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Bamberg
Interview

Heyder will Brose Baskets zu einem funktionierenden Team formen

Talentierte Spieler allein machen noch kein eingespieltes Topteam, der höchste finanzielle Etat in der Geschichte des Vereins noch keine zufriedenen Sponsoren. Eine schwierige Situation für den Sportdirektor der Brose Baskets, Wolfgang Heyder. Im Interview steckt er Ziele ab.
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Sportdirektor Wolfgang Heyder lebt für die Brose Baskets - jubelt und leidet mit dem Team. Alle Fotos: sportpress
Sportdirektor Wolfgang Heyder lebt für die Brose Baskets - jubelt und leidet mit dem Team. Alle Fotos: sportpress
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Der Titel ist neu: Sportdirektor. Dahinter verbirgt sich ein altbekanntes Gesicht, in das sich allerdings in den zurückliegenden Monaten einige Sorgenfalten gegraben haben. Wolfgang Heyder, Denker und Lenker des zuletzt erfolgreichsten Basketballbundesligisten, ist mit dem sportlichen Abschneiden der Brose Baskets nicht zufrieden. Abseits des Platzes ringt er um ein funktionierendes Netzwerk.

Herr Heyder, Sie sind mit dem neuen Jahr als Geschäftsführer "nur" noch sportlicher Direktor der Brose Baskets. War das Ihr Wunsch? Oder wurde Ihre Macht begrenzt, was dann wiederum zu den Wechselabsichten hätte führen können, von denen vor wenigen Tagen in überregionalen Medien zu lesen war?
Wolfgang Heyder: Mir geht es und ging es nie um "Macht", sondern um die Entwicklung des besten Basketballprogramms in Deutschland und das ist extrem harte Arbeit.
Seit mehr als zwei Jahren habe ich den Aufsichtsrat gebeten, mich zu entlasten. So sind danach zwei unterschiedliche Profile entstanden, auf der einen Seite Marketing, Finanzen/Controlling und Personal und auf der anderen Seite das Sportliche, für das ich jetzt stehe. Das heißt, eine Profimannschaft, die immer um die Meisterschaft in Deutschland mitspielen soll, sich in Europa Step by Step unter die besten 16 platzieren können muss und dazu ein Jugendprogramm, das effektiv in der Spitze wie in der Breite arbeitet. Darüber hinaus werde ich für die Kommunikation - also auch den Bereich TV-Rechte - verantwortlich sein und die Brose Baskets gegenüber der Liga BBL, dem DBB und dem BBV vertreten.

Allein das also ein Fulltimejob ...?
Es wird sicherlich deutlich, dass das bereits mehr als ein Fulltimejob ist. Mir war es wichtig, meine, in Hochzeiten mehr als 100 Stundenwoche auf ein "Normalmaß" von 60 Stunden reduzieren zu können. Was Wechselabsichten betrifft, kann ich nur sagen, dass ich in den letzten Jahren attraktive Angebote als Sportdirektor des DBB beziehungsweise als Geschäftsführer bei Bayern München nicht angenommen habe.

Mit der neuen Struktur wurde also Ihrem Wunsch entsprochen. Deshalb die Frage an den Hauptverantwortlichen für den sportlichen Bereich: Im ersten Halbjahr eine euphorisch gefeierte Meisterschaft. Im zweiten Halbjahr das Ausscheiden aus der Euroleague und eine Mannschaft, die in der Liga zwar gut platziert ist, aber alles andere als sportlich souverän auftritt. Wie fällt Ihre sportliche Bilanz 2013 aus?
Hauptverantwortlich für den Sport bin ich gemeinsam mit den Headcoaches nun seit 15 Jahren. Alle Entscheidungen werden grundsätzlich gemeinsam getroffen. Wir sind sehr glücklich, dass wir uns seit mehreren Jahren das Ziel Meisterschaft und Euroleague, letzte 16, stellen können. Ein unglaubliche Serie, für die wir landesweit beneidet werden. So war es ja auch in diesem Jahr.

Natürlich sind wir unglaublich enttäuscht über das Ausscheiden in der Euroleague, aber es gibt auch Erklärungen dafür: Wir sind mit einer jungen Mannschaft (Zirbes, Neumann, Smith, Sanders) in die Saison gegangen, was dazu führt, das man naturgemäß länger braucht, um ein funktionierendes Team zu formen. Alle sind sehr talentierte Spieler mit großem Ehrgeiz. Auf der anderen Seite sind mit Velicovic (von Saisonbeginn an) und jetzt Ford zwei Spieler wegen Verletzung beziehungsweise Trainingsrückstand als effektive Leistungsträger ausgefallen, von denen wir deutlich mehr erwartet haben.

Ein Leistungsträger ist immer auch der Aufbauspieler. Haben Sie auch hier mehr von Zack Wright erwartet?
Er hat bisher sicherlich nicht die Leistungen abgerufen, die wir ihm zugedacht haben als Leader in der Defense und Kreator in der Offense. Sicherlich ist das zurückzuführen auf die Knieprobleme, wegen derer er längere Zeit nur bedingt einsatzfähig war. Wir haben uns deshalb im wahrsten Sinne des Wortes auf den zweiten Platz in der Liga "gekämpft". Spielerische Qualität, zumal mit Fischer und Harris muss sich jetzt entwickeln, wobei ich nach wie vor von der Qualität unseres Teams sehr überzeugt bin.

Wie wollen Sie, wie will der Trainer diese Qualität in sportlichen Erfolg umsetzen?
Das Einspielen des Teams, gerade mit den Neuen, und eine klare Rollenverteilung und Hierarchie steht in den nächsten Wochen im Mittelpunkt. Und das wird mit dem vorhandenen Personal passieren, bei dem ich nach wie vor sehr viel Potenzial sehe. Wir haben immer gesagt, wir wollen Meister werden, daran hat sich nichts geändert. Der Eurocup muss, trotz des enttäuschenden Abschneidens in der Euroleague, jetzt im Focus stehen, das heißt, wir wollen die Gruppenphase überstehen und dann in den K.o.-Spielen das nötige Quäntchen Glück haben, um sehr weit zu kommen.

Sie tragen als sportlicher Direktor nun auch noch stärker Verantwortung für das sportliche Abschneiden der Brose Baskets. Ist Ihre Zukunft beim Bamberger Bundesligisten damit stärker als bisher vom sportlichen Erfolg abhängig? Setzen Sie sich selbst unter Druck? Anders gefragt: Was passiert, wenn Bamberg nicht unter die vier besten Mannschaften des Eurocups kommt oder in der Bundesliga im Play-Off-Viertelfinale scheitert?
Ich denke, die Erfolge haben relativ wenig mit meiner Zukunft zu tun. Es ist das "Bamberger Programm", das wir alle auf dem erreichten hohen Niveau halten wollen. Der sportliche Erfolg war von Anfang an und wird auch in Zukunft ein entscheidender Faktor sein. Er wird natürlich auch über die vorhandenen Budgets definiert. Der Druck ist intern, übrigens auch bei der Mannschaft, genauso hoch wie von außen. So waren alle Spieler furchtbar enttäuscht, nicht unter die letzten 16 gekommen zu sein. Viele der Spieler sind vor allem deshalb überhaupt nach Bamberg gekommen. Von außen kommt dagegen öfters die Argumentation, dass das Ausscheiden eher hilfreich für den Verlauf der weiteren Saison sei, das aber will und wollte niemand.

Ob es wirklich mit den letzten vier im Eurocup klappt, hängt sicherlich auch von den entsprechenden Gegnern ab. Es sind 14 Teams dabei, die bereits erfolgreich Euroleague gespielt haben. Das ist kein Selbstläufer. Das heißt, es muss alles passen, ein Scheitern im Playoff-Viertelfinale wäre eine Katastrophe, das wollen wir definitiv nicht einkalkulieren. Da müsste schon sehr viel schief laufen, aber damit beschäftigen wir uns gar nicht.

Sportlich lief und läuft noch nicht alles rund. Abseits des Spielfeldes auch nicht. Der Wechsel des Namingrights der Halle und der daraus folgende stärkere Einfluss des Hauptsponsors Brose liefen nicht geräuschlos ab. Manche Sponsoren fühlten sich verdrängt. Der Unmut wurde öffentlich. Ist diese Diskussion auch bei Trainer und Sportlern ein Thema? Beeinflusst dies die Leistung der Mannschaft?
Natürlich spreche ich und zwar regelmäßig mit Chris Fleming über diese Themen. Der Trainer ist ja grundsätzlich in das Gesamtkonzept eingebunden. Chris ist ja Botschafter der Brose Baskets und außerdem auch bezüglich der Marketingaktivitäten und am Gesamtkonzept sehr interessiert. Aus seiner und meiner Sicht wird das Team weniger davon beeinflusst, sie beschäftigen sich intensiv mit den sportlichen Themen. Nichts desto trotz ist eine positive Strömung im Gesamtumfeld schon bedeutsam.

Herr Stoschek hat im Bezug auf die Einbindung der Sponsoren in das neue Konzept Fehler auf Seiten der Brose Baskets in der Kommunikation eingestanden. Was wird besser, was wird anders im neuen Jahr?
Aus meiner Sicht haben im Sommer durch das neue Konzept große Veränderungen stattgefunden, was auch auf laufende Verträge vieler Sponsoren Einfluss hatte. Es war in der kurzfristigen Umsetzung für Björn Albrecht im Marketing und mich ein ziemlicher Kraftakt. Aber es ist uns in vielen Gesprächen gelungen. Was sicherlich dabei zeitlich zu kurz kam, war die Gesamtkommunikation mit allen Partnern. Diesen Prozess haben wir gemeinsam mit Michael Stoschek begonnen und wir wollen ihn kontinuierlich fortsetzen. Jeder ist für uns wichtig und soll auch so behandelt werden.

Gibt es bisherige Sponsoren, die sich im aktuellen Konzept nicht mehr wiederfinden? Haben sich Sponsoren zurückgezogen? Wenn ja, wie viele und in welchem finanziellen Umfang?
Im Laufe des Sommers hat sich ein Partner aufgrund des neuen Konzeptes zurück gezogen. Alle anderen Vertragspartner waren mit den Modifikationen einverstanden. Grundsätzlich sind etliche Große (Würth, MSIC, Marsh) und einige Kleinere dazu gekommen.

Rund 200 Sponsoren mit jährlichen Beträgen von 10000 bis 500000 Euro und ihre Wünsche, ein Hauptsponsor mit starken Interessen, der die Hälfte des Zehn-Millionen-Euro-Etats trägt. Ist das miteinander vereinbar?
Natürlich ist das vereinbar. Ohne den Hauptsponsor und überregionale Partner können wir die Ziele, um die Deutsche Meisterschaft zu spielen, aber auch ein fantastisches Jugendprogramm in Spitze und Breite zu haben, nicht halten. Dies hat ja auch einen unglaublichen Mehrwert für Bamberg und die Region, das oft gar nicht so gesehen wird. Aber wir brauchen auch für die Bamberger Ziele auch die große Leidenschaft und Emotion von Freak City vor allem die kleinen und mittleren, die regionalen Partner, die uns in diesem Bereich tragen.
Für den einen zählt die Präsenz bei Spielen, andere wollen explizit unser Jugendkonzept unterstützen, ein großer Teil möchte am unglaublichen Netzwerk partizipieren, manchen ist die regionale Werbung wichtig, andere wiederum setzen auch auf nationale Reichweite. Auch in Zukunft wollen wir allen diesen unterschiedlichen Ansätzen entsprechen. Das hat den Bamberger Basketball schon immer ausgemacht und daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern.

Unser Ziel ist es und es gilt für alle Beteiligten: Die Chancen zu nutzen, langfristig ein Topprogramm in Deutschland zu sein, auf das die ganze Region stolz sein kann und dahinter steht. Mit dieser Prämisse sind wir vor 16 Jahren angetreten und daran hat sich nichts geändert - mit der Modifikation, dass ein Partner wie Brose im Boot ist und dies den entscheidenden riesigen Mehrwert darstellt.

Das Engagement des Unternehmens Brose ist langfristig angelegt. Chance für herausragende sportliche Leistungen oder Risiko einer zu großen Abhängigkeit?
Ich finde diese Diskussion schon etwas realitätsfern. Die Firma Brose ist seit zwölf Jahren Partner der Brose Baskets, seit sieben Jahren Namensgeber. Dies ist ein langfristiges Zeichen der Stabilität, das ansonsten selten im Profisport zu finden ist. Wir können uns glücklich schätzen, dass die Firma Brose und die Familie Stoschek nun bereit ist, mit uns zusammen die großen Ziele im Spitzensport zu ermöglichen. Nur mit dem Lead dieses Partners und der großen Emotion kann es auf diesem sportlichen Spitzenniveau weiter gehen, ohne Wenn und Aber.

Noch einmal zurück zum Naming right für die Halle. Vor Wochenfrist hat sich der vorherige Inhaber der Rechte, Franz Stegner von der Firma Stechert, zu Wort gemeldet. Er greift in einem "offenen Brief" Sie, Herrn Stoschek und die Stadt Bamberg an. Er prangert mangelnde Führungsstrukturen bei den Brose Baskets an, spricht von nicht eingehaltenen Versprechen, wundert sich, dass Geld für die Stadt Bamberg bei der Neugestaltung der Halle nun offensichtlich keine Rolle mehr spiele und sogar neue Stühle angeschafft würden. Obwohl er nach eigenen Worten "nicht nachtarocken oder schmutzige Wäsche waschen" will, spricht er in dem offenen Brief von einer "teilweise primitiven, hinterfotzigen und unseriösen Art und Weise", wie mit ihm umgegangen worden sei. Wie bewerten Sie diesen Vorstoß?
Ich möchte hier nicht viel dazu sagen, nur, dass mir diese Entwicklung persönlich sehr leid tut, da ich mit Franz Stegner vier Jahre lang ein sehr, sehr freundschaftliches Verhältnis hatte, er als Fußballer sich mit der Sportart Basketball infiziert hat und ich hoffe, dass die Streitigkeiten, die durch die Auflösung des Namingright-Vertrages entstanden sind, sich im Laufe des neuen Jahres klären werden. Und es ist mir auch ein Anliegen, dass Franz Stegner noch in dieser Saison wieder ein gern gesehener Gast in der Arena wird.

Die Fragen stellte Frank Förtsch



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