Bamberg
Kirchenmusik

Heilsames Singen in Bamberger Kirchen

Diözesanreferentin Rosalie Scherlein lud am Samstag zur "Gregorianik zum Mitsingen" ins Dompfarrheim ein.
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In der Domkrypta umringten die Männer und Frauen den Altar und sangen das Stundengebet. Foto: Matthias Hoch
In der Domkrypta umringten die Männer und Frauen den Altar und sangen das Stundengebet. Foto: Matthias Hoch
Ob es so im Paradies klingt? Engelgleiche Stimmen steigen zum Gewölbe der Domkrypta empor. Hallen wider. Schwingen sich erneut in die Höhe. Glockenhell ertönt der Sopran von Gabriele Netal-Backöfer: "Der Herr ist wahrhaft erstanden, halleluja!" Und zwanzig Männer und Frauen wiederholen jubelnd dieses Halleluja. Sind sie alle vielleicht doch Mönche und Nonnen, die aus der Domkrypta ein Kloster werden lassen?
Nein, dieser Chor besteht aus lediglich solchen Leuten, die Freude am Singen haben. Die sich mit Musikpädagogin Gabriele Netal-Backöfer und Diözesanreferentin Rosalie Scherlein auf eine Entdeckungsreise in die Welt der Gregorianik machen und die spirituelle Kraft mittelalterlicher Melodien und Hymnen erfahren.
"Ich bin total begeistert, find's einfach klasse", lobt etwa Andrea Minister aus Walsdorf den Probentag im Dompfarrheim mit abschließender Vesper in der Domkrypta.

Eine einmalige Gelegenheit

Die 45-Jährige ist weder getauft, geschweige denn Kirchgängerin. "Ich komme hier von null auf hundert", lacht Andrea Minister auf und erzählt dann ganz ernst geworden von einem Besuch bei den Benediktinern von Münsterschwarzach, wo sie zum ersten Mal mit geistlicher Musik in Berührung kam und sich ergreifen ließ. Die Bambergerin Gabriele Gardill (57) ist da im Blick auf gregorianische Choräle schon erfahrener, zumindest als Konsumentin. "Doch wann wurde in Bamberg schon einmal Gregorianik zum Mitsingen angeboten?", fragt die Katholikin Gardill mehr rhetorisch und ist froh, diese bisher einmalige Gelegenheit beim Schopfe packen zu können.
Diözesanreferentin Rosalie Scherlein hatte zur "Gregorianik zum Mitsingen" eingeladen: "Weil freies Singen mir ein Herzensanliegen ist", wie sie sagt. Und weil beim gregorianischen Gesang "die Texte zum Leuchten kommen". Weil Kirchenräume die Resonanz des Klanges erlebbar machen. Weil viele moderne liturgische Gesänge auf die gregorianische Tradition zurückgehen. Die Diplom-Theologin spricht von einem "heilsamen Singen" und einem Erschließen "neuer Kraftquellen für unseren Alltag".
Mit Inbrunst ist Franz-Josef Saam dabei, ein schon erfahrener Gregorianiker aus dem Klosterchor in St. Anton Forchheim. "Ich will kennen lernen, wie es andere machen", begründet der 73-Jährige seine Teilnahme. Überhaupt singe er gerne Choral: "Im Gregorianischen Singen geschieht Beziehung zu Gott", zitiert Saam ein Wort des bekannten Benediktiners Anselm Grün.

Die Dombesucher lauschen

Dieser Beziehung geben die nun Erprobten in dem gesungenen Stundengebet, der Vesper, ihren Ausdruck. Sie umringen den Altar in der Domkrypta, bringen kleine Osterkerzen zum Leuchten. So mancher Dombesucher lauscht ergriffen dem liturgischen Gesang der Gruppe und ahnt, dass dieser "in höchstem Maße dazu beiträgt, den menschlichen Geist zum Übernatürlichen zu erheben" ( Zitat aus der Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die heilige Liturgie).

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