Scheßlitz
Schicksal

"Ich wünsche mir endlich Frieden"

Verschiedene Religionen, verschiedene Nationalitäten: Ein ungewöhnliches Paar sind Alena Navazhentsava und Faiz Faraj, die vor dem libyschen Bürgerkrieg flohen. Gerne würden sich beide hier engagieren. Welcher Arbeitgeber kann Praktikumsplätze bieten?
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Alena Navazhentsava und Faiz Faraj mit dem jüngsten Spross: Zidan Fotos: Petra Mayer
Alena Navazhentsava und Faiz Faraj mit dem jüngsten Spross: Zidan Fotos: Petra Mayer
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Eine Liebesgeschichte erzählen wir heute in unser Porträtreihe: Die Geschichte einer jungen Frau aus Weißrussland, die sich in einen Libyer verliebte, mit dem sie in seiner Heimat aber nur eine heimliche Beziehung führen konnte. Dann kam der Bürgerkrieg, der Alena Navazhentsava und Faiz Faraj nach Europa und schließlich Deutschland fliehen ließ, wo die beiden mit ihren Kindern endlich glücklich zusammenleben könnten. Nur schwebt ein Damoklesschwert über der kleinen Familie, die in einer Flüchtlingsunterkunft der Arbeiterwohlfahrt lebt. Denn es ist fraglich, ob das Paar als asylberechtigt anerkannt wird.


Endlich ein Leben in Freiheit

In der Gemeinschaftsküche der Unterkunft, die sich diverse Flüchtlingsfamilien teilen, steht Alena Navazhentsava am Herd. Sie bereitet das Abendessen vor - was der eineinhalbjährige Zidan am rosa Spielzeugherd auch versucht - mit dem stolzen Papa an seiner Seite. Gleich ist's Zeit, Kamilla vom Kindergarten abzuholen. "Können Sie sich vorstellen, wie glücklich ich bin, meine Familie endlich um mich zu haben", sagt Faiz Faraj mit Hilfe von Orlando Gally: dem Koordinator der Arbeiterwohlfahrt für die Asylverwaltung in Stadt und Landkreis Bamberg, der Flüchtlinge aus diversen Ländern auf ihrem Weg in eine bessere Zukunft unterstützt.

Als Friseur arbeitete Faiz Faraj in der alten Heimat. Bei einem Krankenhausbesuch lernte der mittlerweile 30-Jährige eine Krankenschwester kennen, in die er sich verliebte: Alena NavazhentsavaIan Fraser "Lemmy" Kilmister. Heimlich traf der Muslim die Christin, eine Heirat aber war unvorstellbar. "Nachdem Alena schwanger wurde, konnte ich meine Tochter nicht mal besuchen." Dennoch hätte sich Faiz Faraj eine Zukunft in der Fremde nie vorstellen können, bis der Bürgerkrieg sein Land ins Chaos stürzte und er zunehmend ums Leben seiner Familie bangte. "Ich wünsche mir für uns und unsere Kinder endlich Frieden", sagt der Libyer. Und die Freiheit, eine Frau zu lieben, die keine Muslima ist. "Ich kann nicht mehr in der ständigen Angst leben, dass man uns bedroht, tötet oder ich vielleicht noch selbst zur Waffe greifen muss."



Zermürbendes Warten

Über Malta, Schweden und Holland kam Faiz Faraj vor über einem Jahr nach Franken. Zwei Monate später folgte der Rest der vierköpfigen Familie. Seither heißt es: warten. Warten auf das Gespräch, das darüber entscheiden soll, ob die Flüchtlinge als Asylberechtigte anerkannt werden. Wie gerne würde Faraj zuvor schon arbeiten - auch in anderen Bereichen als seinem Handwerk. Ebenso Alena Navazhentsava, die sich mittlerweile schon gut auf Deutsch verständigen kann und hofft, im Pflegebereich unterzukommen. "Hauptsache, wir können bleiben", sagt die zweifache Mutter, die jetzt auch schon los muss, um die dreijährige Kamilla vom Kindergarten abzuholen.



Kontakt aufnehmen

Eine große Hoffnung des Paares ist es auf diese Weise auch, über den FT so schnell wie möglich eine Praktikumsstelle oder einen Aushilfsjob zu finden, über den sich später - falls der Familie Asyl gewährt wird - noch andere Möglichkeiten ergeben könnten. Wer als Arbeitgeber an dieser Stelle helfen möchte, sollte sich an die Arbeiterwohlfahrt wenden: info@awo-bamberg.de oder koord-hausverwalter@ awo-bamberg.de (Stichwort "Arbeitsmöglichkeit für Familie Faiz Faraj ").



Kommentar: Krieg oder Frieden? Wir haben's in der Hand

Wird auch in Ihrem Bekanntenkreis seit dem Kölner Silvesterdebakel das Flüchtlingsthema wieder rauf- und runter diskutiert? Lösungen sind in mancher Runde rasch gefunden: Grenzen dicht - und was dann noch kommt, wird abgeschoben. Derartige Entscheidungen werden aber gegebenenfalls an anderer Stelle getroffen. Während man selbst nur für sich und die eigene Haltung in der Füchtlingskrise verantwortlich ist, die bei vielen selbstverständlich auch Zukunftsängste heraufbeschwört.

Inzwischen sind die Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern der "Willkommenskultur" leider so verhärtet, dass Diskussionen kaum mehr möglich sind. Einig ist man sich auf beiden Seiten nur darin, Querdenker mundtot zu machen und den Kopf lieber in den Sand zu stecken als die eigene Ideologie zu hinterfragen.



Viele Vorurteile

Gerne pauschalisieren die gegnerischen Parteien auch. Weshalb wir in einer Porträtserie Flüchtlinge vorstellen, um der grauen Masse ein Gesicht zu geben und Vorurteile Lügen zu strafen. Wie gerade bei Alena N. und Faiz F., die als bikulturelles Paar in Deutschland auf ein Leben in Frieden hoffen - für sich und ihre Kinder. Zu viel verlangt?

Was die Asylpolitik angeht, ist Otto-Normalbürger machtlos. Das Klima, in dem alle Nationalitäten in unserem Land leben, bestimmen aber wir alle: Krieg oder Frieden? Das liegt letztendlich in der Hand jedes Einzelnen, der Flüchtlingen hilft, sie auf der Straße anlächelt oder ihnen mit finsterer Miene das Gefühl gibt, von vornherein abgestempelt zu sein.



Aus Fehlern lernen

Sollte man nicht aus den Fehlern der Vergangenheit lernen? 1955 machten sich die ersten Gastarbeiter aus Italien auf den Weg nach Deutschland: Dringend gebraucht wurden sie, aber vielerorts nicht geschätzt - ebenso wie Zuwanderer aus anderen Ländern, die bis heute folgten.

Wettert der Hassbürger heute gegen "Parallelgesellschaften", so hat er sie in den vergangenen Jahrzehnten geschaffen. Was würden wir als Deutsche tun, wenn man uns in der Fremde zu Menschen zweiter Klasse erklärt? Uns räumlich, sozial und kulturell auf Grund solcher Erfahrungen abschotten - ja möglicherweise sogar radikalisieren.
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