Schlüsselfeld
Jubiläum

In 20 Jahren zwei Kilometer geschafft

Ein großes Ziel: Diee Modellbaufreunde Reicher Ebrachgrund bauen die Bahnnebenstrecke Frensdorf- Schlüsselfeld nach.
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Bernd Deinlein (l.) und sein Freund Markus Stöcklein an einer Anlage Foto: Anette Schreiber
Bernd Deinlein (l.) und sein Freund Markus Stöcklein an einer Anlage Foto: Anette Schreiber
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19 Meter Bastler-Stolz. Innerhalb von 20 Jahren wurde die Bahnstrecke zwischen Schlüsselfeld und Attelsdorf nachgebaut; zwei Kilometer im Maßstab 1:87. Eine detailgetreue und auf Fotos basierende Momentaufnahme aus den 60ern des vergangenen Jahrhunderts. In Kisten gelagerte Module mit Heimatgeschichte - Bahnhof, Häuser, Kirchen, Menschen, Tiere und jede Menge Schienen - werden zum großen Ganzen zusammengefügt. Gezeigt wird die historische Ansicht am Wochenende 19./20. November in der Schlüsselfelder Stadthalle zusammen mit weiteren Eisenbahn-Modellbaumodulen, in der Männer ihren Fantasien Gestalt verliehen haben.


Befreundete Vereine dabei

"In dieser Form wird man das die nächsten zehn Jahre nicht mehr zu sehen bekommen", wirbt Bernd Deinlein für die besondere Kreation der Modellbaufreunde Reicher Ebrachgrund. Neben der genannten 19-Meter-Vereinsanlage sind fünf mobile Anlagen von Vereinsmitgliedern zu sehen, sowie vier weitere von befreundeten Vereinen. Sonst zeigt der Jubelverein jeweils immer nur eine oder zwei Anlagen seiner Mitglieder. "Weil alle in der Stadthalle zu Helferdiensten eingeteilt sind, haben wir diese Lösung." Die gesamte Bahnnebenstrecke zwischen Schlüsselfeld und Frensdorf nachzubauen, wird allerdings ein Lebenswerk bleiben, seufzt Deinlein. Das ist nur in Etappen zu schaffen - für die alle zwei Jahre stattfindende Vereinsausstellung wird jeweils ein photogenaues Modul mit den Maßen zwei mal ein Meter neu geschaffen.

Am Anfang des rührigen Vereins - dem einzigen Modelleisenbahn-Verein in der Region, der auch selbst Ausstellungen veranstaltet übrigens - stand 1996 eine Schaufensterausstellung über den Bahnhof Schlüsselfeld und dessen Lokomotiven. Sie brachte Thüngfelder Modellbau-Enthusiasten rund um Peter Fischer zusammen.
Sie wollten den Bahnhof mit seinen Güterschuppen, Lokomotiven, Schuppen, Wohnhaus und Lagerhaus im Modell 1:87 bauen. Weil die Gebäude zum Teil schon nicht mehr stehen soll das Modell die Erinnerung wach halten.

Eineinhalb Jahre nach der Gründung der Eisenbahnfreunde fand der Birkacher Bernd Deinlein zufällig zu ihnen. Der Kupferschmied begeistert wiederum seinen Freund Markus Stöcklein (einen Birkacher Zimmermeister) für die monatlichen Treffen. "Wir helfen uns alle gegenseitig, die Chemie passt", führt Stöcklein aus.
Mit leuchtenden Augen stehen die beiden an der Anlage Deinleins. Sie füllt den Raum, der eigentlich Wohnzimmer der Kellerwohnung hätte werden sollen. Modellbaufreunde nutzen so manchen Wohnraum um. Ihnen gehe es bei dem Hobby nicht so sehr darum, Züge fahren zu lassen.

Obwohl Deinlein dank seines unterirdischen Schattenbahnhofs dafür sorgt, dass man innerhalb von 30 Minuten keinen Zug zweimal sieht. Es gehe um Kreativität, darum, eigene Vorstellungen oder real Existierendes so lebensgetreu wie möglich umzusetzen: Pferde laufen im Kreis, Hühner scharren; eine Kreuzigungsgruppe zieht den Hang hinab, auf einem Straßenzug steigt ein Feuerwehrfest. Ganz nebenbei hängt eine Frau Wäsche auf. Alltag so natürlich wie möglich, aufgebaut im Keller.

Dafür bedarf es einigen handwerklichen Geschicks, wie die neben den aneinander gefügten Modulen bereitliegenden Gerätschaften und Werkzeuge ahnen lassen. "Beim Modellbau kann ich am besten abschalten", sagt Markus Stöcklein", sein Freund nickt bestätigend.


Bahn unterm Christbaum

Doch wie kommt man überhaupt zu so einem Hobby? Früh oder nie, sind sich die Freunde einig. Irgendwann liegt eine Modelleisenbahn unterm Christbaum. Bis zur Pubertät ist die interessant und dann erst wieder im Erwachsenenalter. Aber dann richtig. Vorausgesetzt, der Vater hat sich früher die Zeit genommen und die Bahn mit dem Sohn aufgebaut. "Dabei kann man richtig was lernen", schwärmt Stöcklein: Man muss löten, mit Holz und Gips arbeiten, Landschaft und anderes gestalten, sich viele Lösungen erarbeiten. "Das fasziniert die Kinder. Aber man muss sich mit hinsetzen." Lust auf Eisenbahn macht wohl auch die jährliche Fahrt mit einer richtigen, alten Dampflok in Ebermannstadt.

Bei der Ausstellung selbst gehe es um den Austausch mit Gleichgesinnten, daneben kommen auch einige Händler.
So zielt auch die Jubiläumsausstellung auf zwei Zielgruppen: Während am Samstag eher die Fotografen und Insider angesprochen werden, gehört der Sonntag der breiten Öffentlichkeit. Dieser wollen die Modellbauer ihr schönes Hobby vorstellen und für Fragen zur Verfügung stehen.
Am Samstag, 19. November, ist die Ausstellung von 10 bis 17 Uhr zu sehen und am Sonntag, 20. November, von 9.30 bis 16.30 Uhr - in der Stadthalle Schlüsselfeld, An der Reichen Ebrach 1; ein (geringer) Eintrittspreis wird erhoben.
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