Bamberg
Leidenschaft

Heiße Bikerinnen entdecken Bamberg

Seit 21 Jahren treffen sich Frauen mit Liebe zur Harley Davidson ein Mal im Jahr zur sogenannten LOH-Rally. Dieses Jahr fand das Treffen in Bamberg statt und vor dem Welcome- Hotel Residenzschloss lag Benzinduft in der Luft.
Artikel drucken Artikel einbetten
Fürwahr ein ungewohntes Bild: Vor dem Hotel Residenzschloss machen sich die Bikerinnen startklar. Fotos: Lukas Reinhardt
Fürwahr ein ungewohntes Bild: Vor dem Hotel Residenzschloss machen sich die Bikerinnen startklar. Fotos: Lukas Reinhardt
+12 Bilder
Es ist ein weiterer sengend heißer Sommertag. Die Sonne knallt auf den Asphalt vor dem Bamberger Hotel Residenzschloss und in der vor Hitze flimmernden Luft liegt der Duft von Benzin. Lautes Motorengeräusch ist zu hören und ein Motorrad nach dem anderen fährt auf dem Platz des Residenzschlosses vor. Rund 180 Bikerinnen aus unterschiedlichen Ländern und aus unterschiedlichen Motorradgruppierungen - sogenannten Chapters - versammeln sich hier für mehrere Tage, um ihre gemeinsame Leidenschaft zu zelebrieren - die Liebe zur Harley. Vier Tage am Stück absolvieren sie ein abwechslungsreiches Programm mit Motorrad-Touren, Partys und Sightseeing.


Ohne Männer entspannter

Initiiert wird dieses Spektakel von Mary Mölder, der Präsidentin des Motorradclubs Ladies of Harley. Vor 21 Jahren rief sie dieses Treffen das erste Mal ins Leben.
"Ich wollte endlich mal ein Treffen nur für Frauen - ohne Männer", erklärt die Initiatorin. "Die Atmosphäre ist so wesentlich entspannter und die Mädels werden nicht die ganze Zeit von Männern angegraben", stellt sie lachend fest. In dieser familiären Atmosphäre sind so über die Jahre zahlreiche Freundschaften entstanden. Viele Frauen nehmen regelmäßig an den Treffen teil, aber es kommen auch immer wieder neue Gesichter dazu: "Ich muss da auch gar nicht viel promoten, das passiert alles über Mundpropaganda."

Propaganda, die offensichtlich funktioniert, wie die jahrelange Erfolgsgeschichte zeigt. Seit 21 Jahren findet das Treffen jedes Jahr in einer anderen Stadt in Deutschland statt. Ob Köln oder Baden Baden, Hamburg oder Berlin, die Bikerinnen "kommen viel rum", erzählt die 55-Jährige Bremerin. Auf Bamberg als diesjährigen Treffpunkt fiel die Wahl nach dem Ausschlussprinzip: "Ich hab einfach auf die Deutschlandkarte geschaut und einen Flecken rausgesucht, wo wir noch nicht waren", erklärt sie und ist mit ihrer Entscheidung mehr als zufrieden: "Es ist eine tolle Gegend hier, das Ambiente der Altstadt, drumherum die fränkische Schweiz und der Steigerwald" - perfekte Komponenten für ein Motorradtreffen, das aber auch jede Menge Planung erfordert.

Dabei wird Mary Mölder von ihrem Mann Rüdiger Wulf und der Tochter Julia unterstützt. Während die Tochter in die Fußstapfen der Mutter getreten ist und ebenfalls in jungen Jahren ihre Leidenschaft zur Harley entdeckt hat, teilt Mary Mölders Gatte - Bankier und selber nicht in Besitz des Motorradführerscheins - die Passion seiner Frau nur Abseits des Asphalts. Er organisiert und packt dort an, wo er gebraucht wird. Dass die Harley von Mary Mölder einen wichtigen und festen Platz in ihrem Leben besitzt, daran hat sich Rüdiger Wulf längst gewöhnt.


Die Sache mit dem Dealer

Auch den Biker-Jargon hat er mittlerweile verinnerlicht. Anfangs hatte dies in der Beziehung für die ein oder andere lustige Irritation gesorgt: "Wir waren noch nicht allzu lange zusammen, da hab ich zu meinem Mann gesagt, dass ich mal zum Dealer muss - da fiel er natürlich aus allen Wolken", erzählt Mary Mölder lachend. "Als ich ihn dann aufgeklärt hab, dass der Dealer im Biker-Jargon der Harley-Händler des Vertrauens ist, war er zweifelsohne erleichtert". Zu eben so einem "Dealer" - in diesem Falle Harley-Händler Berthold Paukner - brechen die Bikerinnen auch heute auf. Dafür fahren die rund 180 Frauen im Konvoi auf ihren Harleys eine 30 Kilometer lange Strecke nach Unterhaid - eines der Spektakel beim diesjährigen Treffen. Berthold Paukner freut sich bereits auf den Besuch. Sowieso, findet er, gebe es solche Gelegenheiten wie dieses Motorradtreffen für Frauen viel zu selten. "Hier sind paar richtig toughe Mädels dabei", erzählt er, "die haben auch wirklich was drauf". Der Händler, der selber stilecht mit der Harley unterwegs ist, ist gekommen, um sich ein Bild zu machen. Um zu sehen, wie viele Motorräder er erwarten kann. "Wir haben einen großen Parkplatz, da passen die schon alle drauf", erklärt er schmunzelnd. Und so schnell wie er gekommen ist, düst er auf seiner Harley wieder davon, um die restlichen Vorbereitungen für den Empfang zu treffen.

Auf dem Vorplatz des Hotels haben sich mittlerweile fast alle der 180 Frauen auf ihren Motorrädern versammelt. Die Luft ist gefüllt vom Geruch des Benzins und die aufheulenden Motoren erschweren es, sich zu unterhalten. Letzte Instruktionen werden gegeben: Wie läuft die Fahrt ab? Was ist erlaubt, was nicht? Den Bikerinnen ist die Vorfreude anzusehen. Einige von ihnen sind bis zu 700 Kilometer mit ihren Harleys gefahren, um an diesem Treffen teilzunehmen. Sie kommen aus ganz Deutschland, den Benelux-Ländern, Österreich oder der Schweiz und alle wollen sie bei den heißen Temperaturen nur noch eins: den erfrischenden Fahrtwind im Gesicht spüren. Auch Mary Mölder schwingt sich mit Helm und Motorradjacke auf ihre Maschine. Ein letzter Gruß mit der Hand und sie ist auf und davon.


Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren