Bamberg
Besuch

Gottesdienst hinter Gefängnismauern

Erzbischof Ludwig Schick brachte das Friedenslicht von Bethlehem in die JVA Bamberg: "Es gibt keine hoffnungslosen Fälle."
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Erzbischof Ludwig Schick überreichte in Bamberger JVA allen Inhaftierten eine Kerze mit dem Friedenslicht aus Bethlehem. Fotos: Pressestelle des Erzbistums/Harry Luck
Erzbischof Ludwig Schick überreichte in Bamberger JVA allen Inhaftierten eine Kerze mit dem Friedenslicht aus Bethlehem. Fotos: Pressestelle des Erzbistums/Harry Luck
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Zu den biblischen Werken der Barmherzigkeit gehört es, die Gefangenen zu besuchen. Das tut Erzbischof Ludwig Schick jedes Jahr kurz vor Weihnachten in einer Haftanstalt im Erzbistum. Zu Beginn des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit stattete er der Justizvollzugsanstalt in Bamberg einen Besuch ab und feierte mit über 150 Gefangenen einen ergreifenden Gottesdienst.


"Jeder hat einen guten Kern"

Fast alle Inhaftierten waren in die Kapelle des "Café Sandbad" gekommen, wie die Justizvollzugsanstalt in der Oberen Sandstraße mitten in "Klein Venedig" genannt wird. Auch zwei Dutzend weibliche Inhaftierte nahmen an dem Gottesdienst teil. Erzbischof Schick machte gleich zu Beginn deutlich, dass jeder Einzelne wichtig und von Gott als guter Mensch geschaffen sei. Deshalb habe jeder seinen guten Kern. Wer sich die Werke der Barmherzigkeit zu Herzen nehme, der werde nie wieder ins Gefängnis zurückkehren.
Gott gebe auch Kraft in der Versuchung, wenn die Gefahr drohe, wieder in die alten Fallen zu tappen.

Der Erzbischof überreichte allen eine Kerze mit dem Friedenslicht aus Bethlehem, das Pfadfinder vor einer Woche aus dem Heiligen Land auch nach Bamberg gebracht hatten. An der Gestaltung des Gottesdienstes beteiligten sich der katholische Gefängnisseelsorger Michael Kutsch-Meyer und der evangelische Pfarrer Udo Bruha.
Musikalisch gestaltet wurde die Feier von einer Jugendband aus Hausen-Heroldsbach.

Zum Abschluss präsentierte Pfarrer Bruha ein von Gefangenen komponiertes und getextetes Weihnachtslied. Danach überreichten die Häftlinge dem Erzbischof eine Spende über 50 Euro aus Flaschenpfand für seine Familienstiftung "Kinderreich". Die Aktion war von einem Insassen initiiert worden, der selbst vor wenigen Wochen Vater geworden war.

"Wir sind doch anständige Kerle", sagte ein Inhaftierter im Gespräch mit dem Erzbischof. In der JVA Bamberg sind keine Schwerverbrecher inhaftiert, sondern neben Untersuchungshäftlingen Männer und Frauen mit einer Haftstrafe von maximal zwei Jahren. Die Anstalt ist mit rund 200 Gefangenen belegt, davon 25 Frauen.


Glauben wiedergefunden

"Schön, dass Sie mit uns Weihnachten feiern", bedankte sich ein Insasse. "In der Gefangenschaft erleben wir das Weihnachtsfest vielleicht noch intensiver als zu Hause."

Ein anderer berichtete, dass er als Kind regelmäßig den Gottesdienst besucht habe, dann aber auf Abwege geraten sei. Jetzt hinter Gittern habe er den Glauben an Gott wiedergefunden. Erzbischof Schick versicherte den Inhaftierten: "Es gibt keine hoffnungslosen Fälle."

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