Bamberg
Vorschau

Flüchtlinge als Bühnenthema

Neben Adventsklassikern bieten Bambergs Bühnen heuer Programme, die sich mit der Zuwanderung befassen. Ein Gedankenexperiment erwartet das Publikum am 16. Dezember im E.T.A.-Hoffmann-Theater (dazu gibt's ein Video). Am 17. 12. präsentiert das Brentano-Theater "Die Flucht nach Ägypten".
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Martin Neubauer präsentiert ab 17. Dezember "Die Flucht nach Ägypten": am Brentano-Theater  Foto: Brentano-Theater
Martin Neubauer präsentiert ab 17. Dezember "Die Flucht nach Ägypten": am Brentano-Theater Foto: Brentano-Theater
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"Wenn ich noch einmal ,Stille Nacht' höre, kann ich für nichts mehr garantieren": Ein Seufzer Mark Twains, der einem im Adventstrubel aus der Seele spricht. Im Konsumrausch drängen Massen durch die Fußgängerzone, wo schwankende Weihnachtsmänner an Glühweinbuden stehen und einen schlimmstenfalls noch Justin Biebers "Christmas Eve" erwartet. Und doch ist in diesem Jahr - in Zeiten der Flucht, in Zeiten des Terrors - vieles anders. Das spiegelt das Geschehen an den Bühnen der Stadt wider, wo sich Zuschauer aus der Hektik ausklinken und mit sinnigeren Themen als der Weihnachtsgans oder der Suche nach angesagten Ego-Shootern für den Nachwuchs befassen können.


"Weihnachten - ein Affenzirkus"

Gleich am 17. Dezember feiert "Die Flucht nach Ägypten" am Brentano-Theater Premiere: "Kein spektakuläres Weihnachtsprogramm, eher still inmitten der lautesten Zeit des Jahres", wie Martin Neubauer berichtet. So rezitiert der Brentano-Theater-Prinzipal darin nachdenkliche, aber auch heitere Geschichten und Gedichte, die "von Hoffnung über dem Abgrund" sprechen. "Vielleicht tut gerade das in unseren Tagen not, in denen vielen Menschen die Freude am Fest der Liebe vergeht, das selbst Papst Franziskus angesichts der Probleme in unserer Welt als Affenzirkus bezeichnete." Mut machen sollen Texte von Lyrikern wie Rainer Maria Rilke oder Joseph von Eichendorff, die Leonie Winkler mit weihnachtlichen Flötenklängen begleitet. "Denn auch aus dem, was uns Angst macht, kann sich Positives entwickeln", so Neubauer. Und genau diese Botschaft soll das Programm "zur Geburt eines jüdischen Flüchtlingskindes" vermitteln, das somit auch eine inspirierende Alternative zum Besuch des Marktes in Bambergs Zentrum ist, den Neubauers fünfjähriger Sohn Lorenz zur "Weihnachtskerwa" erklärte.

"Heimatstücke" bietet das Nana-Theater als Antwort auf das Thema "Flucht und Asyl". Am 21., 22. und 24. Januar wird das Programm, das Künstler wie Nora Gomringer, Mäc Härder, Thomas Kastura, Tanja Kinkel und Paul Maar mitgestalteten, wieder im Club Kaulberg zu sehen sein. Dennoch stieß die Premiere im November "auf weniger Resonanz als erwartet", wie Arnd Rühlmann als Nana-Theaterleiter berichtete. "Viele Menschen fürchten angesichts der emotional geführten Flüchtlingsdebatte wohl, mit schweren Geschützen niedergewalzt zu werden." Dass man sich derart ernsten Themen auch "mit Spaß und Leichtigkeit nähern kann" sei für sie schwer vorstellbar. Erst nach entsprechender Mundpropaganda stiegen die Besucherzahlen. Bevor Rühlmann mit Gerti Baumgärtel und Ursula Gumbsch wieder in "Heimatstücke" zu erleben ist, gibt's im Club Kaulberg aber erstmal "fröhliche" Festtagskatastrophen: "Lametta Inferno" nennt sich das Programm, bei dem Johanna Moll mit Rühlmann singt, spielt und erzählt - rund ums "Fest der Liebe und des Wahnsinns".


Migranten als Sündenböcke

Sibylle Bergs "Viel gut essen" holt den Hassbürger in der Vorweihnachtszeit auf die Bühne des E.T.A.-Hoffmann-Theaters. Zuschauer bekommen Einblick in die Psyche eines Durchschnittsmenschen, der gegen Migranten hetzt. Als Sündenböcke müssen die Fremden herhalten, an denen der Mann seinen Lebensfrust abreagiert. Wobei das Stück, für das allenfalls noch Restkarten an der Abendkasse erhältlich sind, keine leichten Antworten gibt und Pauschalisierungen vermeidet.

Im Gewölbe des E.T.A.-Hoffmann-Theaters steht am 16. Dezember eine erschreckende Vision zum Thema Flucht, Migration und Fremdenfeindlichkeit auf dem Programm: Stefan Hartmann liest Janne Tellers Gedankenexperiment "Krieg. Stell Dir vor, er wäre hier". Ein Perspektivenwechsel erwartet das Publikum, das nichts als Frieden erlebte. So begegnet es den namenlosen Protagonisten der Autorin, die als Deutsche aus ihrer Heimat fliehen. Die Europäische Union zerbrach, im unserem Land herrscht Krieg. In Ruinen hausen Familien und hungern - verfolgt von der Gesinnungspolizei, die alle Anhänger der Demokratie auszumerzen sucht. Wer überleben will, sucht dem System zu entrinnen, wie die Familie, die sich nach einer Odyssee in einem ägyptischen Flüchtlingslager wiederfindet. In Lebensgefahr sind die Fremden nun zwar nicht mehr, aber als Deutsche ohne Aufenthaltsgenehmigung und Arabischkenntnisse keineswegs willkommen ...


"Peterchens Mondfahrt"

Weiter geht's mit Adventsklassikern, die an Bambergs Bühnen geboten werden: Beispielsweise erwartet "Peterchens Mondfahrt" kleine und große Kinder am E.T.A.-Hoffmann-Theater (Restkarten erhältlich). In der Alten Seilerei kann sich das Publikum am 18. Dezember ab 19 Uhr über drei Geister amüsieren, die den alten "Scrooge" heimsuchen: Charles Dickens 1843 veröffentlichte Geschichte "A Christmas Carol" lebt in einer von Franz Tröger musikalisch umrahmten szenischen Lesung auf. Patrick L. Schmitz schlüpft in diverse Rollen der Erzählung.

Am 20. Dezember steht ab 19 Uhr ein musikalisch-literarisches Intermezzo in der Alten Seilerei an, das Andreas Ulich mit dem BlueTrainOrchestra gestaltet: "Swinigin' Nutcracker." Wobei der Rezitator E.T.A. Hoffmanns Originaltexte in eigene Versen fließen lässt.

Eine "Fränkische Bescherung" kredenzt Klaus Karl-Kraus Besuchern des TaM bei seinem Weihnachtsprogramm "Budderblädzli, Bunsch und Bäggli" am 17. Dezember. Am Tag darauf startet "Schrille Nacht - Eilige Nacht" als weiteres Stück aus der Feder des Kabarettisten: alle Jahre wieder zu sehen im Theater am Michelsberg.


Die Termine auf einen Blick

"Die Flucht nach Ägypten": am Brentano-Theater (Gartenstraße 7) am 17. Dezember, 20 Uhr, am 18. Dezember, 20 Uhr, am 20. 12., 17 Uhr, am 23. 12., 20 Uhr, und am 24. 12., 15 Uhr. Platze gilt es unter 0951/54528 zu reservieren.

"Heimatstücke": im Club Kaulberg am 21., 22. und 24. Januar ab 20 Uhr (Vorverkauf über den bvd)

"Lametta Inferno": Im Club Kaulberg (Unterer Kaulberg 36) am 17., 19., 27., 29. und 30. Dezember ab jeweils 20 Uhr (Vorverkauf über den bvd).

"Krieg. Stell Dir vor, er wäre hier": Heute ab 20 Uhr Lesung mit Stefan Hartmann zu Janne Tellers Gedankenexperiment im Gewölbe des E.T.A.-Hoffmann-Theaters (Tickets gibt's an der Abendkasse)

"A Christmas Carol": Szenische Charles-Dickens-Lesung am 18. Dezember ab 19 Uhr in der Alten Seilerei auf dem Schaefflergelände (Tickets via bvd)

"Swingin' Nutcracker": 20. Dezember, 19 Uhr,Alte Seilerei

"Budderblädzli, Bunsch und Bäggli",Theater am Michelsberg, 17. Dezember ab 20 Uhr (Tickets via )
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