Bamberg
Lebensmittelhandel

Hartes Geschäft in der Vorkassenzone

Im Rewe-Markt Rudel muss ein örtlicher Metzger nach 22 Jahren seine Filiale schließen. Ein wenig besser als den Fleischereien geht es noch den Bäckereien.
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Bäckermeister Thomas Loskarn vor seinem Laden. Er und seine Familie werden nicht bei Rewe in der Wunderburg einsteigen.  Fotos: Matthias Hoch
Bäckermeister Thomas Loskarn vor seinem Laden. Er und seine Familie werden nicht bei Rewe in der Wunderburg einsteigen. Fotos: Matthias Hoch
Die Kunden des Rewe-Marktes von Anne Rudel an der Würzburger Straße sind verunsichert: Der örtliche Bamberger Metzger, der 22 Jahre lang die Filiale in der Vorkassenzone betrieben hat, wird zum Ende des Monats Juli schließen. Der Grund ist einfach: Sein Vertrag ist ausgelaufen und wurde nicht mehr verlängert, weil Rewe ihre Metzgereien in Zukunft bundesweit selbst betreiben will.


Betreiberin beschwichtigt

Marktbetreiberin Anne Rudel sieht darin nur Vorteile: Die neue Großmetzgerei werde "bayerische Qualität" und "spitzenartiges Fleisch" anbieten, und für die Regionalität würden kleinere Metzgereien aus dem Umkreis mit unterschiedlichen Spezialitäten sorgen.

Kenner der Branche teilen diese Euphorie nicht, ganz im Gegenteil: Wieder werde ein traditionsreicher Handwerksbetrieb geschwächt, wieder verschwinde ein Stück Regionalität, meint der Obermeister der Bamberger Metzgerinnung, Norbert Liebig. "Wir bedauern es sehr, dass regionale Metzger aus dem Rewe-Geschäft aussteigen müssen." Kollegen, die eine Supermarkt-Filiale verlieren, verlören ein wichtiges wirtschaftliches Standbein, sagt Liebig.


Obermeister verärgert

Energisch tritt er in diesem Zusammenhang einer Behauptung entgegen, die er oft zu hören bekommt: Den heimischen Metzger werde unterstellt, dass sie gar nicht so regional arbeiteten wie immer behauptet werde. Liebig wird in diesem Punkt sehr ärgerlich: Die Forderung, dass mindestens 80 Prozent aller verwendeten Rohstoffe aus der Region stammen müssen, werde von den Metzgern in der Stadt Bamberg und im Landkreis spielend eingehalten. Dass Kardamom und andere Gewürze nicht aus Bamberg kommen könnten, sei ja wohl klar.
Für den betroffenen Bamberger Metzger gibt es zu dem verlorenen Standort keine Alternativen. Die Kunden wollten es heute bequem haben, heißt es aus dem Unternehmen. Es mache keinen Sinn, einen neuen Metzgerladen auf die grüne Wiese zu setzen. Da fahre keiner eigens hin.

Auch die Kunden der Bäckereien schätzen die Bequemlichkeit und erledigen sämtliche Einkäufe am liebsten unter einem Dach. Doch anders als die regionalen Metzger sind die örtlichen Bäcker bei den Lebensmittelkonzernen in der Vorkassenzone noch gerne gesehen - als Kundenbringer und fleißige Zahler.

Thomas Loskarn kann ein Lied davon singen. Es ist noch nicht lange her, da standen er und seine Frau vor der Entscheidung, ob sie der neunten Filiale ihres Familienbetriebes noch eine zehnte hinzufügen sollten - im künftigen Rewe-Markt auf dem Gelände des alten Glaskontors in der Wunderburg. Backstube und Stammgeschäft von Loskarn befinden sich keine 200 Meter entfernt in der Erlichstraße. Es wäre ein Heimspiel gewesen, und Rewe hätte, so berichtet der Bäckermeister, auch gerne eine Loskarn-Filiale unter ihrem Dach gehabt.

Die Entscheidung im Familienrat fiel für Rewe negativ aus, wofür es eine Reihe von Gründen gibt. Zuerst einmal hätte Thomas Loskarn 130 000 Euro in die Hand nehmen müssen, um die Filiale einzurichten. Als Monatsmiete verlangt der Konzern zwischen 10 und 14 Prozent des Umsatzes. Loskarn hat ausgerechnet, dass für den Standort Glaskontor mindestens 4500 Euro netto (plus Nebenkosten!) fällig wären. "Von jedem Euro, den ein Kunde über die Theke reicht, gehen also wenigstens 12 Cent an den Vermieter." Schließlich wollten er und seine Frau dem Personal "nicht solche Zwänge zumuten". Anders als im eigenen Geschäft muss Loskarn sich als Mieter in einem Einkaufsmarkt an die dortigen Öffnungszeiten halten und sich auch bei anderen Dingen anpassen. "Wir wollen unser Personal nicht noch mehr belasten, denn wir können schon froh sein, so gute und zuverlässige Leute zu haben."

Loskarn hat schon einmal schlechte Erfahrungen mit einem großen Lebensmittelkonzern gemacht: Auf dem Parkplatz von Lidl an der Memmelsdorfer Straße war er zehn Jahre lang mit einem Verkaufspavillon vertreten, den er komplett auf eigene Kosten bauen und einrichten musste. Nach Ablauf des ersten Fünf-Jahres-Vertrages "mit moderater Miete" stieg der Mietpreis auf das Doppelte. Nach Ablauf des zweiten Vertrages durfte er alles wieder abbauen - ebenfalls auf eigene Kosten. "Das ist keine Partnerschaft, sondern ein knallhartes Geschäft."
Loskarn und seine Familie sind deshalb nach langer Überlegung zu dem Schuss gekommen, Rewe eine Absage zu erteilen: "Wir wollen nicht Handlanger der Märkte sein."


Personal wird übernommen

Zurück zum Rewe-Markt an der Würzburger Straße und einer letzten wichtigen Frage im Zusammenhang mit der Schließung der Metzgerei-Filiale: Das Personal der Metzgerei wird nach Auskunft von Anne Rudel vom neuen Betreiber übernommen - sofern die Mitarbeiterinnen dies wünschen. Dass dies ein Gnadenakt sein könnte, bestreitet ein Kenner der Branche: "Verkäuferinnen werden händeringend gesucht. "
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