Bamberg
Rezension

Junger Buchautor aus Oberhaid: "Gegen die Ignoranz"

Konformismus, Gefühllosigkeit, Ellenbogendenken: In einem Roman nimmt der 17-jährige Anton Lösche die Wohlstandsgesellschaft aufs Korn.
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Anton Lösche  Foto: Ronald Rinklef
Anton Lösche Foto: Ronald Rinklef
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Es ist eine düstere Welt, in die uns Anton Lösche zieht: eine Welt des Schmerzes, der Gewalt, des Hasses. 15 war der Oberhaider Gymnasiast, als er seinen ersten Roman zu schreiben begann, der eine kalte und weitgehend abgestumpfte Gesellschaft anprangert. "A beautiful life" sollte man dennoch nicht als literarische Abrechnung eines frustrierten Jugendlichen sehen. Sondern als Appell eines Querdenkers, sich in Zeiten wachsender Konformität dem allgegenwärtigen Gruppenzwang zu entziehen und auf sich selbst zu besinnen. "Es ginge einem in Deutschland ja gut, würden wir uns das Leben gegenseitig nicht so verdammt schwer machen."


Leichte Kost

Gesellschaftskritik ist selten geworden. Gerade im regionalen Bereich widmen sich Autoren angenehmeren Themen. Ist man ab einem bestimmten Alter zu satt, selbstzufrieden und bequem, um noch Probleme zu sehen? Oder ist der Konkurrenzdruck auf dem Markt so groß, dass Leser lieber umschmeichelt als mit unliebsamen Wahrheiten konfrontiert werden? Anton Lösche, der mit 17 Jahren noch am Anfang einer etwaigen Karriere steht, schreibt ohne Rücksicht auf Verluste. Was ihm im Freundes- und Bekanntenkreis Anerkennung einbrachte. "Allerdings lobten die meisten bei ,A beautiful life', wie ich Dinge beschreibe - und weniger die kritischen Aussagen dahinter", so der Zehntklässler, der am DG dem Abitur entgegen geht.


Angst, ausgeschlossen zu sein

In einem Kroatien-Urlaub hatte Anton vor zwei Jahren mit seinem Roman - "aus reiner Langeweile" - begonnen. "Gedichte schrieb ich schon mit 13 , danach erste Kurzgeschichten." Sozialkritisch gab sich der Gymnasiast auch in früheren Arbeiten, "weil ich mit unserer Welt nun mal nicht zufrieden bin". Statt eigene Werte und Vorstellungen vom Leben zu entwickeln, würden sich die meisten an anderen orientieren. "Jeder braucht beste Freunde, um sich daran hochzuziehen." Aus Angst, ausgeschlossen zu werden, würden Menschen zu Mitläufern: "Die gleichen Schuhe, Hosen, die passende Musik..." Schon rein äußerlich sei die jeweilige Gruppenzugehörigkeit zu erkennen.

Wer aber befasst sich bei all den Oberflächlichkeiten noch mit den wesentlichen Themen des Lebens, fragt der Nachwuchsautor. "Täglich prasseln auf uns Nachrichten von Krieg, Tod und Verderben ein", heißt es an einer Stelle des Jugendromans. "Und wir? Spenden zehn Euro, damit wir ein reines Gewissen haben."


Mehr als Worte

Um mehr zu tun, als anderen nur zu predigen, unterstützt Anton Lösche den Fairtrade-Handel. Und wurde zum Veganer, weil ihm das Wohl der Tiere am Herzen liegt. In der Jugendorganisation von Peta engagiert sich der Gymnasiast - und in noch anderen Gruppierungen. Ein Idealist, ein hoffnungsloser Weltverbesserer? Vermutlich, aber genau daran mangelt es der Ellenbogengesellschaft, in der wir leben.



Vom Schicksal gebeutelt

Krass ist auch das, was Anton seinem namenlosen Protagonisten in "A beautiful life" zumutet. "Ich habe bewusst überzeichnet", sagt der Nachwuchsautor, der den Kampf eines vom Schicksal gebeutelten Jungen für eine bessere Zukunft zeigen wollte: Ein 16-Jähriger, dessen Eltern bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen, steht im Blickpunkt. Seine erste große Liebe? Von einem Amokläufer getötet. In einem Jugendheim versucht der Schüler seine Erlebnisse zu verarbeiten - und überwindet seine seelischen Probleme irgendwann. Bis dahin aber Depressionen, Selbstverletzungen, ein Selbstmordversuch, Schlägereien.



Der Fantasie entsprungen?

Alles reine Fantasie eines Gymnasiasten aus behüteten Verhältnissen? "Nein. Ich kenne genug Jugendliche, die sich ritzen oder Depressionen haben", sagt Anton. Bei den Eltern fänden sie meist nicht die nötige Unterstützung. "Entweder werden Probleme ignoriert oder ein Psychologe eingeschaltet, der alles regeln soll."

Viele Jugendliche leiden Anton Lösche zufolge auch unter Mobbing - per Facebook oder etwa WhatsApp. "Dabei reden die Leute immer weniger miteinander. Smartphones verhindern persönliche Gespräche und tatsächliche Emotionen. Unsere Kommunikation ist eine einzige große Fernbeziehung."


Gegen den Strom

An einer Stelle fragt sich der namenlose Protagonist Antons: "Ist es dieses Leben, das ich führen muss? In einer Gesellschaft, in der sich jeder selbst am nächsten ist und aus allem seinen Vorteil ziehen möchte?" Das Fazit des 230-Seiten-Romans ist ein "Ja", aber eben nach eigenen Vorstellungen, Werten und Idealen. Woran es dem 17-jährigen Nachwuchsautor nicht mangelt - im Gegensatz zu vielen anderen Menschen.



Ganz anders

Lesenswert ist "A beautiful life" auf diese Weise sicherlich - eine willkommene Abwechslung unter Fantasieliteratur, Regionalkrimis und literarischen Liebeserklärungen an die fränkische Heimat. Gerade weil man über den Roman eines Jugendlichen die Gesellschaft aus einer neuen Perspektive erlebt. Anton Lösches Erstlingswerk zeigt übrigens auch viel Sprachgefühl, woran Rechtschreibfehler nichts ändern können, die Lektoren sicher beseitigt hätten. Aber selbst solche Eingriffe lehnt der Nonkonformist ab, dessen Roman somit auf der Book-on-Demand-Plattform "epubli" erschien.



Zweiter Roman

Ist der nächste Roman schon in Planung? Ja, er begleitet einen Jugendlichen ins soziale Aus, die völlige Isolation, wie der Gymnasiast berichtete. Von der Radikalisierung eines Außenseiters würde das Werk auf diese Weise erzählen.


Auf einen Blick

"A Beautiful Life": Der erste Jugendroman Anton Lösches ist unter ISBN 9783741876950 auf dem Markt erhältlich. Eine Leseprobe gibt's im Netz.

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