Herbert Matzick, Werner Engl, Fritz Friedel, Helmut Beck und Friedrich Starklauf halten sie nach 40 Jahren wieder in den Händen: die Fackel, mit der sie in der Nacht vom 25. auf den 26. August 1972 das Olympische Feuer durch Hirschaid trugen. Für alle fünf ist es eine Erinnerung an einen der größten Augenblicke ihres Lebens. "Wir waren unheimlich stolz, bei diesem Ereignis dabei zu sein", erinnert sich Werner Engl.

Nachdem das Olympische Feuer für die Spiele in München am 28. Juli 1972 in Olympia traditionell mit einem Hohlspiegel entzündet worden war, wurde es von fast 6000 Läufern durch Griechenland, die Türkei, Bulgarien, Rumänien, Jugoslawien, Ungarn und Österreich nach Deutschland getragen. In München wurde die Flamme am 25. August auf dem Königsplatz empfangen und zur Eröffnungsfeier ins Olympiastadion gebracht. Doch hier war ihr Weg noch nicht zu Ende. Die Segelwettbewerbe der Münchner Spiele fanden in Kiel-Schilksee an der Ostsee statt, und auf dem Weg dorthin passierte das Feuer auch das Bamberger Land. Möglich geworden war dies durch den Einsatz des damaligen CSU-Bundestagsabgeordneten Paul Röhner, der sich vehement für eine Streckenführung über Bamberg ausgesprochen hatte.

Auch Herbert Matzick war damals einer der Läufer. Sein Bruder Karl hatte den Abschnitt von Eggolsheim bis Viereth minutiös organisiert, und so kann Herbert bis heute den Ablauf nachvollziehen: "Um 1.55 Uhr kam das Feuer von den Buttenheimer Sportlern am südlichen Ortseingang von Hirschaid an. Die erste Läufergruppe bestand aus Werner Engl, Milly Müller und Wolfgang Schröder. Sie gaben das Feuer in der Ortsmitte an Friedrich Starklauf, Fritz Friedel und mich weiter und in der Bamberger Straße übergaben wir dann an eine dritte Gruppe, bestehend aus Helmut Beck, Manfred Gensel und Henry Bartoszek."

Am nördlichen Ortsausgang stieg dann Walter David aufs Fahrrad und brachte die Flamme zu den Radfahrern des RSC Concordia aus Strullendorf. Trotz der späten Stunde harrten zahlreiche Zuschauer aus, um die Fackelläufer am Straßenrand anzufeuern. Renate Göller, damals Anwohnerin an der Bamberger Straße, berichtet gar von einer "Wach-Bleib-Party", die sie damals mit Freunden feierte, um das große Ereignis nicht zu verschlafen.

Jeder lief 800 Meter


Der ausrichtende Verein dieses Abschnitts, der TSV Hirschaid, durfte als Andenken eine der originalen Edelstahlfackeln behalten. Sie ist nun die "Hauptdarstellerin" der Sonderausstellung "Als das Olympische Feuer nach Hirschaid kam" im Museum Alte Schule in Hirschaid, die an den Fackellauf und die Spiele in München erinnert. Für die damaligen Läufer war die Ausstellungseröffnung eine gute Gelegenheit, sich nach so langer Zeit wiederzutreffen und Erinnerungen auszutauschen. Auch über Missverständnisse. So berichtet beispielsweise Werner Engl, dass die 800 Meter, die jeder Läufer zurückzulegen hatte, angeblich in einer bestimmten Zeit hätten gelaufen werden sollen: "Aber wir haben es so genossen, die Fackel in der Hand zu halten, dass sich jeder ein bisschen Zeit gelassen hat."

Jeder der Läufer wurde auch entsprechend eingekleidet und trug ein ärmelloses Trikot mit dem Aufdruck "München 1972" und den Olympischen Ringen. Davon ist allerdings keines mehr als Ausstellungsstück erhalten geblieben. "Bis vor 20 Jahren hatte ich das Trikot noch zur Gartenarbeit an, dann war es leider aufgetragen", schmunzelt Herbert Matzick.

Übrigens gab es damals zu nächtlicher Stunde noch eine große Feier auf dem Bamberger Maxplatz. Der FT vom 28. August 1972 berichtete von 2000 Zuschauern, die dabei waren, als vom Bamberger Leichtathleten Paul Mehringer eine Flammenschale entzündet wurde. Allerdings erlosch das Feuer schon um fünf Uhr morgens wieder. Hier griffen beherzt die Männer der Freiwilligen Feuerwehr ein, zündeten am ausgehenden Feuer eine große Kerze an und stellten sie in der Feuerwache auf. Ob sie dort bis zum Ende der Spiele brannte, ist unbekannt.

Die Sonderausstellung "Als das Olympische Feuer nach Hirsch aid kam" ist noch bis zum 20. Mai im Museum "Alte Schule Hirschaid" (Kirchplatz 4) Dienstag, Samstag und Sonntag jeweils von 13 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung (Tel. 09543 /440987) geöffnet.