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Bamberg
Konzert

Hannes Wader singt über den Tod

Hannes Wader ist einer der bekanntesten Liedermacher Deutschlands. Sein Auftritt in Bamberg zeigte den 73-Jährigen einerseits ungebrochen, andererseits zutiefst melancholisch.
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Liedermacher Hannes Wader bei seinem Konzert in Bamberg Fotos: Barbara Herbst
Liedermacher Hannes Wader bei seinem Konzert in Bamberg Fotos: Barbara Herbst
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Da wollte man nach zwei Stücken schon frustriert die Segel streichen. War's nicht doch nur eine Nostalgieveranstaltung im Hegelsaal am Montagabend für ein überwiegend grauköpfiges Publikum, das den Soundtrack seiner halbwegs rebellischen Jugend wiederhören wollte?

War es auch und doch wieder nicht, vor allem nach der Pause nicht, als Hannes Wader, knapp 73, über Jahrzehnte einer der Barden der linksalternativen Bewegung in Deutschland, über den eigenen Tod sang oder über einsame Gehöfte, die ein Scheinidyll versprechen: "Alles nur Schein", weiß der Liedermacher, dessen Name in einer Reihe steht mit Franz-Josef Degenhardt (tot), Georg Kreisler (tot), Walter Moßmann (krank) und Wolf Biermann (konvertiert).

Seine große, auch kommerziell für einen linken Sänger sehr erfolgreiche Zeit lag in den siebziger Jahren, dem roten Jahrzehnt, aber auch die Friedensbewegung der frühen 80er begleitete Wader musikalisch. Nach dem Kollaps des Realsozialismus geriet das DKP-Mitglied naturgemäß in die Krise, verließ die Partei, hatte aber so viel Charakter, seine Grundüberzeugung als "aufrechter linker Demokrat", wie er sich in einem Songtext selber nennt, niemals zu verraten. Ganz weg war er aber nie, schrieb und sang weiter, tourte mit Konstantin Wecker, erzielt mit seinen Alben immer noch beachtliche Verkaufszahlen.

Und lockt ein großes Publikum, wie der Bamberger Abend zeigte. Puristisch, allein auf der Bühne nur mit zwei akustischen Gitarren, im schwarzen Hemd, wirkt der Sänger auch nach Tausenden von Auftritten noch rührend unbeholfen, norddeutsch karg, mitunter fast linkisch. Auch die Stimme des gealterten Barden, der schon auf den legendären Burg-Waldeck-Festivals auftrat, war bei den ersten Stücken noch brüchig, gewann dann aber die gewohnte vibratoreiche Stabilität. Sein Gitarrenspiel ist solide; Wader beherrscht das Fingerpicking avancierterer "Folk Friends", wie eines seiner Alben hieß.

Lieder über sich selbst

Im Laufe seiner jahrzehntelangen Karriere nahm der Liedermacher auch, Shanties, Arbeiter- oder Landsknechtslieder auf, wovon in diesem Konzert nur eines zu hören war. Auch Boris Vians "Le déserteur" wirkt doch arg antiquiert. Am besten ist Wader im Jahr 2015, wenn er viel von sich preisgibt. Im Talking Blues ("antiker Rap") "Wo ich herkomme" erzählt er eindringlich, lakonisch und nicht ohne Bitterkeit, von seiner Herkunft als "einer aus der Unterschicht". Er war eben kein entlaufenes Bürgerkind mit der sozialen Hängematte eines gut situierten Elternhauses als Versicherung. "Deine Herkunft bleibt dir immer am Hacken kleben", resümiert er als einer, der zwischen allen Stühlen sitze, und bekundet dennoch seine Solidarität mit denen da unten.

Was nicht heißt, dass er keine Lieder zu aktuellen Themen mehr schriebe. "Morgens am Strand" beginnt als Wunsch- und endet als Alptraum, wenn der Leichnam einer ertrunkenen Flüchtlingsfrau den Urlauber streift. Vor allem im zweiten Teil des Konzerts fängt einen der mittelgroße Mann auf kahler Bühne dann doch. Denn es ist ein großer Unterschied zwischen Kitsch, der Versuchung, der viele von Waders Kollegen erliegen, und der Melancholie eines Mannes, der das Leben kennen gelernt hat und schlackenlose Verse darüber schreiben kann.
Wie im "Lied vom Tod": Da sinniert der Sänger, "einer, der übers Abkratzen schreibt", wie es wäre, sich den Kopf wegzuballern oder als Organspender ausgeschlachtet zu werden. "Nein, ich will euch noch nicht verlassen.

Doch mich mit der Endlichkeit mal gedanklich zu befassen, wird für mich so langsam Zeit." Ja, es wird Zeit. Das ist ein schönes Lied ohne das zwanghafte Pathos früherer Jahre. Nur dass das Konzert mit dem zu Tode gespielten "Heute hier, morgen dort" begann und mit "Sag mir, wo die Blumen sind" endete, wo die Gefühligkeit dann nur so troff - das hätte nicht sein müssen.

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