Bamberg

Florian statt Stefan: krass normal?

Florian Simbeck kommt mit seinem Solo nach Bamberg. Wie er heute über das Ende von "Erkan und Stefan" denkt - und die Zeit danach, wir sprachen mit ihm.
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"Guten Morgen!" Mit seinem Soloprogramm kommt Florian Simbeck am 16. Oktober nach Bamberg.  Foto: Sebastian Konopix
"Guten Morgen!" Mit seinem Soloprogramm kommt Florian Simbeck am 16. Oktober nach Bamberg. Foto: Sebastian Konopix
Sie prägten die Anfänge der "Ethnocomedy": "Hasttu gecheckt?" Ja, von "Erkan und Stefan" ist die Rede. Nach dem Aufstieg auf den Olymp der Spaßfraktion aber kam die Trennung - und ein Neubeginn. Florian Simbeck besann sich seiner Karriere-Wurzeln, präsentiert sich seinen Fans seither aber alles andere als "krass normal". Mit Jochen Prang bietet der Oberbayer am 16. Oktober im Theater am Michelsberg die "Comedy Happy Hour: Zwei Comedians zum Preis von einem", worüber wir mit dem mittlerweile 45-Jährigen ebenso sprachen wie über sein politisches Engagement.



Ohne die Kunstfigur

2007 war's vorbei mit "Erkan und Stefan": Zwei "Checker" hauchten ihr Leben aus, deren "Türkdeutsch" mit bayrischem Einschlag und Wortkreationen wie "Dönertier" Kult waren.
Wie sehen Sie den Bruch heute?

Florian Simbeck: Im Nachhinein bin ich einerseits traurig, weil's 'ne schöne Zeit war. Das Ende war für uns beide aber auch befreiend. Wir konnten uns von unseren Figuren emanzipieren und wieder neue, ganz andere Rollen annehmen. Für mich kam eine Zeit des Durchatmens. Heute stehe ich nicht mehr als Stefan, sondern Florian auf der Bühne und baue eine direkte Verbindung zum Publikum auf - ohne die Kunstfigur, die zwischen mir und den Zuschauern steht.





Wenig Kontakt zum Publikum

Ausverkaufte Hallen, drei Kinofilme, zwei Staffeln "headnut TV" - ein Millionenpublikum feierte "Erkan und Stefan": Wie schafft man nach derartigen Höhenflügen den Sprung zurück in kleine Clubs und Theater?
Fürs Kino, fürs Fernsehen und Auftritte in großen Hallen zu arbeiten, ist sehr anonym. Man hat wenig Kontakt zum Publikum. Das ist heute ganz anders. Außerdem arbeite ich inzwischen mit vielen anderen Stand-up- Comedians in einem Umfeld, in dem man sich austauscht und gegenseitig inspiriert. Das genieße ich sehr.



Bierernst? Geht gar nicht!

Sie wirkten in diversen TV-Serien und Filmen mit. Sie arbeiteten als Moderator und wurden dafür mit dem "Mira Award" ausgezeichnet. Dachten Sie nie an einen Ausstieg aus der Spaßfraktion?
Nein. Spaß ist das, was mich von jeher am meisten faszinierte. Keine Figur, in die ich schlüpfe, kommt in dieser Hinsicht auch ungeschoren davon: Ich kann keine Rollen spielen, denen der Comedyfaktor fehlt. Bierernst zu sein, liegt mir ganz und gar nicht.



In Sachen Politik

Dennoch betraten Sie die politische Bühne und engagieren sich im Kreistag des Landkreises Pfaffenhofen an der Ilm. Wie soll man das bei einem Comedian verstehen?
Wenn du siehst, wie Politik heute auf dem Rücken der Flüchtlinge gemacht wird, dann ist das so frustrierend, dass man aktiv werden muss. Ich versuche gegen Rassismus anzugehen - auch in den sozialen Netzwerken. In Pfaffenhofen habe ich eine Kleiderkammer mitbegründet, und versuche immer für Offenheit gegenüber Minderheiten zu werben.



Deutsch-türkische Freundschaft

Welche Ideale würden Sie dem Publikum als Comedian gerne vermitteln?
Erkan und Stefan standen für die deutsch-türkische Freundschaft, waren also ein völkerverbindendes Projekt. Daran knüpfe ich an, zumal ich in meiner eigenen Ehe mit einer dunkelhäutigen Frau dieses Ideal lebe. Darüber hinaus steht mein Programm "Guten Morgen" für die positive Sicht der Dinge. Ich zeige, wie man aus vertrackten Situationen mit Humor etwas Sinnvolles machen kann.



Im Comedyfieber

In Bamberg treten Sie neben dem "Prangster" alias Jochen Prang auf: Wie kam's zu der Zusammenarbeit?
Ich habe Jochen vor fünf Jahren kennengelernt, als er noch in Nürnberg als Radiomoderator arbeitete und ich mit meinem ersten Solo-Comedyprogramm unterwegs war. Mittlerweile packte ihn selbst das Comedyfieber - und die Idee, gemeinsam Abende zu gestalten, entstand.



"Der Franke: ein Quell ewiger Freude"

Haben Sie Bamberg schon kennen gelernt? Was verbinden Sie mit Franken?
Mein Bruder hat in Bamberg studiert, daher kenne ich die Stadt ganz gut. Sie ist wunderbar beschaulich, eine traumhafte Filmkulisse. Überhaupt ist der Franke an sich für mich ein Quell ewiger Freunde. Mich als Komiker fasziniert der Dialekt, dem ich endlos lauschen könnte. Ich hab' auch schon versucht, Fränkisch zu imitieren. Das ist aber nicht leicht wegen der vielen Fachausdrücke, die man kennen muss...

Inwieweit bekommt die Gesellschaft in Ihrem Programm ihr Fett ab?
Rassismus ist ein Thema, Pegida, die AfD. Natürlich widme ich mich auch den sozialen Medien. In erster Linie will ich die Leute aber unterhalten und keine Botschaften vermitteln. Vielleicht schaffe ich es, ihnen so meine Philosophie ein Stück weit näher zu bringen.


Zur "Comedy Happy Hour"

"Die Comedy Happy Hour - Zwei Comedians zum Preis von einem" gibt's am 16. Oktober ab 18 Uhr im Theater am Michelsberg (10f) mit Florian Simbeck und dem "Prangster". Florian Simbeck zeigt sein Programm "Guten Morgen", liefert "freche Life-Hacks und smarte Vermeidungsstrategien für jede Lebenssituation". Denn am Ende "triumphiert die positive Grundeinstellung und dem frühen Wurm wird gut gelaunt der Vogel gezeigt".

"Der Prangster" Jochen Prang - aufgewachsen in den 80ern, pubertiert in den 90ern und konfrontiert mit dem Technikwahn des Hier und Jetzt stellt die "richtigen" Fragen: "Was hätte Jesus mit YouTube erreicht?" "Wieso heißt es Social Media, wenn sich am Ende doch nur alle asozial verhalten?" "Ist Sex im Alter wirklich so aufregend wie man es vermutet?" All das wird - "vielleicht - ein für allemal beantwortet"...

Tickets gibt's im Netz über die Homepage des Theaters

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