Jedes Jahr trauen sich in Gundelsheim 15 bis 20 Paare vor den Standesbeamten, um den Bund fürs Leben dokumentieren zu lassen. Bis zum Jahr 2006 taten die Gundelsheimer das im Sitzungssaal, dessen Mobiliar dafür jedes Mal neu arrangiert werden musste. Seit sechs Jahren wird ausschließlich der ungleich schmuckere, neu am Rathaus angebaute Kulturraum für standesamtliche Trauungen genutzt. "Ins Sitzungszimmer wollte dann keiner mehr", weiß Standesbeamter Stefan Loch. Nun tut sich mit dem sanierten und erweiterten Alten Rathaus an der Hauptstraße eine weitere Möglichkeit auf, die bereits nachgefragt wurde. Der Gemeinderat war deswegen gefordert, zu entscheiden, ob er einen weiteren Raum für Trauungen zulassen und damit "widmen" wollte.

In seiner Eigenschaft als weiterer Standesbeamter neben Stefan und Loch und Bürgermeister Jonas Merzbacher (SPD) oblag Ottmar Schmaus der Sachvortrag zu diesem Tagesordnungspunkt. Wie die Ausführungen zeigten, fordert der Gesetzgeber für Trauungen beziehungsweise die Gründung von Lebenspartnerschaften eine "würdige Form", was entsprechende Räumlichkeiten voraussetzt. Der Gemeinderat kann dafür grundsätzlich auch Räume außerhalb des Rathauses zulassen, allerdings müssen die dann auch offiziell als solche ausgewiesen und somit gewidmet werden.

Wegen entsprechender Anfragen, ziehe man nun eben auch den Saal im Obergeschoss des Alten Rathauses in Betracht, so Merzbacher ergänzend. Stephan Zwosta (CSU) wollte wissen, ob man auch daran gedacht habe, ob genügend Parkplätze vorhanden sind. Die Parkproblematik sei bekannt, darauf Merzbacher, die (unmittelbare) Nachbarschaft sei informiert. Es gehe dabei auch um "sonstige Handlungen", fuhr Zwosta fort, "Schießen und so weiter", konkretisierte er. Das werde man beobachten müssen, gab Merzbacher zu verstehen. Den Punkt der Ausstattung sprach Klaus-Dieter Spiller (FWG) an.

Man könne das Mobiliar verwenden, was auch der Gesangverein benötige, versicherte der Bürgermeister. Robert Martin (BG) sagte, er würde die Nutzung des Saales für Trauungen begrüßen, schließlich hätten sich die Dinge bei Trauungen verschoben und es würden mehr Leute zu standesamtlichen Trauungen kommen. Er sprach sich klar für das von der Verwaltung zur Sprache gebrachte Nutzungsentgeld aus, schließlich bedeute der Saal auch auch einen Mehraufwand.

Gerlinde Fischer (B990/Grüne) sprach sich gleichfalls für den weiteren Trauungsraum im Alten Rathaus aus und zwar mit Blick auf die Nähe zum neuen Dorfplatz, der auch dadurch eine weitere Nutzung erfahre. Maria Tadda (B90/Grüne) gefiel der Aspekt, den Trauwilligen insgesamt drei räumliche Alternativen bieten zu können. Sie schlug allerdings vor, die Nutzungsdauer vorzugeben, "zum Beispiel zwei Stunden".

Bürgermeister Merzbacher griff diesen Aspekt auf und bat darum, die Verwaltung Nutzungsdauer und Entgeld festlegen zu lassen. Man müsse auch entsprechende Erfahrungen sammeln, um dann eventuell Anpassungen vorzunehmen, machte Jonas Merzbacher deutlich. Es müsse ein ordentlicher Belegungsplan geführt werden, um Kollisionen mit anderen Veranstaltungen zu vermeiden, regte Maria Tadda weiter an.

Auch Karl Heinz Oppel (SPD) hielt die Nutzung des Saales als Trauungsraum für eine "gute Idee", zumal man damit an die frühere Nutzung des Alten Rathauses anknüpfe. Die Nutzung für Trauungen werte das Haus, das mit viel Geld saniert wurde zusätzlich auf, so Oppel weiter. Zum Aspekt der Parkproblematik gab er zu bedenken, "über welche Entfernung reden wir hier eigentlich..."

Bei zwei Gegenstimmen entschied sich das Gremium für den dritten Trauungsraum, und dass für dessen Nutzung ein noch festzulegendes Entgeld erhoben wird. Somit kann ab sofort im Alten Rathaus geheiratet werden. Die erste Trauung hier wird nach aktuellem Stand im Juni stattfinden - spätestens.