Hallstadt
Projekt

Hallstadt: Endspurt für die Marktscheune

Im September sollen der Einkaufsmarkt im Parterre und der Kulturboden im Obergeschoss eröffnet werden. Die letzten Arbeiten laufen auf Hochtouren. In Hallstadt steht man den Einrichtungen skeptisch bis euphorisch entgegen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die zahlreichen Fahrzeuge diverser Handwerksbetriebe künden vom Endspurt bei der Marktscheune. Foto: Matthias Hoch
Die zahlreichen Fahrzeuge diverser Handwerksbetriebe künden vom Endspurt bei der Marktscheune. Foto: Matthias Hoch
+13 Bilder
Von einem "Defibrilator für die Stadtmitte" spricht Apotheker Peter Gicklhorn. Was er meint, das ist die Marktscheune in unmittelbarer Nähe zu seiner Apotheke, die im Herbst eröffnet und Leben ins Stadtzentrum bringen soll.

Während sich vor der Marktscheune Radlader zu schaffen machen, prägen im Obergeschoss, wo einmal von der Bühne des "Kulturbodens" aus kulturelle Akzente gesetzt werden sollen, Arbeitsbühnen die Szene. Um hier den ersten Applaus zu erleben, muss Kulturbodenbeaufttragter Ulrich Wrede bis Mitte September warten. Dann wird die Marktscheune mit ihrem Markt im Parterre und dem "Kulturboden" im Obergeschoss eröffnet.

Profis am Werk

Apotheker Gicklhorn begrüßt es jedenfalls außerordentlich, dass bei beiden Nutzungen Profis am Werk sind. Dafür lohnen sich all die Erschwernisse der letzten Jahre. Seit 1992 betreibt Gicklhorn die St.
Kilian Apotheke. Die Hälfte dieser Zeit war von Bautätigigkeit und den damit einhergehenden Beeinträchtigungen geprägt.Nach den Umbauaarbeiten in der Apotheke selbst hat die im gleichen Gebäude untergerbachte Sparkasse umgebaut und seit ein paar Jahren wird an der Marktscheune geschafft. Parallel dazu laufen zwischenzeitlich auch die Arbeiten für eine AWO-Kinderkrippe auf dem Nachbargrundstück.

Ulrich Wrede ist als Kulturboden-Beauftragter für die Betreiber der Einrichtung - Gaby und Wolfgang Heyder - vor Ort. Als Ansprechpartner und Koordinator. Er ist häufig auf der Baustelle anzutreffen und macht schon den Eindruck, hier heimisch zu sein. Bis zu 400 Gäste werden auf den gut 330 Quadratmetern Platz finden, Bands mit bis zu fünf Mitgliedern auf der maximal vier mal acht Meter großen Bühne spielen können. Die Bühne ist ebenso flexibel, wie der teilbare Saal, oder das knapp 140 Quadratmeter große Foyer, das sich separat nutzen lässt - für Austellungen, Lesungen und ähnliches. Bühnentechnik auf neustem Stand mietet man hier gleich mit, wirbt Wrede. Wie er unter herabhängenden Kabeln wandelnd ausführt, ist der Kulturboden für Musikveranstaltungen, Kabarett und dergleichen ebenso vorgesehen wie er von Privatleuten, Firmen und Vereinen gemietet werden kann.

Mit den Nachbarn habe er schon gesprochen, wegen des zeitweisen größeren Verkehrs, so Wrede. Aber dank der Tiefgarage (81 Plätze, im Freien sind es 31) und eines ausgeklügelten Systems sollen Rückstaus vermieden werden.

Parkplätze sind in dem Bereich ein echtes Problem, weiß Gicklhorn. Nicht nur für seine Kunden, genauso für seine Mitarbeiter. Bislang hatte es eine Regelung gegeben, aber Dauerplätze anzumieten, das werde wohl eher problematisch, lässt er anklingen.

Von der Parkplatznot kann Mathilde Biesterfeld vom Optiker auf der anderen Seite der Hauptestraße ein Lied singen. Von der Kundschaft seien in Sachen Marktscheune unterschiedliche Kommentare zu hören. "Die einen sagen Gott sei Dank, dass sie endlich kommt", die anderen würden am Erfolg zweifeln. "Wir hoffen, dass sie ein Erfolg wird", sagt die Unternehmerin auch im Namen ihres Mannes Hermann. Den Entscheidungsträgern rät das Ehepaar, für die Kunden des Einkaufsmarktes keine Parkgebühren zu verlangen. "Das wäre eine echte Hürde."
Für die Nutzung des Kulturbodens wird Miete erhoben. 500 Euro plus Mehrwertsteuer, das Team und Personal für die Getränke ist dabei enthalten, so Wrede. Die Getränkepreise entsprächen den in Hallstadt üblichen. Die Küche (keine Koch-Küche) sei so konzipiert, dass auch externe Caterer oder Privatpersonen hier zum Einsatz kommen können. Mit der Gastronomie werde man kooperieren, beispielsweise in Sachen Personal. Zunächst etwa zwei bis vier Kräfte würde man zu den einzelnen Veranstaltungen benötigen.

Ziel seien, so Wrede weiter, etwa 80 bis 100 Veranstaltungstage pro Jahr. Der Pachtvertrag mit Heyders, also mit der eigens gegründeten "Kulturboden in der Marktscheune UG", sei im Übrigen zunächst für zwei Jahren abgeschlossen. Ganz wichtig, so betont Wrede, sei der Stadt der Hinweis, dass Vereine bei der Saalmiete finanzielle Unterstützung erfahren sollen.
Ulrike Neppig, Vorsitzende der "Soli" und damit eines der großen Hallstadter Vereine, ist gerade in Sachen Saalmiete skeptisch. Miete können Vereine nur bei Veranstaltungen bestreiten, bei denen Eintritt verlangt wird. "Ich denke die Saalmiete ist wohl ziemlich teuer." Davon abgesehen begrüße sie persönlich die Marktscheune, gerade mit dem Vollversorger, bei dem sie auch einkaufen werde.

"Die meisten kaufen auswärts ein"

Eher Vorbehalte hat dagegen eine 66-Jährige, die ungenannt bleiben möchte. Die meisten würden auswärts bei den großen Märkten einkaufen. "Ich bin skeptisch."
Es komme wohl auf die Preise an, meint Veronika Raab. Die 86-Jährige in der Bäckerei Raab findet, man müsse einfach abwarten. "Es wird sich zeigen."

Voll vom Erfolg überzeugt ist dagegen Gicklhorn; vom Erfolg des Marktes ebenso wie vom Kulturboden, weil da "Profis" im Boot sind. Für die Apotheke setzt er auf beide Einrichtungen als "Frequenzbringer", und darauf dass die Innenstadt belebt und hier "wieder soziale Begegnung" geschaffen werde.
Die wird es wohl bei gerade auch den Veranstaltungen im Kulturboden geben. Einen Überblick über das Programm findet sich im Internet unter www.kulturboden-hallstadt.de.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren