Am Leinritt regnete es hernach wie aus Kübeln. Die Schauspieler, das Backstage-Team von Chapeau Claque und das Publikum - die aufgebauten Tribünen waren bis auf den letzten Platz gefüllt - kamen während der Vorstellung immerhin mit trockener Haut davon, aber nicht alle auch mit trockenen Augen. Hier und da klemmte schon ein wenig Feucht, entweder vor Lachen, oder aus purer Emotion, denn auf der von Maria Pfeiffer mit schlichter Genialität gestalteten Bühne erschien nicht nur ein Sams zuviel, sondern spielte sich auch eine zarte Romanze ab.

Ganz allmählich, von Nina Lorenz meisterhaft inszeniert, baut sich zwischen "Annemarie Rotkohl (grosse Klasse: Heidi Lehnert)" und "Anton Mon (Stephan Bach)" eine lebendige Wegstrecke auf; zwei Menschen, wie sie unterschiedlicher gar nicht sein können. Hier die spröde, übellaunige, resolute und unduldsame Lehnert-Rotkohl, die das Sams ihres Untermieters Bruno Taschenbier zum "Staatsfeind Nr. 1" erklärt hat, und Tauben lediglich für balkon-vollsch... Widerlinge hält, und dort der tief in der Tier- und Pflanzenwelt verankerte Bach-Mon mit seiner Lieblingstaube "Elvira". Er nähert sich seiner Angebeteten recht unbeholfen und tollpatschig, aber herrlich anzusehen, und nicht ahnend, dass er im Grunde offene Türen einrennt.

Ein, wenn auch schwärmerisch und aus tiefstem Herzen vorgetragener Vergleich ihrer Beine mit den Extremitäten eines Kamels kommt vermutlich bei den wenigsten Frauen gut an. Aber als alles in einem Desaster zu enden scheint, Taschenbier und sein Sams sind gefeuert, die inzwischen aufgehübschte Rotkohl verwirrt, ihr Sonntags-Sams verzweifelt und Mon völlig fertig, ist längst eine universelle Macht im Spiel, geeignet das Universum zu beherrschen und die Protagonisten auf der Bühne sowieso - die Liebe.

Das fünfköpfige Ensemble machte es seiner Regisseurin leicht. Sie alle präsentierten sich in glänzender Spiellaune. Benjamin Bochmann ist das freche, das "sozial gestörte" Sams, dessen letzten Wunschpunkt sein Papa Taschenbier (Mathias Linder) leichtfertig vergeudet, indem er Rotkohl zu deren blankem Entsetzen auch ein Sams an den Hals wünscht. Das kommt dann auch, lieb und süß, und außerdem Vegetarier mit einer Vorliebe für Geranien. Lieb und süß ist sie auch, Daniela Prando, jedenfalls auf der Bühne, und keiner kann so schön jammern wie sie: "Uijuijuijuijui..." Dieses süße Sams gilt es los zu werden, und um dieses Ziel zu erreichen ist dem tief gekränkten und eifersüchtigen Bochmann-Sams, der mehr von Würstchen als von Bärlauch oder Schafsgarbe hält, jedes Mittel recht. Sein böses Verwirr- und Versteckspiel fliegt natürlich auf, und am Ende plagt ihn sein Gewissen...

An-, aus- und umgezogen wurden die Schauspieler für diese Inszenierung von Leyla Wolf. Martin Klerner und Niko Katsios transportierten Maria Pfeiffers Ideen für das Bühnenbild in die Wirklichkeit: vier äußerst variable "Zimmerkisten" und ein "Keller", die Kisten mit Wiedererkennungseffekt. Rotkohls Kleid zeigt das gleiche Muster wie auch ihre Tapeten, und Taschenbiers Kiste ist an den Innenwänden so gestreift wie sein Hemd. Kleine Mosaiksteine, die mit all den anderen ein fertiges, komplettes und gelungenes Bild ergeben. Das Publikum bedankte sich mit lang anhaltendem Beifall. Die passende Musik stammt von Rolf Böhm, und dafür, dass sie auch tatsächlich im passenden Moment zu hören war, sorgte Melanie Kreuzer.