Bamberg
Premiere

Chapeau Claque Bamberg: Freche Töne aus dem Stall

Chapeau Claque führt in der Alten Seilerei die Weihnachtsgeschichte "Ox & Esel" auf.
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lDie beiden Hauptakteure Benjamin Bochmann (als Ox) und Florian Berndt (als Esel) Fotos: Florian Reich
lDie beiden Hauptakteure Benjamin Bochmann (als Ox) und Florian Berndt (als Esel) Fotos: Florian Reich
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Mit "Ox & Esel" hat sich Chapeau Claque an die von dem griechischen Arzt Lukas überlieferte biblische Weihnachtsgeschichte gewagt. Suse Pfister hat, assistiert von Anne Pfister, in der Alten Seilerei ein Krippenspiel der ganz besonderen Art inszeniert - frech und unkonventionell, mit viel Getöse, etwas weniger wäre wohl mehr gewesen, witzig und überraschend (die Story stammt von Norbert Ebel).

Weder der Ochse, Benjamin Bochmann, noch der Esel, Florian Berndt, oder der heimliche kleine Star des Stücks, den Langohr und Wiederkäuer da im Futtertrog des darob hell empörten Ochsen finden, passen in eine traditionelle Weihnachtsschublade. Von den Eltern des Menschenkindes keine Spur, aber mächtig viel los im Dorf. Die Bibel sagt Bethlehem, aber wahrscheinlicher ist Nazareth, wo Jesus gemeinsam mit seinen jüngeren Brüdern Jakobus, Joses, Judas und Simon sowie wenigstens zwei Schwestern aufwächst. Die Namen der Mädchen zu erwähnen hielt keiner der Evangelisten für notwendig.

Den Zauber der Heiligen Nacht deutet Pfisters Regie zunächst nur in Nebensätzen an. Der Esel rappt und der Ochse ist ganz schön genervt. Geschenke gibt es auch, zum Beispiel High Heels für Berndt, der mit den goldfarbenen Stilettos nicht nur erstaunlich gut klar kommt, sondern geradezu artistisch mit diesem für einen Esel doch eher ungewöhnlichem Schuhwerk umgeht: "Und zum Ski laufen auf die Golan-Höhen. Das wär' doch was."


Zwei überforderte Tiere

Der Säugling in der Futterkrippe macht seine vierbeinigen Paten immer wieder lautstark krähend auf Missstände aufmerksam - Hunger, nassgepinkelt und so. Die beiden Tiere erweisen sich erst einmal als völlig überfordert. Zwei alleinerziehende Männer. Wen wunderts? Trocken lecken, das klappt schließlich. Aber wer ist der Papa, wer die Mutter? Und immer wieder die Frage nach den wirklichen Eltern.

Die Tiere können nicht wissen, dass Maria und Josef ihrem Erstgeborenen durch sein Versteck im Stall wahrscheinlich das Leben gerettet haben, ganz in der Tradition von Moses und Kyros, denn plötzlich tauchen die Soldaten des Herodes vor dem mit Pappkartons recht spartanisch gestaltetem Stall auf (Bühnenbild und Kostüme - Kathrin Younes). Der in der Bibel erwähnte Kindesmord (Mt. 2,16) passt durchaus in das abscheuliche Bild dieses den Juden tief verhassten Despoten und Schlächters.

Der Ochse zeigt sich unbeeindruckt. Man sieht den Söldner des Herodes nicht, aber man hört ihn - Wortakrobatik per exellence - er ist da und bedrohlich präsent. Der Ochse macht ihn schließlich ohne weiteres platt. Er kämpft für sein Kind.

Florian Berndt, der herrliche, fürsorgliche Esel, und Benjamin Bochmann, der grimmige, zupackende Ochse, füllen die Bühne in der Alten Seilerei (ehemaliges Schaeffler-Gelände, da wo der Riesenschornstein steht) vollständig aus. Und singen können sie auch.

Weitere Vorstellungen finden am 20., 27. Vovember, 3., 4., 11., 17., 18. Dezember, 6.,8. und 15. Januar jeweils um 15 Uhr statt, am 24. Dezember um 11 Uhr. Vorstellungen für Schulen und Kindergärten sind ab dem 28. November buchbar unter Telefon 0951/9686673 oder unter buchungen@kindertheater-bamberg.de. Kartenvorverkauf beim BVD, in der Buchhandlung Collibri und im Spielzeuggiganten im Ertl-Zentrum.

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