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LKR Bamberg
Bildung

Gutachten soll DG-Zukunft klären

Die Diskussion um Sanierung oder Neubau des Dientzenhofer-Gymnasiums kocht in Stadt und Landkreis hoch. Auf Seiten der Schule sorgt das für Verunsicherung.
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2015 feierte das Dientzenhofer-Gymnasium sein 50-jähriges Bestehen. Heute sehen viele Schüler, Eltern und Lehrer einen anderen Grund, um auf die Straße zu gehen. Foto: Bertram Wagner
2015 feierte das Dientzenhofer-Gymnasium sein 50-jähriges Bestehen. Heute sehen viele Schüler, Eltern und Lehrer einen anderen Grund, um auf die Straße zu gehen. Foto: Bertram Wagner
Wenn eine teure Schulsanierung ansteht, dann wird natürlich auch geprüft, ob ein Neubau nicht günstiger käme. So auch beim Dientzenhofer-Gymnasium (DG), das inzwischen 52 Jahre alt ist. Und wenn ein möglicher Neubau ins Spiel kommt, werden im Landkreis Begehrlichkeiten wach, diesen dort zu errichten. Das war so 2010/2011, als die Sanierungskosten für das Clavius-Gymnasium in die Höhe schossen. Das ist auch jetzt wieder so, wo der Sanierungsbedarf für das DG immer dringender wird.

Die Wünsche aus dem Landkreis haben durchaus nachvollziehbare Gründe. Neben den Kosten wird angeführt, dass der Kreis Bamberg als einziger in Bayern kein eigenes Gymnasium hat. Zudem kommen gut 60 Prozent der Schüler in den Bamberger Gymnasien aus dem Landkreis. Entsprechend sind die Unterhaltskosten im Zweckverband Gymnasien, den Stadt und Landkreis gemeinsam bilden verteilt - und auch die Stimmanteile in der Verbandsversammlung.


Alarmglocken schrillten

Spätestens seit sich der Zweckverband in seiner Verbandssitzung im vergangenen Dezember für eine "ergebnisoffene Prüfung" des Sachverhalts ausgesprochen hat, schrillten bei der Schulgemeinschaft des DG die Alarmglocken. Für Aufregung und Verunsicherung bei Schülern, Eltern, Lehrern und Schulleitung sorgt zudem, dass immer mehr Landkreiskommunen - mal mehr, mal weniger hartnäckig - ein Landkreisgymnasium bei sich einfordern. Bisher haben Hirschaid, Hallstadt und Scheßlitz ihren Hut in den Ring geworfen. Befürchtet wird zudem vor allem, dass die Debatte die dringend nötige Sanierung des DG unnötig verzögern könnte.

Zwar bestehen für eine Verlagerung des DG - die vom Kultusministerium als Neugründung betrachtet würde - hohe Hürden. Doch aus dem Elternbeirat heraus wurde bereits eine Online-Petition gestartet (https://www.openpetition.de/petition/online/moegliche-verlagerung-des-dientzenhofer-gymnasium-bamberg-in-den-landkreis), die sich "für einen Erhalt des Dientzenhofer-Gymnasiums am jetzigen Standort Bamberg" ausspricht und "ein sofortiges Ende der Diskussion um eine Verlegung in den Landkreis" sowie den "Beginn der dringend notwendigen Sanierungsmaßnahmen" fordert. Bis Montagmittag hat diese vor zehn Tagen gestartete Petition jedoch lediglich 270 Unterstützer gefunden. Weitere 1230 wären bis zum 19. Mai nötig, damit sie von den Initiatoren als erfolgreich bewertet würde. Parallel werden aber auch Unterschriften auf Papier gesammelt.


Bis 16. Mai

Die Forderungen sollen bereits am 16. Mai dem Vorsitzenden des Zweckverbands Gymnasien - in diesem Jahr Landrat Johann Kalb (CSU) - und den Verbandsräten übergeben werden. In der Sitzung an diesem Tag soll laut Kalb aber bereits über die Vergabe eines Gutachtens entschieden werden. Zwei Angebote lägen dem Zweckverband inzwischen vor.

Für die Erstellung des Gutachtens selbst wird es dann aber nötig sein - wie vom Ministerium gefordert - mögliche Standorte genau zu benennen. Denn in eventuelle Planungen muss ja das ganze Nahverkehrssystem einbezogen werden. Ebenso das künftige Schülerpotenzial und die Schülerströme. So lautet etwa eine der ministeriellen Vorgaben, dass ein Neubau keine bestehenden Schulstandorte gefährden darf. Zu Letzterem argumentiert etwa Grünen-Kreisrat Andreas Lösche, dass schon von daher Scheßlitz (wegen der Nähe zur Gesamtschule Hollfeld mit ihrem Gymnasialzug und zum Gymnasium Lichtenfels), Hirschaid (wegen der Nähe zum Gymnasium Ebermannstadt) und Hallstadt (wegen der Nähe zu Bamberg) aus dem Rennen wären. Ob das zutrifft kann aber ebenfalls erst ein Gutachten klären.

Was den möglichen Standort betrifft, will sich Landrat Kalb nicht festlegen. Es müsse auch nicht unbedingt auf einen Neubau im Landkreis hinauslaufen, betont er im Gespräch mit dem FT. Ein alternativer Standort in der Stadt sei ebenso denkbar, und auch ein Ersatzneubau am jetzigen DG. Dass sich verschiedene Landkreiskommunen ins Spiel brächten, sei den Bürgermeistern nicht zu verdenken. Der Zweckverband habe hier eine Vorauswahl zu treffen.

Tendenziell sieht Kalb einen Neubau als bessere Lösung, wenn dies wirtschaftlicher sei als eine Sanierung. Ein zusätzliches Argument sei, dass den Schülern damit eine jahrelange Baustelle erspart bliebe. Dringende Arbeiten am DG würden aber ungeachtet der aktuellen Diskussion nicht aufgeschoben, betont Kalb. Dazu heißt es auf Nachfrage auch aus dem Schulverwaltungsamt der Stadt Bamberg, dass "alle z.B. aus Brandschutzgründen notwendigen Sanierungsmaßnahmen selbstverständlich so schnell als möglich durchgeführt werden". Die Sicherheit der Schüler habe oberste Priorität und sei "völlig unabhängig von der langfristigen Entwicklung des Dientzenhofer-Gymnasiums sicherzustellen".


Kommentar: Vorteile kaum erkennbar

Braucht der Landkreis Bamberg ein eigenes Gymnasium? Das Argument, es sei der einzige Landkreis in Bayern ohne Gymnasium greift zu kurz. Der Landkreis Schweinfurt unterhält ein eigenes Gymnasium - in der kreisfreien Stadt Schweinfurt. Hat er was davon? Hätte der Landkreis Bamberg etwas davon, wenn ein Gymnasium bei einer seiner Gemeinden auf der grünen Wiese steht? Über den Zweckverband ist er sozusagen ja schon Mehrheitsgesellschafter aller staatlichen Gymnasien in Bamberg.

In der Stadt wollen das zwar manche nicht so recht wahrhaben. Aber wenn für die Sanierung wieder zweistellige Millionensummen ins Haus stehen, ist ein zahlungskräftiger Partner willkommen. Den Gemeinden sei ihr Begehr unbenommen. Dem Landkreis als Ganzes brächte ein Standort Hallstadt, Hirschaid oder Scheßlitz nicht viel - außer vielleicht etwas Prestige und noch mehr Schülerverkehr. Hallstadter nach Scheßlitz? Memmelsdorfer nach Hirschaid? Hirschaider nach Hallstadt? Der Vorteil von Bamberg: es liegt zentral. Beim Landratsamt, bei dem es ebenfalls erhöhten Sanierungsbedarf gibt, ist ja bisher auch noch keiner auf die Idee gekommen, das in den Landkreis zu verlagern.
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