Bamberg
Konversion

Im Bamberger Osten geht es um die Frage Wald oder Gewerbe

Nach bisherigen Plänen will die Stadt in der Muna 80 Hektar Wald für ein Gewerbegebiet roden - gegen Widerstand vieler. Ist nun ein Kompromiss in Sicht?
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Spaziergang durch ein unbekanntes und ziemlich grünes Stück Bamberg. In der "Muna" geht es um die Frage, was vom Wald übrig bleibt.   Fotos: M. Wehner
Spaziergang durch ein unbekanntes und ziemlich grünes Stück Bamberg. In der "Muna" geht es um die Frage, was vom Wald übrig bleibt. Fotos: M. Wehner
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Verwunschener Wald zwischen Bunkern und Wehrmachtsbaracken. Es ist ein sonniger Herbstnachmittag an einem Punkt der Stadt, den selbst viele Stadträte nicht kennen. Die ehemalige Heereshauptmunitionsanstalt, kurz Muna, erstreckt sich auf 150 Hektar im Südosten der Stadt. Hinter hohen Zäunen und abgeschirmt vor den Bürgern Bambergs ist in den Jahren der militärischen Nutzung eine Art Naturparadies entstanden.

Doch die friedliche Atmosphäre bei der Besichtigung durch den Konversionssenat täuscht. Eine Zukunft hat das von Kiefern, Eichen und Magerrasen bewachsene, teils aber auch großflächig versiegelte Gelände ebenso wenig wie der benachbarte Schießplatz - jedenfalls nicht in der jetzigen Form.

Wie begehrt und umstritten das Areal am Stadtrand zwei Jahre nach dem Abzug der Amerikaner ist, zeigt eine Zahl: 314 Seiten lang sind die Einwände und Anregungen, die mehr als 80 Bürger und Institutionen gegen den Entwurf vorgebracht haben. Dabei geht es vor allem um die Natur, aber auch um die Hinterlassenschaften der Geschichte. Umweltfreunde wie der Bund Naturschutz und andere fürchten um die artenreichen Sandmagerrasen auf dem Schießplatz, die weiträumige Waldlandschaft im Süden des Geländes und die Balance in der Stadt. Die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg erinnert an die Bedeutung, die die Muna in der Militärgeschichte Bambergs einnimmt. Unter anderem hat hier der Flugzeugpionier Willy Messerschmitt gearbeitet.

Doch das ist nur die eine Seite. Geht es nach der Mehrheit der Fraktionen, dann wird nach dem Sommer 2017 der Weg frei sein, um aus Muna und Schießplatz einen großen Gewerbepark zu machen. 80 Hektar Wald sollen nach dem Vorentwurf für Straßen und Baufelder fallen - glaubt man CSU und SPD sind neue Industrieflächen alternativlos, denn Bamberg braucht dringend mehr Geld aus der Gewerbesteuer.


Positive Signale von Biologin

Natur oder Rendite? Gewerbe oder Parklandschaft? Möglicherweise ist der Konflikt lösbar. Nicht nur von der Bamberger Biologin Beate Bugla kommen positive Signale. Sie bestätigt zwar, was bereits Naturschützer dargelegt haben: Die artenreichsten und hochwertigsten Flächen befinden sich auf dem ehemaligen Schießplatz, der nach derzeitigem Stand von einer Erschließungsachse durchschnitten werden soll. Aber: Das Gelände sei groß genug, um beiden Anforderungen gerecht zu werden. Vor allem macht sie deutlich, was in jedem Fall unberührt bleiben, "der Natur zurückggeben" werden soll: das Areal um die insgesamt 96 Bunker im Süden der Muna und der Umgriff um das bestehende Naturschutzgebiet unweit der Gutenbergstraße - zusammengenommen keine Kleinigkeit.

Auch Jörg Meier vom Ingenieurbüro Höhnen und Partner macht Hoffnung. Er stellt eine optimierte Planung in Aussicht, die mehr Rücksicht auf die Besonderheiten der Muna nimmt. Die Rede ist von üppig begrünten Dächern der Industriebetriebe, von Entsiegelung an der Geisfelder Straße und davon, dass unterm Strich nur ein Teil der 80 Hektar wirklich bebaut wird - und das auch nicht von "Störfallbetrieben". "Es wird hier keine rauchenden Schlöte geben", sagt Meier.

So oder so wird die Muna zur Nagelprobe für die Bamberger Politik. Schafft sie es, einen schwelenden Konflikt zu entschärfen, der die Stadt bereits heute spaltet? Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) hofft, bis Mitte nächsten Jahres einen gültigen Bebauungsplan zu bekommen. Er spricht von einer Herausforderung, Natur und Gewerbegebiet miteinander zu verbinden, "die unterschiedlichen Interessen miteinander zu versöhnen". Bürgermeister Christian Lange (CSU) ist guter Dinge, dass dies gelingt. "Die Fläche ist so groß, dass auch mit einer großen Gewerbefläche genug Natur übrig bleibt."

Freilich: Die Zweifler besänftigt das nicht. Bei der Besichtigung fragt Ursula Sowa (GAL) nach den Rodungsflächen. Eine Karte zeigt eine riesige rote Zone. "Zu viel, was der Säge zum Opfer fällt. Dieser Entwurf wird schön geredet", findet ihr Kollege Wolfgang Grader. "Wir sind nicht grundsätzlich gegen ein Gewerbegebiet, wünschen uns aber eine Planung, die mehr Rücksicht nimmt."
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