Herzogenaurach

"Ich habe Pubertät" - Überlebenstipp für Eltern - Teil 2

Michael und Nicola Busch - Unser Redakteur, Vater einer 13-jährigen Tochter, schreibt seine Erfahrungen in einer wöchentlichen Kolumne auf.
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Nicola hat ihr eigenes Überlebenstraining - für Eltern muss ein wenig gegrübelt werden. Foto: Michael Busch
Nicola hat ihr eigenes Überlebenstraining - für Eltern muss ein wenig gegrübelt werden. Foto: Michael Busch
Es sind ja nur Tipps. Aber es sind Grundlagen für das Zusammenleben. Bereits in der vergangenen Woche gab es hier den Start mit drei Tipps. Zwei werden noch nachgelegt. Abgestimmt mit Nicola, die aber für die Erfolgsaussichten keine Gewähr übernimmt.

Tipp 4: Über Geschmack lässt sich nicht streiten! O.K. - ich kann mich tatsächlich nur schwer zurückhalten, wenn Nicola mit Jeans, die aus mehr Löchern bestehen denn Fasern, in die Schule will. Doch warum eigentlich? Ich würde nie zugeben, dass ich dagegen bin, weil man zu viel Haut sieht. Ich argumentiere immer damit, dass andere denken, dass wir eine sehr arme Familie sein müssen, weil wir uns keine "ganzen" Hosen leisten können.
Mal ehrlich? Es ist beides zugegebenermaßen ein Schmarrn. Bei kurzen Hosen sieht man im Sommer deutlich mehr als das Knie, das Argument fällt weg, und was die Armut angeht? Jeder einigermaßen modebewusste Mensch weiß, dass gerade die Löcherjeans in der Kategorie "Eigentlich zu teuer für so wenig Stoff" zu finden sind. Sprich: Löcher muss man sich erst einmal leisten können. Abgesehen davon: Eltern sollten tief in sich gehen, was sie früher getragen haben. Es widerspricht übrigens nicht Tipp 2, wenn man erkennt, dass man selber vor 20 bis 30 Jahren einen ebenfalls denkwürdigen Geschmack gehabt hat. Bei mir waren es neongrüne Jeans (Ja! Als Mann!), gelbe Hemden und halbhohe Turnschuhe, die zwar Streifen hatten, aber nicht unbedingt vor Schönheit glänzten. Nicola sagt: "Wer einmal die Fotos der eigenen Eltern als Kinder gesehen hat, wird sich kleidungstechnisch definitiv nix mehr vorschreiben lassen."

Tipp 5: Vertrauen in die Pubertierenden setzen. Auch wenn sie uns manchmal wie Aliens vorkommen, neben sich stehend oder sogar als Kinder, die genfrei per Neckermann bestellt worden sein müssen, wir sollten nie den Fehler machen, ihnen nicht zu vertrauen. Sie werden und sie müssen ihre Erfahrungen machen. Da gehört das verfrühte Glas Bier oder Wein dazu, da gehört die Zigarette unter Umständen dazu. Wir Eltern wollen das nicht und mögen sie behüten. Doch mal Hand aufs Herz - welche Menschen waren uns als Kinder denn immer unheimlich? Die, die so brav waren, so wohlbehütet, die so wie ihre Eltern waren. Die haben uns doch immer Angst gemacht. Wollen wir das wirklich? Ich glaube nicht, daher vertraue ich Nicola. Das sage ich nicht nur, das meine ich auch so. Scheiß Pubertät!

Und was sagt Nicola?
Theorie und Praxis. Theorie und Praxis. Theorie und Praxis - ich habe verstanden! Danke Papa!

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