Bamberg
Franken-Tatort

"Große Vorfreude auf Bamberg" - Die Franken-Tatort Kommissare im Interview

Im Interview verraten die Hauptdarsteller Dagmar Manzel und Fabian Hinrichs, warum eine Produktion in der Domstadt an der Regnitz eigentlich überfällig ist.
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Die Franken-Tatort Ermittler Dagmar Manzel und Fabian Hinrichs. Foto: dpa/ Bearbeitung: Micho Haller
Die Franken-Tatort Ermittler Dagmar Manzel und Fabian Hinrichs. Foto: dpa/ Bearbeitung: Micho Haller
Das Warten auf den zweiten Franken-"Tatort" hat ein Ende: Die nächste Ausgabe des ARD-Krimis aus Nordbayern wird am Sonntag (20.15 Uhr) zu sehen sein. Die erste Ausgabe des Franken-"Tatorts" hatte vor einem Jahr eine Spitzenquote erreicht: 12,1 Millionen sahen "Der Himmel ist ein Platz auf Erden". Wie die beiden Hauptdarsteller diesen Erfolg beurteilen und was ihnen an Franken so gefällt, darüber sprechen Dagmar Manzel und Fabian Hinrichs im Interview.

Hat Sie beide der große Erfolg des 1. Franken-Tatorts überrascht?
Dagmar Manzel: Ja, so eine hohe Zuschauer-Beteiligung hat mich überrascht. Ich hatte zwar auf eine gute Quote gehofft, doch der Erfolg freute mich wahnsinnig und gibt uns als Team den Auftrag, weiter beste Qualität abzuliefern, um unsere Zuschauer nicht zu enttäuschen.
Fabian Hinrichs: Erst einmal hat mich das gefreut. Gleichzeitig aber finde ich die Quote allein nicht besonders interessant. Für mich zählt vor allem Klasse - egal, ob bei einem Schrank oder eben bei einem Film. Ich bin froh, wenn viele Menschen sich gute Filme ansehen, das hebt auch das kulturelle Niveau. Nur auf die Quoten zu schielen, ist falsch.

Frau Manzel, wie sind Sie als Berlinerin an die Rolle der Paula Ringelhahn gekommen?
Manzel: Es war großes Glück, dass mich die Programmchefin des Bayerischen Rundfunks auf die Rolle ansprach. Ich signalisierte auch sofort mein Interesse, so eine Geschichte wie einen Tatort aus Franken und die Figur der Ermittlerin entwickeln zu wollen. Es findet ja nur eine Produktion pro Jahr statt, das bietet tolle Bedingungen. Die Rolle wurde mir auf den Leib geschrieben. Wir können eine andere Art des Erzählens wählen, die das Publikum hoffentlich interessiert.

Franken ist ja eine äußerst vielseitige, unterschiedlich geprägte Region. Gefällt sie Ihnen?
Hinrichs: So ein bisschen beginne ich, diese Landschaft besser kennenzulernen. Ich habe während der Dreharbeiten leider wenig Zeit, Franken zu erkunden. Aber Nürnberg, Würzburg und die Umgebung der beiden Städte kenne ich mittlerweile einigermaßen, Bayreuth und Hof ein wenig. Die Fränkische Schweiz würde mich reizen. Aber ich hoffe, dass sich mein Wissen dank weiterer Tatort-Dreharbeiten in den kommenden Jahren anreichern wird.
Manzel: Für eine Folge sind 21 Drehtage angesetzt, die wir auch in der Umgebung oder in den Städten verbringen. In Würzburg habe ich es etwa genossen, abends am Main zu sitzen und ein Glas Wein zu trinken. Ich bin schon neugierig auf die neue Produktion in diesem Jahr und wo es uns dann hin verschlägt. Ich hoffe, dass dies auch bald in Bamberg sein wird. Meine Schauspiel-Kollegin Eli Wasserscheid hat sich dafür schon als Stadtführerin angeboten. Ich trinke eher Bier als Wein und habe mich gefreut, als Eli mir einmal fünf verschiedene Biere aus Bamberg mitgebracht hat.

Macht es Spaß, als umgangssprachlicher Nei'gschmeckter aus dem hohen Norden in ein fränkisches Ermittler-Team zu stoßen?
Hinrichs: Wir verstehen uns alle gut. Mit Matthias Egersdörfer tausche ich mich hin und wieder per SMS aus. Wir hören beide manchmal Mahler. Beim fränkischen Dialekt verstehe ich manchmal noch nicht alles, aber es ist trotzdem verständlicher als etwa Plattdeutsch, wie es in meiner norddeutschen Heimat gesprochen wird. Obwohl ich manchmal bei Unterhaltungen mit Eli oder Matthias auch einmal passen muss, wenn sie zu sehr ins Fränkische abrutschen.

Wie herausfordernd ist es, einen Tatort-Kommissar zu spielen?
Hinrichs: Es ist für mich auch die Möglichkeit, einen Charakter wie den von Felix Voss Stück für Stück zu entwickeln. So etwas gibt es in Deutschland nicht oft, das ist eigentlich nur beim Tatort der Fall. Trotz aller Schwankungen in dieser TV-Reihe liegt hier das Potenzial, innerhalb einiger enger Grenzen auch Freiheiten zu nutzen und die Charaktere im Laufe der Zeit zu entwickeln. Wie etwa Menschen als Teil des Ganzen bei der Lösung von Kriminalfällen handeln, das sagt dann auch viel Persönliches über diese Akteure aus.

Wo liegt die Eigenheit des Tatorts aus Franken?
Manzel: Es ist vor allem die andere Erzählweise, die viel mit Entschleunigung zu tun hat. Unser Tatort spielt in und mit Franken. Dem Zuschauer wird diese Region gezeigt, und wie die Menschen dort leben. Für jede Folge werden andere Städte entdeckt. Das ist auch für die Schauspieler sehr reizvoll, weil wir dann dort auch an den Orten wohnen. Franken bietet unglaublich viele Motive, und die Drehbedingungen sind erste Sahne. Unser Team wird überall mit offenen Armen empfangen und alle Verantwortlichen bemühen sich wirklich, damit wir uns wohlfühlen.
Hinrichs: Wir haben einen Qualitätsanspruch, wobei ich das anderen Tatort-Produktionen nicht absprechen möchte. Wir verzichten auf möglichst reißerische Aufmachung. Wie eine Zeitung auf gute Artikel Wert legt, so möchten wir gute Filme machen. Wir wollen keine Effekthascherei oder blanke Action, wir setzen auf hervorragende Kriminalfilme.

Kommt Ihnen für die Rolle als Kommissar die Polizei-Erfahrung in Ihrer Familie entgegen? Schließlich waren oder sind Ihr Großvater, Vater und Bruder als Polizisten tätig.
Hinrichs: Nein eigentlich nicht. Ehrlich gesagt rede ich mit ihnen auch nicht darüber. Vielleicht werde ich das einmal tun. Ich finde es pikant und nicht unlustig, dass ich jetzt auch Polizist bin. Ich habe vielleicht kein Klischeeverständnis der Polizei. Ich denke, dass Filme im besten Fall auch immer phantastisch und eine Traumwelt sind.

Was macht für Sie den Reiz der Tatort-Reihe aus?
Manzel: Es ist eines der wenigen Fernseh-Formate, das seit Jahrzehnten die Zuschauer fesselt. Die Tatorte aus den jeweiligen Regionen bieten eine hohe Vielfalt. Es gibt Til Schweiger, die Ermittler aus Münster und München, das ist toll. Die Tatorte haben auch einen künstlerischen Anspruch und hohes Niveau.

Haben Sie denn schon ein wenig die Eigenheiten der Franken entdecken können?
Hinrichs (überlegt kurz): Ein paar ja. Vor allem die Direktheit, die Erdigkeit, Gemütlichkeit und Sinnlichkeit der Menschen dieser Region. Und, was ich fast vergessen hätte, sie sind sehr genussfreundlich. Kein Wunder bei dieser Vielfalt von Wein, Bier und gutem Essen.

Das Gespräch führte
Peter Groscurth.


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