


Equipment hat eine Aufpasserin

Neben der Leinwand auf der Bühne liegt Eva Brendel und schlägt die Zeit tot. Sie hat für Sonntagnachmittag die Aufgabe übernommen, darauf aufzupassen, dass nichts vom Equipment geklaut wird. Radio Bamberg - der Sender zeichnet für das Public Viewing verantwortlich - hat rund um die Uhr jemanden für diesen Job abgestellt; nachts macht das eine Security Firma. Dass sie vom Spiel nichts mitbekommt, lässt Eva kalt: "Ich bin eher Unterhaltungsfan und schaue mir dann erst das dritte Spiel an." Vorausgesetzt, dass Bamberg dann schon Meister werden kann, wird das auch auf dem Maxplatz übertragen. Diesmal haben sich ihre Freunde Fiona und Johannes erbarmt, damit es der 20-Jährigen allein nicht langweilig wird und spielen mit ihr Karten und "Wer bin ich?".


Selbst die Sportsbar pausiert

Mehr los sollte doch jetzt in der Sportsbar "Lewinsky's" sein - doch Fehlanzeige: "Wir machen eine Pause bis 7. 6.", steht am Eingang. Ein paar Meter weiter in der Oberen Sandstraße ist dann doch der 101:82-Sieg über Ulm zu sehen. Im "Stilbruch" flimmert die Partie über eine Leinwand und einen TV-Schirm. Unter den gut 40 Gästen, von denen sich bei Weitem nicht jeder für Basketball interessiert, hat sich auch der Maxplatz-Enttäuschte Christopher Belitz mit seinen Freunden niedergelassen. "Das ist mein erstes Spiel in diesem Jahr", erzählt der 29-Jährige. Was er da sieht, reißt ihn nicht vom Hocker: "Es ist doch relativ eindeutig."

Zustimmung kommt gleich vom Tresen: "Ulm kann net mehr und Bamberg macht net mehr", sagt Sebastian Schwegler neben seiner Frau Mareike, die nur ihm zuliebe mitgekommen ist. Für ihn steht ein 3:0-Durchmarsch der Bamberger bereits fest. "Wer soll die denn dreimal schlagen?", fragt er und hat die Meisterfeier am kommenden Sonntag schon fest eingeplant. "Fast ein bisschen schade" sei das, weil es schon zur Routine werde, meint der 34-Jährige.

Nur gelegentlich wirft Baruk Akgün, der am Ausschank arbeitet, einen Blick auf das Spiel. Er ist zwar begeisterter Basketball-Fan - aber nur was die NBA betrifft. Der deutsche Basketball ist ihm gleich: "Das ist im Vergleich wie erste zu dritte Liga."


"Live Club" statt Live-Besuch

Auch über der Straße im "Live Club" hat sich ein Dutzend junger Leute niedergelassen, um die Partie zu verfolgen. Mittendrin ist Theresa Schmitz, eine Studentin aus Speyer, die unter anderem wegen der Basketball-Kultur nach Bamberg gekommen sei. Sie hätte sogar zwei Karten für das Spiel gehabt, "aber ich habe Besuch aus der Heimat und hätte drei Karten gebraucht - also habe ich verzichtet und habe eine Bar gesucht, wo es gezeigt wird."

Von der Spielweise von Wanamaker und Co. ist die 24-Jährige begeistert: "Wie die das dritte Halbfinale gewonnen haben, war peinlich für den FC Bayern." Das dritte - und vielleicht schon entscheidende - Finalspiel wird sie deshalb definitiv in der Halle anschauen - davon wird sie auch kein Besuch aus der Heimat abhalten.
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