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Bamberg
Rauschgift-Prozess

Halb Bamberg mit Crystal Meth versorgt: Hohe Strafe für Familienvater

Wieder ging es vor dem Landgericht Bamberg um Drogengeschäfte im Stadtteil Gereuth. Mit Klaus B. saß jetzt die zentrale Figur auf der Anklagebank. Der 52-jährige Familienvater ist seit Jahren von Betäubungsmitteln abhängig und vom Rauschgiftkonsum gezeichnet.
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618 Gramm Crystal Meth, Schreckschuss-, Stichwaffen und Messer stellte die Kripo im November bei Klaus B. sicher. Foto: Sebastian Martin
618 Gramm Crystal Meth, Schreckschuss-, Stichwaffen und Messer stellte die Kripo im November bei Klaus B. sicher. Foto: Sebastian Martin
Wie zerstörerisch Crystal Meth wirkt, hat Klaus B. am eigenen Leib erlebt. Der arbeitslose Bamberger ist gezeichnet vom Drogenmissbrauch, ausgemergelt und faltig; er wirkt wesentlich älter als ein Mann von 52 Jahren.

Ihm fehlen etliche Zähne - eine ganz typische Folge des regelmäßigen Konsums von Crystal Meth. Vielleicht wäre B. gar nicht mehr am Leben, wenn er nicht im November festgenommen worden wäre. Das ist dem fünffachen Vater aus dem Stadtteil Gereuth inzwischen klar.

Obwohl er die zerstörerische Wirkung der synthetischen Droge kannte, besorgte er ein Jahr lang den Stoff in Tschechien und verkaufte ihn "an jung und alt" weiter. Er habe "die halbe Gereuth vergiftet", musste sich B. von Vorsitzendem Richter Manfred Schmidt vorhalten lassen, als er jetzt vor der Zweiten Strafkammer des Landgerichts stand. Deren Urteil fiel deutlich aus: sieben Jahre und zehn Monate Freiheitsstrafe.

Bei der Polizei ausgepackt

B. hätte eine noch höhere Strafe bekommen, wäre er nicht selbst drogenabhängig und in der Folge vermindert schuldfähig gewesen - und wenn er nach seiner Festnahme nicht reinen Tisch gemacht hätte.

Er gab auch Namen von Abnehmern preis, die die Polizei noch nicht kannte. So verdiente er sich eine Strafmilderung nach dem so genannten Kronzeugen-Paragraphen.

27 Ermittlungsverfahren

Seine Aussagen zogen 27 Ermittlungsverfahren nach sich. Manche sind noch anhängig, andere abgeschlossen. Laut Christopher Rosenbusch, dem Pressesprecher der Staatsanwaltschaft am Landgericht Bamberg, handelt es sich um "den größten Fall, den wir in den vergangenen vier bis fünf Jahren hatten".

Erst kürzlich war ein Frührentner aus der Gereuth, der sich am schwunghaften Handel mit Rauschgift beteiligt hatte, von derselben Kammer zu vier Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden.

War Klaus B. im Verfahren gegen seinen Nachbarn noch Zeuge, so ging es nun um die von ihm begangenen Straftaten: in der Hauptsache die unerlaubte Einfuhr von Crystal Meth und der illegale Handel damit. Insgesamt drei Kilogramm soll er binnen einen Jahres an Dritte im Raum Bamberg verkauft haben.

Mit dem Bus nach Eger

Monatlich fuhr B. zwischen Dezember 2013 und 17. November 2014 als Busreisender nach Tschechien und deckte sich auf den "Vietnamesenmärkten" in Eger mit Methamphetamin ein.

Der Anklageschrift zufolge schmuggelte er unterschiedlich große Mengen über die Grenze, zwischen 20 und 618,4 Gramm. Selbst will er täglich zwei bis fünf Gramm konsumiert haben. Einen kleinen Teil hat er angeblich verschenkt, den "Rest" verkauft. Die Gewinnspanne war beachtlich: In Eger zahlte er für ein Gramm 15 bis 25 Euro, in Bamberg bekam er fast das Zehnfache, 100 bis 120 Euro.

Bei dieser Gewinnspanne hätte B. ein reicher Mann sein müssen. Doch das Geld aus den Rauschgiftgeschäften will der Angeklagte verzockt haben. Er hielt sich angeblich jeden Tag in Spielotheken auf.

Die Familie lebte von seinen knapp 900 Euro Arbeitslosengeld, dem Verkauf von restaurierten Möbeln auf Flohmärkten und dem bisschen, das seine Frau dazu verdiente. Um etwas mehr über den Lebensstandard der Familie zu erfahren, wollte der Vorsitzende Richter wissen, ob man jemals eine Urlaubsreise gemacht hat: B. verneinte.

Erst Alkohol, dann Rauschgift

Der Bamberger ist nach eigenen Angaben seit 1999 drogenabhängig. Vorher hatte er ein schweres Alkoholproblem. B. wörtlich zu den Richtern: "An meinem 10. Geburtstag hatte ich die erste Alkoholvergiftung."

Nach drei Therapien trank er zwar nichts mehr, konsumierte fortan aber Rauschgift und Tabletten. Glaubt man dem 52-Jährigen, dann hat er so ziemlich alles genommen, was er bekommen konnte. Mit Haschisch und Marihuana etwa putschte er sich auf, Heroin habe er gebraucht, um wieder "runterzukommen".

Seit 2013 spielt bei ihm Crystal Meth als Aufputschmittel eine Rolle. Deckte er in Eger zunächst nur den eigenen Bedarf, kaufte er später immer mehr ein, weil sich der Stoff in Bamberg so gut verkaufen ließ.

Seine Drogengeschäfte fanden in der Küche oder im Keller der Familienwohnung statt. In Reichweite hatte Klaus B. unter anderem einen Dolch mit 24,5 Zentimeter langer Klinge und einen ähnlich langen Speer bereit gestellt, wohl für alle Fälle.
Der Gesetzgeber ahndet Rauschgifthandel in Verbindung mit Waffenbesitz besonders streng; die Mindeststrafe beträgt fünf Jahre. Dabei spielt es, wie der Vorsitzende Richter betonte, keine Rolle, ob die Waffen eingesetzt wurden.

Klaus B. war dick im Geschäft, als die Polizei ihm am 17. November das Handwerk legte. Er war gerade von Tschechien zurück gekommen und hatte 618,4 Gramm Crystal Meth mit sehr hohem Wirkstoffgehalt bei sich. Jedenfalls 450 Gramm davon wollte er weiterverkaufen.

In der Urteilsbegründung betonte Schmidt, dass die Anklage sich auf die gravierendsten Fälle beschränkt habe.
Und obwohl die Richter skeptisch sind, ob der 52-Jährige einen Entzug durchstehen wird, verurteilten sie ihn dazu: Nach 23 Monaten im Gefängnis - die neun Monate U-Haft werden angerechnet - muss er eine Suchttherapie in einer geschlossenen Einrichtung antreten.

Nützt er diese Chance nicht, droht ihm die Verbüßung des großen "Strafrestes".

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