Hallstadt
Einzelhandel

Ertl-Zentrum in Hallstadt richtet sich neu aus

Um gegen Einkaufs-Center in Nachbarstädten und den Internethandel zu bestehen, geht das Hallstadter Ertl-Zentrum neue Wege.
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Vor einer Neuordnung am Ertl-Zentrum steht der Abriss des Reno-Gebäudes. Foto: Matthias Hoch
Vor einer Neuordnung am Ertl-Zentrum steht der Abriss des Reno-Gebäudes. Foto: Matthias Hoch
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Die Lücke ist nicht zu übersehen. Dort, wo annähernd 30 Jahre der Schuhmarkt Reno stand, finden sich nur noch Gebäude-Reste. Erdhügel säumen den Parkplatz gegenüber dem Ertl-Zentrum. Der Zustand ist auf das zurückzuführen, was unter Bebauungsplan "Neuordnung Ertl-Zentrum" firmiert. Gegenüber des 1984 errichteten Zentrums möchte die Unternehmer-Familie Ertl eine Neuordnung ihrer Verkaufs- und Parkflächen umsetzen. Doch das dauert und hat gedauert. Wir haben bei zwei der vier gleichberechtigten Ertl-Gesellschafter - Gaby Schrödel und Karl-Heinrich Ertl - nachgefragt.

Seit langem bemühe sich das familiengeführte Einkaufszentrum, das erste seiner Art übrigens im Gewerbegebiet am Hafen, um Innovation. "Das Gebäude ist in die Jahre gekommen, und Stillstand ist Rückstand", erklärt Karl-Heinrich Ertl den Ansatz. Er würde gerne den konkurrierenden konzerngeführten Zentren in den Nachbarstädten etwas Regionales und Verwurzeltes entgegensetzen, das die Bamberger (Stadt- und Landkreisbürger) einkaufsbezogen in der Region hält.


Mehrere Fronten

Man kämpft aber an mehreren Fronten: Neben den anderen Shopping-Zentren ist das in zunehmendem Maße der Internethandel, den Ertls Schwester Gaby Schrödel anspricht. Auch mit Blick darauf gelte es, konkurrenzfähig zu bleiben. Das Angebot des Erlebniseinkaufs (u.a. in Ambiente und Präsentation, Ausprobiermöglichkeiten) sieht sie dabei als das richtige Instrument. "Wir wollen schöner werden," fasst sie zusammen. Obwohl das Familienunternehmen dafür in den letzen Jahren mehrere Anläufe genommen hatte, mussten Planungen immer wieder modifiziert werden. Dennoch ist man von diesem Weg überzeugt. Schrödel und ihr Bruder bitten um Verständnis, dass sie angesichts der laufenden Verhandlungen keine Details zur aktuellen Planung nennen. "Wir befinden uns momentan in einem laufenden Verfahren", so Karl-Heinrich Ertl.

Dass so ein Bebauungsplan-Verfahren langwierig sei, erklärt dazu Hallstadts Bürgermeister Thomas Söder (CSU). Dem Laien, der nach dem im Frühjahr begonnenen Reno-Abriss wachsende Lücken und Erdberge bemerkt, bleibe freilich verborgen, dass in dem Verfahren selbst vieles abseits der Öffentlichkeit läuft. Es seien in dem Verfahren sehr viele Träger der verschiedensten Belange involviert, zu hören und deren Stellungnahmen zu gewichten, wie der Bürgermeister ausführt. Er spricht von einem äußerst umfangreichen Verfahren. "Für den Außenstehenden passiert nichts", fasst Söder es zusammen. "Die Vorbereitung dauert sehr lange, wenn dann erst die Bagger kommen, geht es schnell."


Keine neuen Baurechte

Insgesamt, so Söder ,werden keine neuen Baurechte geschaffen. Die Familie Ertl verteile die bestehenden nur neu. Diese Neuordnung mache Sinn, um auf diese Weise neue Strukturen zu schaffen. Das beinhalte auch die Anpassung an veränderte und vor allem gewachsene Verkehrsströme. Wenn alles abgestimmt sei, werde wohl auch neu gebaut, so der Kenntnisstand des Bürgermeisters.





Hintergrund-Informationen:

Entwicklung Erbaut wurde das Ertl -Zentrum 1984, 1992 erstmals erweitert. Bereits 1988 wurde gegenüber im Norden ein weiteres Gebäude erworben und für Reno (Schuh-Textilien) sowie eine Videothek umgebaut. 1992 entstand nebenan ein großer Parkplatz. 2015 erwarben die vier gleichberechtigten Ertl-Gesellschafter das westlich neben dem Ertl-Zentrum befindliche Grundstück (ca. 6000 Quadratmeter), der Gebäudebestand wurde zugunsten provisorischer Parkplätze abgerissen. Abgerissen wurde im Frühjahr 2016 das Reno-Gebäude. Reno ist nach einer Geschäftsaufgabe mit seinem Schuh-Angebot ins Parterre des Ertl-Zentrums umgezogen.

Zahlen Rund 350 Beschäftigte arbeiten im Ertl-Zentrum. Das familiengeführte Unternehmen verfügt rund um das Ertl-Zentrum über insgesamt 41 000 Quadratmeter Fläche, darunter zwei bislang nicht genutzte Areale im Nordwesten mit über 2000 Quadratmetern. Parkplätze bestehen derzeit rund 650, sie sollen in Zukunft auf 1000 aufgestockt werden. Für das Ertl-Zentrum mit einer Nutzfläche von 20 000 Quadratmetern gibt es seit vielen Jahren eine genehmigte Verkaufsfläche für innenstadtrelevante Sortimente mit 17 850 Quadratmetern. Tatsächlich genutzt werden davon nur 13 200.



Pläne Seit vielen Jahren bemühen sich die Gesellschafter um eine Neuausrichtung in Richtung Erlebnis-Einkauf. Die Projekte mussten aus mehreren Gründen mehrfach abgespeckt werden. Überlegt wurde auch schon einmal, ein komplett neues Center auf dem Konversionsgelände in Bamberg zu realisieren; aufgrund der aktuellen Entwicklung ist das nicht mehr umzusetzen. So soll die Neuausrichtung im Hallstadter Gewerbegebiet erfolgen. an
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