Mit Stolz verwies Bürgermeister Andreas Schlund (CSU) in der Marktgemeinderatssitzung auf die Familienfreundlichkeit seiner Kommune. Zur Bekräftigung legte die Kindergartenbeauftragte, Verwaltungssekretärin Karina Lovmo, das Ergebnis einer "qualifizierenden Bedarfsplanung" für die Kindergarteneinrichtungen im Markt Hirschaid vor.

Ergebnis: Zur Zeit gibt es einen Überhang von 44 Kindergarten- und 21 Krippenplätzen. Hirschaid kann Kinder aus anderen Gemeinden aufnehmen. Aus dem Neubaugebiet Juliushof wird allerdings schon bald die Nachfrage kräftig steigen.

Durch regelmäßige Befragungen der Eltern wissen die Gemeindeverwaltung und die Leitungen der Kindertageseinrichtungen Bescheid über die Zufriedenheit und Verbesserungswünsche. So soll im Herbst eine Trägerbesprechung zu den Themen Öffnungszeiten und Schließtage einberufen werden, teilte Karina Lovmo mit. Durch die Kooperation aller Träger soll den Eltern die Möglichkeit geboten werden, ihre Kinder an den Schließtagen in den Ferien betreuen zu lassen.

Die Eltern von neun Kindergarten- und fünf Krippenkindern wünschen eine bilinguale Gruppe Englisch-Deutsch. Eine solche wird auch schon mit Beginn des nächsten Kindergartenjahres vom Verein "Netzwerk e.V." eingerichtet. Der Marktgemeinderat stimmte dem Pilotprojekt mit 17:5 zu.


Vorreiterrolle

Hirschaid ist die erste Gemeinde in der Planungsregion Oberfranken-West, die ein solches Angebot unterbreitet. "Netzwerk"-Geschäftsführer Klaus Busch versicherte, dass die Ausstattung der Gruppe mit einer versierten Erzieherin englischer Muttersprache kein Problem sei. Es lägen mehrere Bewerbungen vor.

Bürgermeister Andreas Schlund versuchte die Bedenken von Elke Eberl (CSU) und Daniela Bittel (FWG Röbersdorf) zu zerstreuen, dass es mit dem Englischunterricht an der Grundschule nicht gleich weitergehe. Von den Schulleitungen und der Schulrätin hat Schlund die feste Zusage, dass ab der ersten Grundschulklasse Englisch fortgesetzt werde, damit die Bemühungen am Kindergarten nicht "vergebliche Liebesmühe" sind. Wegen des erhöhten Personalbedarfs werden Eltern von Kindern in der bilingualen Gruppe etwas tiefer in die Tasche greifen müssen: Statt 85 wird die Gebühr 112 Euro im Monat betragen, kündigte Busch an.

Gegenwehr aus der CSU-Fraktion kam auch noch bei einem anderen Kindergartenthema: Die Fraktion Freier Wählergemeinschaften stellte den Antrag, Verwaltungsaufgaben der drei gemeindlichen Kindertagesstätten zusammenzulegen. Die Verwaltungsträgerschaft sollte "Netzwerk" übernehmen.

Durch die Zusammenlegung von nicht pädagogischen Aufgaben, die in allen Kindergärten gleich sind, verspricht sich auch Bürgermeister Schlund Entlastungen für die Leitungskräfte der Tagesstätten. Was die aber von einer solchen Maßnahme halten, ist nach Ansicht der CSU unbekannt.

Mit den Kita-Leiterinnen reden

Fraktionssprecher Klaus Homann forderte daher die Anhörung der Leiterinnen und eine Vertagung des Beschlusses. Heinrich Dorn möchte wissen, welche finanziellen Vorstellungen "Netzwerk" für die Erfüllung der Gemeinschaftsaufgabe hat. Elke Eberl äußerte überdies Zweifel an der ausreichenden Leistungsfähigkeit der Verwaltung von "Netzwerk".

Schließlich fand sich eine 13:8-Mehrheit für den Vermittlungsvorschlag von Stefan Paptistella (CSU), die Zusammenlegung möglicher Verwaltungsaufgaben der gemeindlichen Kindergärten in Abstimmung mit deren Leitungen zu untersuchen. Es geht um wirtschaftliche Betriebsführung und die Nutzung von Synergie-Effekten. Man möchte sicherstellen, dass die individuellen pädagogischen Konzeptionen weiter entwickelt werden und das Betreuungsangebot nicht unnötig beeinträchtigt wird. Die Verwaltungsaufgaben für das pädagogische Personal haben nach Kenntnis des Bürgermeisters aufgrund des Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetzes in den letzten Jahren deutlich zugenommen.