Bamberg
Kino

Frauen vor und hinter der Kamera

Das erstmals in Bamberg stattfindende Festival "Femmes Totales" zeigt ab Montag sieben Filme von Regisseurinnen.
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Szene aus "Girls don't fly", einer Dokumentation von Monika Grassl Foto: privat
Szene aus "Girls don't fly", einer Dokumentation von Monika Grassl Foto: privat
Wenn es um Frauen im Kino geht, hat man als erstes exklusive und attraktive Schauspielerinnen vor Augen: Marilyn Monroe als Sex-Ikone, Audrey Hepburn als Stilvorbild oder Angelina Jolie als Kampfmaschine. Frauen vor der Kamera werden oft für ihre Schönheit und Originalität bewundert und nicht allzu selten rückt das künstlerische Talent dabei in den Hintergrund. Doch was ist mit den weiblichen Akteuren hinter der Kamera? Spätestens seit Filmen wie "Bend it like Beckham" (Gurinder Chadha), "Lost in translation" (Sofia Coppola) und "Little Miss Sunshine" (Valerie Faris) sollte klar sein - es gibt sie. Die weiblichen Spielbergs, Tarantinos und Hitchcocks! Frauen zeigen auch hinter der Kamera, was sie drauf haben und begeistern mit klugen, witzigen, intensiven und kontroversen Filmen.


Alltägliches und Schockierendes

Vom Montag, 19. Juni, bis zum 28. Juni gibt es im Lichtspiel-Kino Bamberg geballte Frauen-Power: Sieben Filme, gemacht von Frauen über das Alltägliche, das Schockierende, das Skurrile und das Wichtige. Das Festival "Femmes Totales" findet zum ersten Mal in Bamberg statt und will zeitgenössisches Kino von Frauen auf die Leinwand bringen. Denn bedingt durch häufig bestehende Vorurteile und fehlende Förderungsmöglichkeiten schaffen es viele Filme von Regisseurinnen nicht mehr auf die große Leinwand. Das kleine Festival will dies ändern.

Die Eröffnung findet am Montag um 18.45 Uhr im Lichtspiel statt und präsentiert gleich den vielfach ausgezeichneten Film "Yulas Welt". Über 14 Jahre lang reiste die oscar-nominierte Regisseurin, Hanna Polack, nach Russland in die Nähe von Moskau und begleitete das Mädchen Yula auf ihrem Weg. Zusammen mit ihrer Familie wohnt sie in der verbotenen Zone einer der größten Müllhalden Europas - der Svalka. Hier gehören Gewalt, Kälte und Alkoholismus zum bedrückenden Alltag und hinterlassen ihre Schrammen auf jungen Kinderherzen.
"Null Motivation" von Talya Lavie wurde als Überraschungserfolg des Tribeca Filmfestivals gefeiert. Die israelische Komödie erzählt von den eigenen Erfahrungen der Regisseurin beim Militärdienst auf einer abgelegenen Basis mitten im Nichts. Hier lehnen sich die jungen Frauen gegen die langweilige Routine und unsinnigen Regeln ihrer Vorgesetzten auf.


Der Traum vom Fliegen

Am Mittwoch folgt dann "Geschichten aus Teheran" von Rakhshan Bani-Etemad, das auf den Filmfestspielen in Venedig für das beste Drehbuch ausgezeichnet wurde, jedoch nur durch Unterwanderung der Zensurbehörde entstehen konnte. Hier verweben sich verschiedene Lebensgeschichten und Schicksale von Menschen in Teheran zu einer authentischen Erzählung, die viele kontroverse Themen aufgreift.

"Hitzewelle" von Joyce A. Nashawati ist Genre-Kino vom Feinsten. Ein fesselnder Thriller, der die Thematik der Fremdenfeindlichkeit und Ressourcenknappheit anspricht. In einem futuristischen Griechenland ist Wasser knapp und wird privatisiert. Ein arabischer Migrant muss die Villa einer reichen französischen Familie bewachen und in einer unnachgiebigen Hitze kühlen Kopf bewahren.

Mit "Girls don't fly" schafft Monika Grassl eine interessante Dokumentation über Frauen in Ghana, die sich ihren Traum vom Fliegen erfüllen. Viele von ihnen haben nicht die Chance, zur Schule zu gehen oder eine Ausbildung zu machen und so müssen sie mit harter Arbeit und schwerer Zukunft rechnen. Das ändert sich, als die erste und einzige Flugschule für Mädchen eröffnet wird. Hier versuchen viele von ihnen noch mal ihr Glück - doch nicht alle werden ans Ziel kommen.

Nicht nur das Hauptprogramm ist von Frauen gestaltet, auch das begleitende überzeugt mit femininer Kunstfertigkeit: Die Filme "Certain Women" und "Embrace" zeigen Arbeiten von Weltklasse und in der "Scheinbar" gibt es eine Ausstellung von Azita Sheshbolouki, die als politisch verfolgte Iranerin in Nürnberg lebt und in ihren Bildern vor allem die Thematik der Frauenrechte behandelt.
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