Bamberg
ICE-Ausbau

Freistaat lockt Bamberg mit S-Bahn-Halt

Bayerns Innenminister stellt einen S-Bahn-Halt in Bamberg-Süd in Aussicht, wenn sich der Stadtrat für einen oberirdischen ICE-Ausbau entscheidet.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Luftaufnahme von Bamberg-Süd lässt gut die heutige Lage der Bahntrasse erkennen. Oben links sieht man die Brose Arena und einen Teil der Gereuth, am Bildrand rechts oben den Berliner Ring und die Abzweigung der Forchheimer Straße. Foto: Ronald Rinklef
Die Luftaufnahme von Bamberg-Süd lässt gut die heutige Lage der Bahntrasse erkennen. Oben links sieht man die Brose Arena und einen Teil der Gereuth, am Bildrand rechts oben den Berliner Ring und die Abzweigung der Forchheimer Straße. Foto: Ronald Rinklef
"Unser Zeitplan steht", betont Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD). Und der sehe vor, dass der Stadtrat vor einer Entscheidung über die ICE-Ausbautrasse durch Bamberg das in Auftrag gegebenes Gutachten abwartet.

Erwartet wird es frühestens im Herbst, weil dem Experten bislang eine ganz wesentliche Information fehlt: belastbare Daten über die Zahl von Personen- und Güterzügen, die im Jahr 2030 wohl nach und durch Bamberg fahren werden. Geliefert werden muss die Prognose von der DB Netz AG, die für den Streckenausbau zuständig ist.

Vorher, so machte Starke am Mittwoch im Telefoninterview deutlich, wolle und könne der Bamberger Stadtrat sich nicht auf eine der möglichen Ausbau-Varianten festlegen. Daran ändere sich auch nichts durch das Signal, das jetzt der bayerische Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) ausgesandt hat: Bamberg kann sich demnach Hoffnungen auf einen zweiten S-Bahn-Halt am südlichen Stadtrand machen.

Vorausgesetzt, der Stadtrat stimmt einem oberirdischen ICE-Ausbau zu. Wird diese Bedingung erfüllt, sind Freistaat und Bund "bereit, den Bamberger Süden mit einem S-Bahn-Halt ans Bahnnetz anzuschließen, die Station zu finanzieren und S-Bahn-Züge dort halten zu lassen", heißt es in der Mitteilung weiter.

Die aus Bamberg stammende bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) wird mit einem Appell an die Stadt und den Stadtrat Bamberg zitiert, sich für die oberirdische Ausbauvariante zu entscheiden. Der Ministerin zufolge wäre das auch für den Schutz des Gärtnerlands wichtig, weil bei einer Tunnelvariante der Flächenverbrauch in der Nordflur deutlich größer sei. Von einem zusätzlichen S-Bahn-Haltepunkt in Bamberg-Süd erwartet Huml nicht nur eine Attraktivitätssteigerung für die Region; es würde zudem Bayerns drittgrößte Veranstaltungshalle, die Brose Arena, besser erschlossen.

Herrmann kündigt in der Pressemitteilung an, dass sein Haus gemeinsam mit der Bahn die ersten Planungen angehen werde, damit das Projekt unmittelbar nach der Entscheidung über den Bahnausbau in Bamberg gestartet werden könne.

Auf eine zügige Positionierung des Stadtrats drängt einmal mehr der parlamentarische Staatssekretär Thomas Silberhorn: "Bamberg sollte seine spezifischen Anliegen jetzt aufs Gleis setzen. Der bestmögliche Lärmschutz und der geringstmögliche Eingriff ins Gärtnerland sind nur mit dem oberirdischen Streckenausbau machbar." So wird der CSU-Bundestagsabgeordnete von der Pressestelle des bayerischen Innen- und Verkehrsministeriums zitiert.

Darin wird auf aktuelle Untersuchungen der DB Netz AG verwiesen, wonach der Bau des zusätzlichen Haltepunkts in Bamberg-Süd um ein Vielfaches teurer wäre, falls die Neubaustrecke unter die Erde verlegt werden würde. Das wäre "wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen", so Herrmann: "Der neue Halt ist daher nur im Paket mit der oberirdischen Variante zu haben."

Der Staatsminister bezieht sich auf ein Spitzengespräch, an dem alle am Bahnausbau in Bamberg beteiligten Stellen teilgenommen haben: die Bamberger Stadtspitze, die DB Netz AG, des Bundesverkehrsministerium und regionale Mandatsträger.

Bei dieser Unterredung, die dem Vernehmen nach Anfang Mai stattgefunden hat, soll auf Vermittlung von Herrmann beschlossen worden sein, dass die DB Netz AG zwar nun vorerst nur die Planungen für den oberirdischen Ausbau vertiefen wird, jedoch nicht das Baurecht anvisiert, solange sich nicht die Stadt Bamberg auf eine Ausbauvariante festgelegt hat.

Damit ist laut Starke nicht vor Herbst zu rechnen. Je zügiger die DB Netz AG belastbare Zahlen liefere, desto schneller könne der Gutachter seine Empfehlungen für den Stadtrat erarbeiten. Der Oberbürgermeister sieht in erster Linie den Bund in der Pflicht, zu liefern.

Unabhängig davon, wie die Trassenempfehlung des Gutachters ausfallen wird: Ein S-Bahn-Halt am südlichen Stadtrand wäre laut Starke nur zu begrüßen. Er erinnert daran, dass die Stadt diesen zweiten Bahnhof schon lange fordere; insofern sei das Signal von Herrmann "ein kleiner Fortschritt", um Bamberg besser an den Öffentlichen Personennahverkehr anzubinden. Davon würden viele Berufspendler profitieren und der Bamberger Süden aufgewertet, glaubt das Stadtoberhaupt.

Anderer Ansicht ist der Vorsitzende des Bürgervereins Gereuth, Norbert Tscherner. Er legt keinen Wert auf einen Bahn-Halt in "seinem" Stadtteil. Davon hätten nur "ein paar Pendler" etwas. Erst kürzlich hat Tscherner in seiner Funktion als Fraktionsvorsitzender des Bamberger Bürgerblocks (BBB) im Stadtrat beantragt, die gesamte Bahntrasse als Tunnel durch Bamberg zu führen.

Daran will er festhalten und denkt angeblich bereits über das Initiieren eines Bürgerbegehrens nach - für den Fall, dass der OB nicht bereit wäre, vom Gutachter auch die komplette Untertunnelung als weitere mögliche Ausbauvariante prüfen zu lassen.


Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren