Pommersfelden
Aktion

Gegen Rechts: Pommersfelden zeigt Flagge

Mit einer "Gegenlesung" und einem "Fest der Toleranz" protestierten Aktionsbündnisse, Kommune, Kirchen und Bürger gegen ein "Lesertreffen" im Schlosshotel.
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Auf Transparenten brachten die Bündnisse ihren Protest zum Ausdruck . Fotos: Evi Seeger
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Das riesige Polizeiaufgebot und die "Security" am Eingang ließen schon erahnen, dass es sich bei der Veranstaltung in der Schule um eine ganz besondere handeln musste. Doch die strengen Sicherheitsauflagen beim Pommersfeldener "Fest der Toleranz" schadeten der guten Stimmung nicht. Alles blieb friedlich bei diesem heiteren, fröhlichen Fest, mit dem die Gemeinde Flagge zeigte gegen jede Art von Intoleranz, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung. Denn hinter den Türen des Schlosshotels fand zur gleichen Zeit das so genannte "Lesertreffen" des als extrem rechts eingestuften Verlags "Lesen und Schenken" statt. Als offizieller Veranstalter der seit zehn Jahren in Pommersfelden stattfindenden Zusammenkünfte fungiert der "Schulverein zur Förderung der Russlanddeutschen in Ostpreußen".

Bereits im vergangenen Jahr hatten sich Abordnungen verschiedener nordbayerischer Bündnisse in Pommersfelden zu einer "Gegenlesung" versammelt. So trafen sich auch am Freitag wieder Delegationen aus Nürnberg, Bamberg, Forchheim und Erlangen zu einer "antifaschistischen Lesung". Auf Transparenten brachten sie - nahe Schloss Weissenstein - ihre Meinung zum Ausdruck. Wenngleich sie in diesem Jahr ganz bewusst ein Stück weiter vom Schönbornschloss abgerückt waren, um ein Aufeinandertreffen mit den unerwünschten Besuchern zu vermeiden.

"Bis zu 300 Teilnehmer aus dem rechten Lager" kommen nach den Worten von Werner Schnabel (Bamberger Bündnis) zu diesen Treffen in den Ort im Reichen Ebrachgrund. Lange Zeit schon - ohne, dass es die Bevölkerung mitbekommen habe. Die Bündnisse seien froh, dass es jetzt auch Widerstand aus der heimischen Bevölkerung gebe. An der Gegenlesung beteiligten sich auch Künstler wie Werner Lutz und der Schriftsteller Leonhard Seidel. Lutz sang und spielte Lieder, die den Zuhörern Schauer über den Rücken jagten. So das über die Opfer der Euthanasie: "Herr Doktor ham's mein Boum net g'sehn."

Der Hausherr von Schloss Weißenstein, Paul Graf von Schönborn, schloss sich schon beim ersten Runden Tisch der Initiative der Gemeinde an. Ihm liegt der Ruf Pommersfeldens und des berühmten Baudenkmals besonders am Herzen. Kommen doch auf dem Schloss alljährlich zum Collegium Musicum Menschen aus der ganzen Welt zusammen. Ausrichten konnte von Schönborn bisher nichts gegen die "literarischen Treffen" im verpachteten Schlosshotel. Im nächsten Jahr soll dies nun tatsächlich ein Ende haben. Die Pächterin hat erklärt, aufgrund ihrer wirtschaftlichen Lage nicht mehr auf die Einnahmen aus dem Lesertreffen angewiesen zu sein.

Unabhängig von der "Gegenlesung" der Bündnisse hatte die Gemeinde zusammen mit den beiden Kirchengemeinden ihr eigenes Fest auf die Beine gestellt. Unter dem Motto "Pommersfelden bunt - was sonst" wurde zu einer Ausstellung, einem Schlosslauf und zum Kinderprogramm eingeladen. Dazu gab es musikalische Beiträge von Musik- und Gesangvereinen. Örtliche Vereine verköstigten die Besucher. Solidarität, Toleranz und Vielfalt wurden auf den zahlreichen Transparenten gefordert, die engagierte Gemeindebürger im ganzen Ort aufgehängt hatten.

Zur Eröffnung der Ausstellung "Rechtsradikalismus in Bayern" am Freitagabend füllten Gäste aus Politik, Kirchen und der Bürgerschaft den Turnsaal der Schule. Birgit Mair, die die Ausstellung der Friedrich-Eberth-Stiftung betreut, berichtete, Neonazis seien heute "aktiv wie nie zuvor". Abwechselnd mit der frisch-frechen Musik von "Boxgalopp" moderierte Martin Becher, Geschäftsführer des Bayerischen Bündnisses für Toleranz, geschickt den Abend. Interessante Paarungen kamen auf die Bühne, die es nie langweilig werden ließen. Da vereinten sich Club- und Greuther Fussballfans in ihrer Meinung gegen Rechts. Die "Grüne" Landtagsvizepräsidentin Christine Stahl und der FdP-Bundestagsabgeordnete Sebastian Körber aus Forchheim trafen aufeinander und zollten wie aus einem Munde der Gemeinde hohes Lob für die Veranstaltung.

Über alle Fraktionen hinweg versammelten sich die Mitglieder des Kreistages Siegfried Stengel, Johann Pfister, Gerlinde Fischer, Bernd Fricke und Liebhard Löffler, um ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen. Irgendwie habe man immer gedacht, rechte Gruppierungen seien nur im Osten Deutschlands ein Problem, sagte Grünen-Kreisrat Bernd Fricke. Es gehe jetzt darum, die Situation bewusst zu machen. Dass er Kreistag einstimmig beschlossen habe, dem Bündnis gegen Rechts beizutreten, reiche daher nicht aus. Alle Demokraten und Demokratinnen müssten an einem Strang ziehen.

Aus Weiden berichteten Andreas Klier und Veit Wagner über die Vorgänge in ihrer Stadt. Für die Kirchen sprachen der Bamberger Dekan Otfried Sperl und der Geschäftsführer der KAB (Katholische Arbeitnehmerschaft) Ralph Korschinsky. Sperl ging auf das "deutliche Wort" ein, das Landesbischof Bedford-Strohm kürzlich zur Vergangenheit der Kirche im Nationalsozialismus gesagt hatte.

Werner Schnabel vom Bamberger Bündnis und Michael Helmbrecht aus Gräfenberg berichteten aus ihrer eigenen Erfahrung mit Rechtsextremismus: "Viele Gemeinden schauen nicht hin und verschweigen, dass sie damit ein Problem haben", sagte Helmbrecht. Vielleicht auch aus Angst. Er meine damit nicht die Leute im Schlosshotel, sondern diejenigen, die von ihnen "infiltriert" werden. Gegen Angst hatte Moderator Becher ein Rezept: "Je mehr Menschen Gesicht zeigen, umso weniger ist der Einzelne zu sehen."

Für den Schlosslauf am Samstag nachmittag waren 70 Erwachsene und 30 Kinder angemeldet. Bei den Kindern trat allerdings nur ein Bruchteil davon an. Hingegen herrschte beim Erwachsenenlauf von Anfang Spannung und beste Stimmung. Nicht zuletzt war dies dem für die Organisation verantwortlichen Georg Breuer zu danken, der mit witzigen Ansagen und Anfeuerungsrufen für Atmosphäre sorgte. Fünf Kilometer - zweimal rund um das Schloss - hatten die Läufer zu absolvieren. Bürgermeister Hans Beck war ebenso dabei, wie Pfarrer Andreas Steinbauer und Fedor Glinka, der Geschäftsleiter der Gemeinde. Als erste liefen drei Sportler aus Sambach ins Ziel. Die ersten Plätze belegten - in dieser Reihenfolge - Cosimo Mangione, Peter Dresel und Peter Wittmann. "Ich finde es gut, dass es eine Gegenveranstaltung gibt", zog Sebastian Seeberger, ein Läufer aus Pommersfelden Fazit. "Damit zeigen wir, dass es so nicht weiter geht und dieser Verein hier nicht willkommen ist."




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