Bamberg
Verkehrssicherheit

Gefahr für Schüler durch "Elterntaxis" auch in Bamberg

Eine ADAC-Studie belegt, dass sich immer weniger Kinder selbst auf den Schulweg machen. Wie ist die Lage in Bamberg?
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Auch in Bamberg gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Unfälle auf dem Weg zur Schule. Foto: Patrick Pleul/dpa, Quelle: Polizeiinspektion Bamberg Stadt, Grafik: Carolin Höfler (FT)
Auch in Bamberg gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Unfälle auf dem Weg zur Schule. Foto: Patrick Pleul/dpa, Quelle: Polizeiinspektion Bamberg Stadt, Grafik: Carolin Höfler (FT)

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Der Polizist findet deutliche Worte: "Manche Eltern hätten am liebsten einen Drive-In-Schalter an der Schule." Es ist Holger Dremel, Pressesprecher der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt. Er hat viele Erfahrungen bei Schulwegüberwachungen gesammelt, jedes Jahr zum Schuljahresbeginn - und manchmal auch dazwischen.
Klar ist: Es werden immer mehr Eltern, die ihren Nachwuchs mit dem Auto bringen und direkt vor der Schule absetzen. Das belegt eine wissenschaftliche Studieder Bergischen Universität Wuppertal im Auftrag des ADAC. Etwa jedes zweite Kind bewältigt demnach den Schulweg nur ein Stück weit zu Fuß.

Die Untersuchung "Das ,Elterntaxi‘ an Grundschulen" zeigt auch, dass aus möglicherweise gut gemeinten Absichten der Eltern Sicherheitsrisiken entstehen können. Ulrich Klaus Becker, ADAC-Vizepräsident für Verkehr, schreibt: "Durch verbotswidriges Halten oder riskante Wendemanöver behindern sie dabei nicht nur andere Verkehrsteilnehmer, sondern gefährden auch die Kinder - ihre eigenen eingeschlossen."

Just zu Beginn der aktuellen Pfingstferien sorgte eine Nachricht aus Osnabrück für Aufsehen, nach der die Stadt als bundesweit erste sogenannte Bannmeilen für "Elterntaxis" eingerichtet hat - um des Verkehrschaos' Herr zu werden.


"Auswirkungen" sind bekannt

Doch wie ist die Lage in Bamberg? Einer Stadt, die schon auf Grund ihrer baulichen Struktur etliche Engstellen bereit hält? Steffen Schützwohl aus der städtischen Pressestelle sagt: "Ja, im Straßenverkehrsamt sind Auswirkungen bekannt. Vor allem am E.T.A-Hoffmann-Gymnasium und am Torschuster."

Dem stimmt auch Franz Werner zu, Verkehrserzieher bei der Polizei. Er und Kollege Dremel nennen mit der Neuerbstraße einen weiteren neuralgischen Punkt, an dem Eltern regelmäßig "nur kurz halten", aber alles zuparken - vor allem die Feuerwehranfahrtszone direkt neben der Rupprechtschule.

Bei den Verkehrsüberwachungen würden viele Eltern zwar Einsicht zeigen, wenn man sie auf die Gefahren - auch für das eigene Kind - hinweise. "Bis zum nächsten Tag merken sie es sich. Aber wenn man nach einer Woche Freundlichkeit nicht weiterkommt, wird eben doch ein Bußgeld fällig." Bei der Feuerwehranfahrtszone sind das stattliche 50 Euro. Werners Appell an Eltern, die die Kleinen mit dem Auto bringen: "An vielen Schulen gibt es um die Ecke Halte- und Parkmöglichkeiten, um die Kinder aussteigen zu lassen." Aber: "Wenn möglich, sollten die Kinder den Schulweg selbst absolvieren." Und zwar, wenn er vorher eingeübt wurde und weiterhin regelmäßig trainiert wird. Dabei ist der kürzeste nicht unbedingt der sicherste. "Die Kinder sollen lernen, am Straßenverkehr teilzunehmen", stellt Polizeisprecher Holger Dremel klar. Er und sein Kollege Franz Werner sagen: Dieser Lernprozess sei bereits Grundschulkindern zuzutrauen. "Auch ein Sechsjähriger muss Verkehrserfahrung trainieren."


Das sagen die Eltern

Doch was ist es, das Eltern zum Hol- und Bringservice veranlasst? Laut der ADAC-Studie sind es aus Elternsicht vor allem als unsicher empfundene Schulwege. Außerdem wurden in der Elternbefragung an 14 Grundschulen folgende Punkte genannt: Sorge vor Belästigungen und Bedrohungen, Bequemlichkeit oder ganz praktische Überlegungen, wie: "Da mein Nachbar sein Kind eh mit dem Auto zur Schule bringt, fährt mein Sohn morgens gern mit, da er noch müde ist." Hinzu kommt, dass es eine steigende Zahl von Familien gibt, in denen beide Elternteile berufstätig sind. In Bamberg hat beispielsweise die Hain-Grundschule eine "stark besuchte Mittagsbetreuung", wie Ulrich Vogel sagt. Er ist Elternbeiratsvorsitzender und berichtet von berufstätigen Eltern, die nach der Arbeit mit dem Auto die Kinder abholen. Da könnten schon mal Parkplatzengpässe auftreten. Allerdings: "Bei uns kommen nicht übermäßig viele Leute mit dem Auto, die meisten Kinder sind zu Fuß, mit dem Rad oder Roller unterwegs."

Die Situation an der Hainschule sei entspannt, zumal sie in einer Sackgasse liegt. Höchstens beim "rauf- und runterfahren" aus dem Wendehammer zum Gebäude könne es zu "gefühlten oder tatsächlichen" Gefahrensituationen kommen, merkt Vogel an. "Im Elternbrief bringen wir regelmäßig die Aufforderung, man möge die Kinder am Wendehammer herauslassen."

Eigens eingerichtete "Hol- und Bringzonen" schlägt die ADAC-Studie vor. Davon hält die Bamberger Polizei jedoch nichts - der Nachwuchs soll ja gerade lernen, sich selbstsicher und selbstbewusst im Straßenverkehr zu verhalten.

Auch in der Stadtverwaltung stoßen "Elternhaltestellen" auf keine Gegenliebe. Diese würden nur falsche Anreize schaffen, "zumal es eine hohe Konkurrenz wegen der Stellplätze geben würde", wie Sprecher Steffen Schützwohl sagt. Vielmehr gehe es darum, Schülerlotsen zu fördern und Sicherheitsaktionen durchzuführen. Und: den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu nutzen. "Für jüngere Kinder ist die Busfahrkarte ab einer Strecke von zwei Kilometern kostenlos, für ältere sind es drei Kilometer."
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