Diego hat keinen Bock. Der Stier mag einfach nicht an den Zaun kommen. "Wasserbüffel lassen sich nicht treiben, nicht schieben nicht zwingen." Das weiß Georg Gräbner von Diegos Züchter. "Höchstens locken kann man sie." Der Biolandwirt schwenkt den Eimer mit altem Brot. Ohne Erfolg. "Wenn man sie drängt, schalten sie auf stur und legen sich hin." Stundenlang, wie Gräbner gehört hat. "Die sind mir sympathisch", sagt der Bioland-Landwirt . "Die", das sind die fünf neuen Landschaftspfleger im Aurachgrund, nur zwei Kilometer entfernt von "Luzifer" und seiner 25-köpfigen Auerochsen-Herde, die bereits seit etwa sechs Jahren als Landschaftspfleger rund um Zettels dorf Dienst tut. Kollegen, sozusagen .

"Diego" und seine kleine Herde leben seit wenigen Tagen in unmittelbarer Nachbarschaft Gräbners auf eingezäunten Wiesen entlang der Aurach. "Wir müssen uns noch anfreunden", weiß der 54-Jährige, in dessen Obhut die Tiere nun sind. "Ich versuche sie, ans Locken mit Brot zu gewöhnen". Auf diese Weise soll die künftige Kooperation funktionieren. Wie kamen Gräbner und die Wasserbüffel zusammen? Letztlich über die Kooperation etlicher Behörden, die sich der Gestaltung des Aurachgrundes widmen: Das Wasserwirtschaftsamt Kronach (Renaturierung der Aurach), das Amt für ländliche Entwicklung (Flurgestaltung), die Untere Naturschutzbehörde (Naturschutz) am Landratsamt, Landschaftspflegeverband und die Gemeinde Walsdorf.

Als Biolandwirt Gräbner vor längerem gehört hatte, dass da ein Projekt praktisch vor seiner Hoftüre realisiert werden sollte, stand für ihn fest, dass er hier möglichst involviert sein sollte. So interessierte er sich, hatte viele Gespräche mit Landwirtskollegen und Walsdorfs Bürgermeister Heinrich Faatz (CSU) und war dann schließlich auch von den Wasserbüffeln überzeugt. Doch dann sollten in diesem Jahr gar keine zu haben sein. Die Schwierigkeit lag darin, dass die Tiere bio-zertifiziert, also auf einem Biohof geboren sein mussten. Gräbner durchforstete das Internet und fand so Diegos Züchter. Der dreieinhalbjährige Stier war zuletzt in der Landschaftspflege auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Leipzig eingesetzt. Hier blieb er ebenso wie sein neuer, aus Niedersachsen stammender Harem - eine siebenjährige und eine vierjährige Kuh sowie ein einjähriges und ein zweijähriges Jungtier - in Quarantäne.

Das Betätigungsfeld der neuen Landschaftspflege-Truppe erstreckt sich auf gut 17 Hektar Fläche, zwei davon sind Gräbners eigene, das Gros gehört dem Wasserwirtschaftsamt. Das Amt für ländliche Entwicklung hat Flächen aus EU-Mitteln beigesteuert, die Untere Naturschutzbehörde aus Naturschutzersatz-Mitteln die Tiere beschafft, dazu auch die Konikstute Neska. Denn Gräbner möchte eine Mischbeweidung mit den Büffeln und den Pferden. Es sollen weitere Koniks folgen. Diese robuste Pferderasse, so weiß Gräbner, sollen eine besondere Technik haben, um auch Schilf als Futter zu ergattern, weiß er.

Warum wird so ein Beweidungsprojekt überhaupt realisiert? Das hängt mit Hochwasser- und Renaturierungsmaßnahmen an der Aurach zusammen. Das Wasser wird nun länger in der Fläche, also im Uferbereich gehalten. Feuchte Wiesen sind auf herkömmliche Weise nicht oder nur schwer zu bewirtschaften. Sie müssen aber gepflegt werden, dass sie nicht verwildern, oder sich wieder Bäume ansiedeln, die für den Hochwasserschutz kontraproduktiv wären. So lautet stark vereinfacht die Erklärung Severin Hajers vom Wasserwirtschaftsamt. Also übernehmen Tiere die Pflege mit dem Vorteil, dass sie nicht alles abweiden, sondern also fressen und stehen lassen, wodurch sich die ökologische Qualität weiterentwickelt.

"Die Biodiversität in Walsdorf nimmt zu", freut sich Bürgermeister Faatz auch in Anspielung an die fünf Wasserbüffel, die den 73-Seelen-Ort bereichern. Die Büffel dürfen morgen - endlich - die Aurach in Beschlag nehmen.
Was hat Gräbner von den Büffeln? Später einmal Fleisch oder/ und Geld von den überzähligen Tieren und jetzt beispielsweise Flächenprämie für die extensive Beweidung. Und irgendwie auch Freude, wie man spürt. Das Wesen der Büffel gefällt Gräbner. Vielleicht könne man sie ja für Stressbewältigungsseminare nutzen, scherzt er - während Diego und die Seinen sich sich in aller Ruhe hingelegt haben.