Bamberg

Heilige Pforte im Bamberger Dom eröffnet

Erzbischof Ludwig Schick gibt in einer programmatischen Predigt die Zielrichtung des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit vor. Hunderte Gläubige hörten ihm in der Pontifikalvesper zu.
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Ein ganz besonderes kirchliches Ereignis: Die Heilige Pforte wird geöffnet.  Foto: Barbara Herbst
Ein ganz besonderes kirchliches Ereignis: Die Heilige Pforte wird geöffnet. Foto: Barbara Herbst
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Auf Facebook gibt es Kommentatoren, die die Öffnung der Heiligen Pforte am Bamberger Dom als "Kinderkram" und "katholischen Triumphalismus" abtun. Auch diesen Zeitgenossen ist Gottes Barmherzigkeit sicher, sofern sie ihren Unschuldswahn ablegen können. "Der Barmherzigkeit Gottes öffnen wir unsere Pforten, wenn wir unsere Fehler und Schwächen eingestehen und um Vergebung bitten", versicherte Erzbischof Ludwig Schick in der Pontifikalvesper vor hunderten Gläubigen, darunter auffallend viele jüngere Leute.


Einladung zur Umkehr

Am Samstagabend wurde nun das von Papst Franziskus ausgerufene Heilige Jahr der Barmherzigkeit auch im Erzbistum Bamberg eingeläutet. Dabei öffnete der Erzbischof durch das Klopfen mit seinem Bischofsstab an die Marienpforte des Domes, die seit Jahrhunderten auch Gnadenpforte genannt wird, die Heilige Pforte. Diese solle zu Gebet, Buße und Umkehr einladen, so Schick.

Dicht gedrängt standen die Menschen mit brennenden Kerzen in den Händen vor dem Portal: Angestrahlt in Blau als alte Kennfarbe Mariens und Erinnerung an das Wasser der Taufe, in Violett als Farbe der Buße, Umkehr und Erneuerung. Die Domkapitulare, Alt-Erzbischof Karl Braun, Weihbischof Herwig Gössl, Ministranten bildeten einen Halbkreis vor den Stufen zur Marienpforte. Ein Diakon verkündete das Evangelium: "Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen...Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist! (Lukas 6, 27-36)

Bevor der Mesner von innen die Pforte öffnete, sprach Erzbischof Schick: "Das ist das Tor zum Herrn, durch dieses Tor tretet ein, um Barmherzigkeit und Vergebung zu erlangen." Als dann die versammelte Schar durch die weit offen stehende Marienpforte in den Dom einzog, empfing sie der Chor mit Domkapellmeister Werner Pees: "Machet die Tore weit!" ertönte es sinnig. Die stimmig gestaltete Vesper mit ihren Momenten der Stille, mit Psalmen, Magnificat und Fürbitten berührte.

In seiner Predigt nannte Erzbischof Schick Barmherzigkeit einen "Sammelbegriff für Güte, Langmut, Verständnis, Zuhören, Liebe". Er rief dazu auf, die leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit einzuüben, also "Hungrige speisen, Durstigen zu trinken geben, Nackte bekleiden, Fremde aufnehmen, Kranke pflegen, Gefangene besuchen, die Toten begraben, die Betrübten trösten oder die Lästigen geduldig ertragen".

Der Prediger räumte ein, dass in "unserer Gesellschaft wohl niemand hungern muss". Für die Armen, Obdachlosen, Alten und Kranken sei durch die Sozialsysteme und karitativen Einrichtungen gut gesorgt. Aber eine wohlhabende Gesellschaft sei nicht automatisch eine Wohlfühlgesellschaft: "Soziale Kälte ist Wirklichkeit bei uns", beklagte Schick und appellierte: "Lasst uns die Barmherzigkeit neu lernen und tun! Seien wir barmherzig mit unserem Nächsten und mit uns selbst!"


Nur alle 25 Jahre

Papst Franziskus hat das außerordentliche Heilige Jahr unter dem Motto "Barmherzig wie der Vater" zum 50. Jahrestag des Endes vom Zweiten Vatikanischen Konzil ausgerufen und dauert bis zum 20. November 2016. Ordentliche Heilige Jahre finden alle 25 Jahre statt, zuletzt 2000. Während es in der Vergangenheit immer nur Heilige Pforten im Petersdom und in drei römischen Basiliken gab, hat der Papst diesmal die Möglichkeit geschaffen, in allen Diözesen weltweit Heilige Pforten einzurichten.

Im Erzbistum Bamberg wird die Marienpforte die einzige Heilige Pforte sein, wie der Diözesanbeauftragte für das Heilige Jahr erklärt. Domkapitular Peter Wünsche, Leiter der Hauptabteilung Liturgie im Erzbischöflichen Ordinariat, koordiniert das umfassende Programm. So werden beispielsweise das Kunigunden- und Heinrichsfest sowie der Jugendsonntag und der Ottotag unter dem Thema des Heiligen Jahres stehen. Höhepunkt wird eine "Nacht der Versöhnung" in der Fastenzeit 2016 im Dom sein. Des Weiteren sind mehrere Wallfahrten zur Kathedrale geplant, Besinnungstage, Andachten und Mittagsgebete, eine Romreise oder ein Gesprächsforum auf der Burg Feuerstein mit dem früheren Erfurter Bischof Joachim Wanke. Während des ganzen Jahres wird es an der Marienpforte selbst Projektionen von Kurztexten zum Thema "Barmherzigkeit" geben.




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