Bamberg
Jugendhilfe

Hier dürfen junge Menschen Mist bauen

Das Don-Bosco-Jugendwerk Bamberg steht in vorderster Reihe für Kinder und Jugendliche. Es stellt sich heutigen Herausforderungen - etwa mit der bayernweit einzigartigen Flex-Fernschule für Schüler mit langem Leidensweg.
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Emil Hartmann (links), Gesamtleiter des Don Bosco Jugendwerks Bamberg, erprobt mit den Salesianern Josef Hauser und Dieter Putzer (rechts) den Leierkasten aus dem Zirkus Giovanni. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Emil Hartmann (links), Gesamtleiter des Don Bosco Jugendwerks Bamberg, erprobt mit den Salesianern Josef Hauser und Dieter Putzer (rechts) den Leierkasten aus dem Zirkus Giovanni. Foto: Marion Krüger-Hundrup
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Die Unternehmensphilosophie des Don-Bosco-Jugendwerks Bamberg lässt sich so ausdrücken: Kinder brauchen einen, der das Gute in ihnen sieht und zu ihnen steht, auch dann, wenn sie Mist gebaut haben, wenn sie schwierig sind und nicht in gesellschaftliche Schubladen passen. Also finden junge Menschen vorbehaltlose Annahme in den Einrichtungen des Jugendwerks, ohne Einschränkung und Vorbedingung werden sie willkommen geheißen: "Schön, dass du da bist!"

Diese Herzensbotschaft vermitteln Emil Hartmann, Gesamtleiter des Don-Bosco-Jugendwerks, und die beiden Salesianer Don Boscos, Josef Hauser und Dieter Putzer, nicht nur ihren Schützlingen, sondern jedem Besucher. Die gestandenen Mannsbilder verkörpern geradezu die Pädagogik des italienischen Priesters Johannes Bosco (1815-1888), der sich speziell benachteiligten Jugendlichen widmete.

Am Gedenktag des Gründers der Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos, am Sonntag, 31. Januar, werden Emil Hartmann, Bruder Josef Hauser und Pater Dieter Putzer mit einer großen Besucherschar die jungen Artisten im Zirkus Giovanni anfeuern. Und zwar sozusagen in vorderster Reihe. Denn "wir wollen im Sinne Don Boscos nicht nur zuschauen, sondern für die Kinder und Jugendlichen da sein, die unsere Hilfe am nötigsten brauchen", erklärt Gesamtleiter Emil Hartmann.

Die heutigen Herausforderungen seien groß, fügt er hinzu. Hartmann verweist zum Beispiel auf die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die in fünf Wohngruppen rund um die Uhr von professionellen Mitarbeitern des Jugendwerks betreut werden. Emil Hartmann führt die neue therapeutische Kinderwohngruppe an, die heilpädagogischen Wohngruppen für Jugendliche oder die Kindertagesstätten, die Familien entlasten. Spricht von der bevorstehenden Sanierung des Josefsheims am Jakobsplatz und dem geplanten Verkauf des Canisiusheimes an der Hornthalstraße. "Alle unsere Dienste bleiben erhalten", beruhigt Bruder Josef Hauser als Leiter der insgesamt vierköpfigen Salesianer-Gemeinschaft. Diese Dienste sollen "schwerpunktmäßig - mit Satelliten in der Stadt - bis Ende 2017 am Jakobsplatz angesiedelt werden".

Im Canisiusheim hat derzeit auch Jutta Hahn noch ihr Büro. Die Psychologin leitet die staatlich anerkannte Flex-Fernschule im Don Bosco Jugendwerk Bamberg, die einzige ihrer Art in Bayern. Ohne indiskret aus Lebensläufen ihrer Schüler zu plaudern, berichtet Jutta Hahn dennoch eindrucksvoll von langen Leidenswegen durch den herkömmlichen Schulalltag: "Irgendwann ging es bergab, Schule war nur noch angstbesetzt." Jugendämter, verzweifelte Eltern, Lehrer würden sich bei ihr melden mit der Bitte um Hilfe, erklärt Jutta Hahn. Und in 90 Prozent aller Fälle schaffe es die Flex-Fernschule als Angebot der Jugendhilfe tatsächlich, junge Leute zu erfolgreichen Schulabschlüssen zu führen. Kooperationspartner der Abschlussprüfungen sind die Mittelschule in Gaustadt und die Realschule in Scheßlitz.

"Ich glaube an dich, du schaffst das!" Mit einem solch typisch salesianischem Motivationsschub und Vertrauensvorschuss starten die Flex-Fernschüler ihr "ressourcenorientiertes" Lernen zu Hause. An verbindlich festgelegten Terminen in der Woche treten die drei festangestellten Lehrer sowie einige Honorarkräfte mit ihnen telefonisch, per Brief oder E-Mail in Kontakt. Die mündlichen Prüfungen werden schließlich persönlich in Bamberg eingeübt. Schulleiterin Jutta Hahn schwärmt geradezu von "unseren tollen, begabten Schülern und Schülerinnen", die nicht selten mit einem Notendurchschnitt von 1,2 ihren Abschluss machen. "Don Bosco würde unsere Fernschule gut heißen!", ist sich Emil Hartmann sicher. Denn "Jugendliche haben ein Recht auf Bildung". Und darauf, dass "ihre im normalen Schulalltag verletzte Würde wieder hergestellt wird".


In Bamberg ein Begriff

In diesem Sinne wirken nun seit genau 100 Jahren Salesianer Don Boscos in Deutschland. 1916 gründeten sie in Würzburg ihre erste Niederlassung - die Keimzelle des deutschen Don-Bosco-Werks. Schon drei Jahre später, also 1919, kamen Salesianer nach Bamberg und eröffneten das Canisiusheim. "Don Bosco ist in Bamberg ein Begriff", freut sich Pater Dieter Putzer und erinnert an die Don-Bosco-Musikanten oder an den Sportverband DJK Don Bosco, die Gründungen der Bamberger Salesianer seien.

Das Don-Bosco-Fest: Sonntag, 31. Januar: 10.30 Uhr: Festgottesdienst; 13.30 Uhr: Zirkusgala der Kinder und Jugendlichen aus dem Zirkus Giovanni; 17 Uhr: 6. Bamberger Zirkus-Varieté "Dixiland", Benefiz des "Bamberger Zirkus-Varieté e. V." Alle Veranstaltungen finden im beheizten Zirkuszelt auf dem Gelände des Josefsheims, Jakobsplatz 15, statt. Parkmöglichkeiten befinden sich auf dem Gelände des Ordinariates, Jakobsplatz 8.



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