Bamberg
Integration

Flüchtlinge: Nur jeder Zehnte ist arbeitsmarkttauglich

Flüchtlinge stellen keine Belastung für den Arbeitsmarkt dar, denn es gibt genug freie Stellen. Den Fachkräftemangel können Flüchtlinge aber nicht lösen.
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Ein Beispiel dafür, wie es funktionieren kann: Der junge Ibrahim Bah aus Sierra Leone wird in Bamberg zum Bäcker ausgebildet.  Foto: Barbara Herbst
Ein Beispiel dafür, wie es funktionieren kann: Der junge Ibrahim Bah aus Sierra Leone wird in Bamberg zum Bäcker ausgebildet. Foto: Barbara Herbst
Wenn es um die Integration von Flüchtlingen geht, treten die Praktiker gern auf die Euphoriebremse. Brigitte Glos zum Beispiel, Chefin der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg. Beim 20. Dialog "Strukturwandel in Oberfranken", diesmal zum Thema "Migration-Integration-Bildung", plauderte sie vor Vertretern von Kommunen, Wirtschaft, Schulen und Verbänden aus dem Nähkästchen.

Und räumte gleich zu Beginn ihres Statements mit der Mär auf, die Flüchtlinge stellten eine Belastung des Arbeitsmarkts dar. Der sei aufnahmefähig. Die Arbeitslosigkeit in ihrem Agenturbereich: Gerade mal 3,8 Prozent, dafür 8000 unbesetzte Stellen. Und eben Fachkräftemangel. Den man allerdings mit Hilfe der zugewanderten Flüchtlinge nicht so ohne weiteres beheben könne.

Egal, ob in Ober-, Mittel- oder Unterfranken - überall das gleiche Bild.
Von den Flüchtlingen, für die die Jobcenter zuständig seien, könnten sich gerade mal zehn Prozent auf dem Arbeitsmarkt bewerben. Oft fehlten Sprachkenntnisse. Hinzu komme ein recht hoher Anteil von Analphabeten. Der hochqualifizierte syrische Arzt oder Akademiker bilde da eher die Ausnahme.

Es brauche deshalb für die aktuell im Freistaat registrierten 170.000 Flüchtlinge, in Oberfranken sind es 12.000, einen langen Atem, um sie für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Berufsbezogene Sprachkurse und eine Eignungsfeststellung mithilfe von Praktika sollen hier helfen. Und eine gut vernetzte Zusammenarbeit aller betroffenen Stellen.

Einer davon, der bei der Bezirksregierung für den Bereich Schulen zuständige Klemens Brosig, bedauerte die oft überzogenen Erwartungen junger Asylbewerber, die meinten gleich studieren zu können. Das Handwerk ist zuversichtlicher. HWK-Hauptgeschäftsführer Thomas Koller geht davon aus, dass viele junge Flüchtlinge, die 2015 nach Deutschland gekommen seien, im Jahr 2017 mit ihrer Ausbildung beginnen könnten. Wichtig gerade in den Regionen Frankens, wo aufgrund der demografischen Entwicklung der Nachwuchs fehlt.
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