Bamberg
Glosse

Glosse: Vom Winde verweht: Nachruf auf Bambergs achten Hügel

Von großen und kleinen Mänteln, einem falschen Vergleich und zur Frage, warum die Bamberger im Kasernenoutfit jetzt irgendwie nackt dastehen: Eine Glosse zum Zwischenergebnis der Konversion in Bamberg.
Artikel drucken Artikel einbetten
Karikatur: Christiane Pfohlmann
Karikatur: Christiane Pfohlmann
+1 Bild
W issen ist Macht, manchmal aber auch auch Ohnmacht. In unserem speziellen Fall zusätzlich auch noch teuer. Aber muss es die Bamberger nun grämen, dass es eine halbe Million Euro gekostet hat, eine Planung für die Kasernenfläche aus dem Boden zu stampfen, die vor der Geschichte keine Gnade fand?
Erinnern wir uns an die preisgekrönte Idee von der Höherlegung des Berliner Rings oder den achten Hügel aus dem Schutt der abgebrochenen Häuser. Amüsant waren auch die Bilder von den wogenden Weizenfeldern im Bamberger Osten oder die geplante Wiederherstellung des Haupts-moorwaldes in den Grenzen des frühen Mittelalters.

Eine halbe Million Euro hat die Erkenntnis gekostet, dass ein Mantel, der viel zu groß ist, dennoch viel zu klein sein kann. Ein Jahr später ist das Flächenangebot so stark geschrumpft, dass die Bamberger im Kasernenoutfit gewissermaßen nackt da stehen.

Konversion ist, wenn es anders kommt. Das selbst gewählte Motto eines bekannten Fraktionschefs beschreibt die Widersprüche des Lebens im Allgemeinen und im Besonderen in Bamberg. Denn während die Bewohner der Region einigermaßen verdutzt begreifen müssen, dass in einer Stadt mit veritablem Wohnungsmangel bei gleichzeitigem Überschuss an leeren Häusern nur Brosamen für sie selbst abfallen, beschäftigen sich andere längst mit wichtigeren Dingen. Zum Beispiel der Frage, wer der oder die größte ist.

Ausgelöst hat das Gedankenspiel um Nutz-und Hauptnutzfläche, um Treppenhäuser und was sonst noch wichtig ist für eine respektable Hochschule das Staatliche Bauamt, das gleiche, das zuletzt unbeabsichtigt in eine Glastüren-Affäre im Sandgebiet stolperte. Wer gerne mal "was in den Verlust gibt", hätte wissen können, in welch sensiblem Terrain er unterwegs ist, wenn er im Konversionssenat die neue Bundespolizeiakademie ohne Not mit der Universität Bamberg vergleicht und letztere sogar zeitweise als überflügelt darstellt, wenn auch nur flächenmäßig. Jedenfalls reagierte der Unipräsident auf seiner Facebookseite und stellte die Hierarchie umgehend wieder her. Nach seiner Rechnung werden hier Äpfel mit Birnen verglichen, genauer Äpfel mit Erdäpfeln, denn auch wenn die Bundespolizeischule deutlich großzügiger gefördert werde, könne sie allein wegen der Zahl von Lehrenden und Lernenden allenfalls als kleine Schwester oder "Cousine zweiten Grades" der Otto-Friedrich-Universität durchgehen.

Cousine, Schwester, Bruder oder Onkel? Solchen Argumenten ist schon deshalb schwer zu widersprechen, weil der Mantel der Stadt Bamberg, geistig und körperlich, groß genug ist für eine vielköpfige Familie, namentlich eine bekanntermaßen florierende Universität und eine im Aufbau befindliche Bundespolizeiakademie, der man ebenfalls gutes Gelingen in Bamberg wünschen mag.

Weil wir gerade bei Schulen sind, zu deren Kenntnisvermittlung bekanntlich auch Zensuren gehören: In einer Umfrage auf infranken.de haben wir am Donnerstag unsere Leser dazu aufgefordert, für das bisher in Bamberg im Rahmen der Konversion Geleistete Schulnoten zu vergeben. Das nicht repräsentative Ergebnis ist leider etwas bodenlastig ausgefallen: 30 Prozent haben eine 1, 2 oder 3 vergeben, 70 Prozent eine 4, 5 oder 6.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren