Kartoffelsalat statt Pommes Frites, Obstspieße statt Schokoriegel, selbst gemachter Eistee statt zuckriger Cola - auf "Hugos Mittagstisch" landen gesunde Sachen, die trotzdem gut munden. Seit Mitte Juni sind etliche Schüler der Hugo-von-Trimbergschule auf den Geschmack der Mahlzeiten gekommen, die ihnen immer montags liebevoll angerichtet und für nur 1 Euro in der Bibliothek serviert wurden.

Zwischen 20 und 35 Kinder, die meisten aus der dritten und vierten Klasse, nützten das Angebot in der sechswöchigen Testphase. Nach deren Ende steht für die Projekt-Beteiligten fest, dass im Stadtteil Wunderburg/Gereuth der Bedarf für "Hugos Mittagstisch" besteht. Deshalb soll es ihn auch im nächsten Schuljahr wieder geben.

Dankbare Stammgäste


Es handelt sich um ein Pilotprojekt, an dem das städtische Jugendamt, die Bamberger Tafel e.V., die Hugo-von-Trimberg-Mittelschule und der im Stadtteil tätige Verein Innovative Sozialarbeit beteiligt sind. Projektverantwortliche ist Kerstin Waldvogel, die schon verschiedene Koch-Initiativen an Schulen, mit Migrantinnen und im Jugendzentrum realisiert hat. Wie sie sagt, gibt es inzwischen dankbare Stammgäste vor allem aus dem Kreis der Grundschüler. Ziel von "Hugos Mittagstisch" ist es, Kinder, die daheim vielleicht nicht so umsorgt werden wie andere, an gesundes Essen heranzuführen. "Uns ist ein ganzheitlicher Ansatz wichtig", betont Waldvogel.

Sie hat dank persönlicher Kontakte relativ kurzfristig ein Team von Helferinnen gefunden, das einmal in der Woche kochte. Um das Angebot im neuen Schuljahr fortsetzen und bei Bedarf auf mehr Esser ausweiten zu können, sind aber noch Geldspenden nötig. Obwohl die "Tafel" die meisten Zutaten kostenfrei zur Verfügung stellt, geht es nicht ganz ohne Geld. Einiges müsse zugekauft werden, zum Beispiel gelegentlich Fleisch, sagt Waldvogel; auch das Honorar für ihre Arbeit müsse über Spenden aufgebracht werden.

Gabriele Kepic, die die Stabsstelle Familien, Jugendliche und Soziales im Jugendamt leitet, hofft, dass sich Sponsoren finden. Das sei ein "ganz tolles Projekt" und gerade für das "Soziale-Stadt-Gebiet" Gereuth/Hochgericht wichtig. Dort würden relativ viele arme Familien leben, die auch beim Essen sparen müssten. "Hugos Mittagstisch" wolle solche Familien entlasten und den Kindern die Möglichkeit für eine ausgewogene Mahlzeit bieten. Eine weitere Idee hinter dem Projekt ist, einzelne engagierte Bürger aus dem Stadtteil in das öffentliche Leben und an die Arbeitswelt heranzuführen.

Drei Frauen im siebenköpfigen Team, das Kerstin Waldvogel für die Testphase zusammengestellt hat, sind beispielsweise Praktikantinnen aus Berufsförderprogrammen. Auch zwei Schülermütter machen mit. Für den Fall, dass die Praktikantinnen selbst eine feste Arbeitsstelle finden, sucht die Projektverantwortliche für das neue Schuljahr Ehrenamtliche. Kochbegeisterte Frauen und Männer jeden Alters und aus allen Stadtteilen lädt sie zum Mitmachen ein. Der "Lohn" für die Ehrenamtlichen: Sie können kostenlos mitessen und wenn Essen übrig ist, auch etwas mitnehmen.

Fest steht schon, dass im nächsten Schuljahr ein Klassenraum zum "Esszimmer" wird. In der Testphase wurde jeweils montags die Bibliothek zum Speisesaal umgewidmet. Kinder an gesundes und ausgewogenes Essen heranzuführen ist das Hauptanliegen, erläutert Waldvogel. Selbst Rohkost finde reißenden Absatz, wenn sie liebevoll angerichtet wird.

Dabei stand Gemüse nicht auf der Liste der Lieblingsspeisen, die die Kinder zum Projektstart schreiben durften. Spitzenreiter waren Schnitzel, Pommes frites, Pizza und Döner - alles Dinge, die es im Schülerbistro eher nicht gibt. Wenn Pizza gebacken wird, dann ist sie mit Gemüse belegt.

Nicht alle Gerichte finden immer begeisterte Esser, gibt Waldvogel zu. Aber, stellt sie auch fest, die Kinder seien immer wieder gekommen: "Wir können es also nicht falsch gemacht haben."