Laden...
Bamberg
Umweltschutz

Gebühr für Plastiktüte zeigt in Bamberg Wirkung

Es geht auch ohne Plastikbeutel. Das stellen immer mehr Verbraucher in Bamberg fest, seit sie für die Tüten bezahlen sollen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Handtasche, Papier- und Plastiktüte: Eine Frau trägt ihre Einkäufe durch die Bamberger Fußgängerzone. Foto: Ronald Rinklef
Handtasche, Papier- und Plastiktüte: Eine Frau trägt ihre Einkäufe durch die Bamberger Fußgängerzone. Foto: Ronald Rinklef
"Seit wann?" Die Kundin an der Kasse wirkt unangenehm überrascht: Dass sie für die Plastiktüte zu ihrem Einkauf auf einmal etwas bezahlen soll, gefällt ihr erkennbar nicht.

Zwei andere Frauen, die hinter ihr an der Kasse warten, greifen den Dialog spontan auf und kommen ins Gespräch miteinander: Sie fänden es richtig, dass man nicht mehr automatisch und ungefragt mit jedem Einkauf einen Beutel aus Kunststoff bekomme, bestärken sie sich gegenseitig.

Die Szene spielte sich so kürzlich an einer Kasse im Bamberger C & A-Haus ab. Es gehört zu den Innenstadtgeschäften, die neuerdings eine Gebühr für Einkaufstüten verlangen.

Nach den ersten Erfahrungen gefragt, berichtet Filialleiter Bernd Lommel von überwiegend positiven Reaktionen der Kundschaft. Die meisten Leute würden jetzt auf eine Tüte verzichten.
Bei seinen gelegentlichen Einsätzen an einer der Kassen gewann Lommel den Eindruck, dass etwa 30 Prozent aller Kunden eine Tasche mitbringen.

Auch in anderen Bamberger Geschäften scheint die Gebühr für Einwegtüten den Effekt zu haben, den Politik und Handel anstreben: Der Verbrauch von Einwegbeuteln soll deutlich gesenkt werden.

Seit 1. April geben etliche Einzelhändler in Deutschland Tüten nicht mehr kostenlos ab. Es ist eine freiwillige Selbstverpflichtung, die sie eingehen. Der Handelsverband Deutschland schätzt, dass etwa 60 Prozent seiner Mitglieder neuerdings ein paar Cent verlangen, wenn jemand zum Einkauf eine Plastiktüte möchte.


EU will deutliche Reduzierung

Hintergrund ist ein Vorstoß der Europäischen Union mit dem Ziel, bis 2019 die Menge der im Umlauf befindlichen Einwegbeutel auf 90 Stück pro Kopf und Jahr zu senken. Bis 2025 soll der Verbrauch weiter auf 45 reduziert werden. Noch gibt es in Deutschland kein Verbot der Plastiktüten wie etwa in den Niederlanden. Dort sind sie seit Jahresbeginn tabu.

Uneinheitlich wie auf Bundesebene wird das Thema im Bamberger Handel praktiziert. Das zeigt eine nicht repräsentative Umfrage bei mehreren Kaufhäusern, Boutiquen und Fachgeschäften in der Innenstadt. Es gibt Geschäfte, in denen alles beim Alten ist, manche haben auf die vermeintlich umweltfreundlicheren Papiertüten umgestellt, andere Händler haben sich der Selbstverpflichtung angeschlossen, nehmen aber Rücksicht auf die Empfindlichkeiten mancher Stammkunden.

Zum Beispiel im Zigarrenhaus Weinig. "Beschwerden gibt es keine, aber begeistert ist niemand", stellt Mitinhaberin Sabine Hofmann fest. Zehn Cent verlangt man dort seit 1. April für Plastiktüten.

Wenn Stammkunden bei ihnen für wenigstens 20 oder 30 Euro einkaufen und Wert auf eine Plastik- statt Papiertüte legen, müssten sie diese nicht bezahlen, sagt die Geschäftsfrau. Ganz persönlich begrüße sie einen bewussteren Umgang mit Kunststofftüten, so Hofmann. Gehe sie selbst einkaufen, habe sie meistens eine Tasche einstecken: "Wir müssen was für die Umwelt tun."

Dem stimmt der Geschäftsleiter des Karstadt-Hauses, Alfons Distler, zu: "Es kann doch so nicht weitergehen." Seit 1. März kosten Plastiktüten in dem Kaufhaus zwischen fünf und 30 Cent, je nach Größe. Die Akzeptanz soll groß sein, das Echo ausgesprochen positiv. Viele brächten jetzt Taschen mit. Wer keine dabeihat, kann an den Kassen umweltfreundliche Stofftaschen und bald stabile Mehrwegtaschen aus Kunststoff kaufen.

Schuhfachhändler Andreas Zeller hält dagegen nach wie vor kostenlose Plastikbeutel bereit. Er nennt zwei Gründe. Erstens würden Schuhe meist spontan gekauft, deshalb hätten seine Kunden so gut wie nie Taschen dabei. Zweitens habe man noch Vorräte aus dem jährlichen Großeinkauf von 20 000 Kunststofftragetaschen.

Im Bamberger H & M-Haus kostet jede Plastiktüte gleich welcher Größe seit 1. April 15 Cent. Beschwert haben soll sich darüber noch niemand, heißt es. Das Echo sei überwiegend positiv. Kleine Artikel würden die Leute jetzt meistens so einstecken.


Bis zu 80 Prozent weniger

Die längste Erfahrung mit dem Thema hat man beim Drogeriemarkt Müller: Dort sind Gratis-Einwegtaschen seit Februar 2015 passé. "Seitdem können wir einen Rückgang der Nachfrage um bis zu 80 Prozent (je nach Größe unterschiedlich) verzeichnen", teilte die Pressestelle des Unternehmens auf Anfrage schriftlich mit. Außerdem habe man das bestehende Taschenkonzept umweltverträglicher ausgerichtet.

Kommentare (2)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren