Forchheim
Expertenrat

Forchheimer Psychiater erklärt den Machtrausch der Horrorclowns

Ob bei der tatsächlichen Begegnung mit einem Horrorclown oder der diffusen Angst vieler Kinder: Hier geben Experten aus Forchheim, Bamberg und Coburg Tipps.
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Foto: Ronald Rinklef
Foto: Ronald Rinklef
Manche Menschen finden Clowns gruselig. "Sie sind zwiespältig, sie spielen lustig, spielen traurig. Die echten Gesichtszüge sieht man nicht. Das hat etwas Mystisches", erklärt der Forchheimer Kinder- und Jugendpsychiater Axel Fröhlich. Wer wie er als Jugendlicher den Stephen-King-Roman "Es" gelesen hat, dem sei das Bild des "bösen Clowns" oft in Erinnerung geblieben. "Ich glaube nicht, dass das Phänomen der Horrorclowns lange bleibt. Aber ich kann mir vorstellen, dass die Kinder es im Gedächtnis behalten und dass sie ihren Kindern noch davon erzählen werden."


Was die Opferschutzorganisation Weisser Ring sagt

In den vergangenen Tagen waren immer wieder Täter unterwegs, die als schaurige Clowns verkleidet auf offener Straße Opfer suchten: Sie erschrecken Menschen, rennen mit einer Motorsäge hinter ihnen her oder attackieren sie. Im Vorfeld des Grusel-Kostümfests Halloween häufen sich solche Meldungen - vieles, was im Internet über angebliche Angriffe in Franken verbreitet wird, sind Falschmeldungen. Aber nicht alles. Am Mittwoch bedrohte ein Horrorclown in Rödental im Landkreis Coburg Jugendliche mit einer Kettensäge.

Die Polizei betont, dass sie nach solchen Straftätern fahndet. Wegen Körperverletzung, Nötigung oder Bedrohung. Michael Düthorn von der Opferschutzorganisation Weisser Ring in Bamberg sagt: "Schon das Erschrecken kann strafbar sein, wenn sich der Erschreckte zum Beispiel verletzt." Er rät bei der Begegnung mit einem Horrorclown zur Besonnenheit. In den meisten Fällen handle es sich um schlechte Scherze. Wer sich bedroht fühlt, soll über den Notruf 110 die Polizei rufen, Abstand vom Clown gewinnen, laut um Hilfe rufen und Menschen in der Umgebung aufmerksam machen.


Horrorclownmaske kaufen? "Ein Veilchen kann man auch billiger haben"

Gefährlich sind die Aufrufe zur Selbstjustiz, die im Internet kursieren. Wer einen unbewaffneten Clown niederschlägt, muss mit einer Anzeige rechnen. Und was ist, wenn hinter der Maske nur ein jugendlicher "Spaßvogel" steckt? Psychiater Fröhlich findet perfide, dass für die Masken zum Teil noch Werbung gemacht wird, denn auch er rechnet mit einer möglichen Gegenhatz. "Meinen Sohn würde ich mit Horrorclown-Maske nicht rauslassen. Ein Veilchen kann man auch billiger haben."


Clowns im Machtrausch

Dem Mathelehrer im Dunkeln begegnen und ihn gehörig erschrecken - so eine Fantasie hatten die meisten Schüler mal. "Wer dafür anfällig ist, für den ist das Clowns-Kostüm wie eine Tarnkappe, mit der er die aggressiven Gedanken ausleben kann", erklärt Fröhlich. "Perfide ist, dass die Aggression nicht zielgerichtet ist." Herumzulaufen und zu glauben, dass man jeden erschrecken kann, gibt ein Gefühl von Macht. "Einer, der so gestrickt ist, kann da in einen richtigen Rauschzustand kommen. Je kleiner das Selbstbewusstsein, umso mehr wird das einen anziehen."
Die Furcht vor den Clowns ist berechtigt. "Das sind Kriminelle. Wenn einer mit einer Kettensäge auf einen zuläuft, würde ich das mit einem schweren Trauma vergleichen." Auf ein solches Erlebnis könne man sich nicht vorbereiten. "Das ist wie Terror. Die Menschen haben Todesangst. Man kann froh sein, dass noch keiner einen Herzinfarkt bekommen hat."


Tipps für Eltern

Eltern sollten Kinder an Halloween nicht alleine losziehen lassen und ihnen die Empfehlungen des Weissen Rings nahebringen. Außerdem sollten sie herausfinden, wovor die Kinder Angst haben. Hinter der Furcht, dass im Keller ein Horrorclown lauert, steckt Fröhlich zufolge die natürliche Angst vorm Alleinsein an einem dunklen, von der Welt abgeschiedenen Ort. "Gäbe es keine Clowns, wären es Vampire oder Zombies", sagt er. Meist helfe es, oft mit den Kindern in den Keller zu gehen und diesen ruhig zu durchstöbern.


... und trotzdem gemütlich Gruseln

Der Coburger Sozialpädagoge Torsten Dohnalek hat auch einen Tipp: den Clowns das Mystische nehmen: "Kindern muss bewusst sein, dass das Menschen sind, die sich verkleidet haben. Die wollen jemanden nicht nur ein bisschen erschrecken, sondern so, dass er richtig Bauchweh kriegt. Das ist falsch. So wie wenn einer einen anderen haut. Aber es sind nur Menschen." Dohnalek beschäftigt sich auch mit Jugend-Gewalt und weiß, dass oft schon ein selbstsicheres Auftreten reicht, um Täter abzuschrecken. Was ist, wenn bei der Halloween-Veranstaltung, die er in Dörfles-Esbach bei Coburg mitorganisiert, ein Horror-Clown auftaucht? "Dann sagen wir: Setz dich, nimm die blöde Maske runter und iss ein Chili con Carne mit uns. Wir gruseln uns nämlich ganz gemütlich!"

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