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Ebern
Norwegenwoche

Hans Josef Groh aus Ebern findet: In Norwegen sind alle "ein bissl normaler" als in Deutschland

Große Tiere, einsame Orte und die Fähigkeit, sogar aus einem Terroranschlag das Positive zu ziehen: Der gebürtige Franke Hans Josef Groh erklärt, was ihn an Norwegen begeistert.
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Man muss sie gar nicht suchen: In Norwegen erlebt man überall Ruhe und auch Einsamkeit fernab größerer Siedlungen. Hier: Offersøy, das - gefühlt am Ende der Welt - an der Südspitze der Insel Hinnøya zwischen den Vesterålen und den Lofoten liegt. Foto: Rolf Nebel
Man muss sie gar nicht suchen: In Norwegen erlebt man überall Ruhe und auch Einsamkeit fernab größerer Siedlungen. Hier: Offersøy, das - gefühlt am Ende der Welt - an der Südspitze der Insel Hinnøya zwischen den Vesterålen und den Lofoten liegt. Foto: Rolf Nebel
Zum Glück hatte Hans-Josef Groh eine Tablette genommen: So war er der einzige, dem auf der Meeressafari vor der Küste von Andenes nicht übel wurde und er konnte den 17 Meter langen Wal namens Oskar direkt neben dem Boot sehen. Er und seine Musikerkollegen hatten als Studenten eines Cellokurses in den 80er Jahren die Tour als Honorar bekommen und Groh muss heute noch lachen, wenn er daran denkt: Alle kauerten mit grünem Gesicht auf dem Schiffsboden ... außer ihm.


Verschlafen, einsam, wunderschön

Die Begegnung mit dem Wal war einer von vielen Punkten, die dem gebürtigen Unterfranken den norwegischen Norden so ans Herz haben wachsen lassen. "Mir gefällt wahnsinnig gut die Gegend um Hadsel und Melbu auf den Vesterålen", sagt Groh, der 1992 nach Oslo umsiedelte und bei den dortigen Philharmonikern als Cellist spielt. Er gerät ins Schwärmen, wenn er in Gedanken "weiterreist": Mit der Fähre hinüber nach Fiskebøl auf den Lofoten oder in Richtung Evenes. "Das ist mein Städtchen geworden. Wunderschön und verschlafen, dort kann man die pure Einsamkeit erleben." Auch Nyksund fasziniere ihn, sagt Groh. Das Dorf im Norden der Vesterålen wurde mehrfach von den Fischern verlassen, weil sie keine Lebensbasis mehr sahen.


Reggae und Ska

Als der Cellist Mitte der 80er Jahre das erste Mal während einer Konzertreise dort war, hatte die TU Berlin gerade eine Internationale Jugendbegegnungsstätte aufgebaut und dafür das ganze Dorf gemietet. Nach Projektende starb der Ort erneut aus. In der Zwischenzeit wurden die bunten Fischerhäuser teilweise renoviert und Nyksund wieder belebt - es zählt ein paar wenige Einwohner und ein paar Dutzend Touristen. Sie kommen vor allem wegen der Reggae- und Ska-Konzerte, aber auch wegen der Gastronomie. "Man kann eine hervorragende Fischsuppe in Nyksund essen", sagt Groh.


Erholung in zwei Stunden

Mit der Suppe im Magen fährt es sich gut weiter nach Andesnes am nördlichen Ende der Vesterålen. "Dort auf den kleinen Turm am Vogelfelsen steigen und einfach nur schauen, so kann man sich in zwei Stunden erholen wie anderswo in zwei Wochen", sagt Groh und lächelt.
Kehren wir aus dem Norden zurück in Grohs neue Heimatstadt: "Oslo ist nicht wirklich schön, aber interessant und man kann sehr viel machen", weiß der Zugereiste und zählt natürlich Auftritte seines Orchesters auf, aber auch die Oper oder das Munch-Museum. Sein ganz persönlicher Geheimtipp hat mit Kultur wenig zu tun - er zeigt das "andere Norwegen", das 2011 durch rechtsextreme Anschläge im Regierungsviertel und auf ein Jugendcamp erschüttert wurde.


"Ein bissl normaler als in Deutschland"

Noch heute sind neben Picassos Mauerfresken am Regierungsgebäude in der Akersgata auch die Spuren der Explosion zu sehen. Sie sollen ein Mahnmal sein: "Die Norweger haben damals gesagt, wir lassen uns nicht von Angst und Terror regieren", sagt Groh. "Wir holen uns Norwegen zurück." Das sei typisch für die Volksseele. "Man muss immer das Positive rausziehen", hat der Franke von den Norwegern gelernt, und: "Norweger sind zurückhaltend. Da können auch Promis einfach herumspazieren und werden nicht belästigt. Alle sind ein bissl normaler als in Deutschland. Das mag ich einfach."








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