Bamberg
Schaustück

Florenz leiht wertvolle Kunigunden-Reliquie an Bamberg aus

Das Diözesanmuseum zeigt eine außergewöhnliche Reliquie der Kaiserin und Bistumspatronin. Das kostbare Reliquiar wird ansonsten im Museum der Medici-Kapellen in Florenz verwahrt.
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In dem Kristallzylinder befindet sich die ungewöhnlich große Knochenreliquie Kunigundes.  Foto: Matthias Hoch
In dem Kristallzylinder befindet sich die ungewöhnlich große Knochenreliquie Kunigundes. Foto: Matthias Hoch
Für die einen wirken Reliquien (= Überreste) makaber und fremd, für die anderen sind sie verehrungswürdige Erinnerungsstücke an Heilige, die bereits in der himmlischen Ewigkeit weilen. Wer aber meint, Reliquienverehrung sei nur etwas für ganz fromme Katholiken, irrt. Wenn auch für Martin Luther Reliquien nichts anderes waren als "alles tot Ding", und die Aufklärung heftige Kritik am Reliquienwesen übte. Dabei war die Zeit der Auswüchse längst vorbei: Im Spätmittelalter verband sich die Reliquienverehrung mit Ablässen, deren Wirkung zu Millionen von Jahren gesteigert wurde.

Heute bewahrt jeder Zeitgenosse seine "Reliquien" im Wohnzimmer: profane Gegenstände, die an einen lieben, möglicherweise verstorbenen Menschen erinnern. Muslime verehren die Barthaare des Propheten. Selbst Atheisten haben ihre Reliquien wie etwa den einbalsamierten Lenin an der Kremlmauer.
Und Gruselfans pilgern zu Ötzi, dem Mann aus dem Eis, der als Mumie und Weltsensation im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen vor sich hin schlummert.

Würdige Behandlung

Domkapitular Norbert Jung bringt jedenfalls Ötzi ins Spiel, und das im Zusammenhang mit der außergewöhnlichen Reliquie der heiligen Kaiserin und Bistumspatronin Kunigunde, die jetzt in einem kostbaren Reliquiar im Diözesanmuseum bewundert werden kann. "Die Idee, die hinter der Schaustellung steckt, ist bei Ötzi und Kunigunde die gleiche: Auch Tote und Leichenteile haben eine Menschenwürde und werden in Museen würdig behandelt", sagt Jung, Leiter der Hauptabteilung Kunst und Kultur im Erzbischöflichen Ordinariat. So "erbitte ich zumindest Respekt von Andersdenkenden, denen Reliquien für den persönlichen Glauben nichts bedeuten", fügt der Domkapitular hinzu.

Er hat während einer Reise nach Florenz im vergangenen Jahr im dortigen Museum der Medici-Kapellen das Kunigundenreliquiar aus dem 16. Jahrhundert entdeckt. In dem leicht konischen Kristallzylinder mit gerundetem Boden und Deckel befindet sich eine ungewöhnlich große Knochenreliquie, wohl ein Stück des Oberschenkelknochens. Aus dem 17./18. Jahrhundert stammt die Authentik, die zweimal als Reliquie von "S. Chunegundis Imperatrix" ("der hl. Kaiserin Kunigunde") ausgewiesen ist.

Das "größte Stück Kunigunde"

Für Norbert Jung war klar, dass dieses "größte Stück Kunigunde" nach Jahrhunderten wieder nach Bamberg zurückgeführt werden sollte, um es zumindest für einige Monate den Museumsbesuchern zeigen zu können. Erzbischof Ludwig Schick erbat in einem Schreiben an die Florenzer Kuratorin Monica Bietti die Ausleihe. Und sie stimmte zu, dass dieses wertvolle Exponat aus dem Reliquienschatz der Großherzöge der Toskana aus dem Hause Medici nach Bamberg ausgeliehen wird.

Monica Bietti brachte das gute Stück selbst ins Diözesanmuseum, wo es Norbert Jung und Museumschef Holger Kempkens schon einmal Pressevertretern präsentierten. Kempkens lobte den "außergewöhnlichen Erhaltungszustand" des Reliquiars, das extra für den Transport nach Deutschland restauriert worden war. Er vermutet, dass die Knochenreliquie zu den ganz früh entnommenen Partikeln gehören muss, weil später nur kleine Teile vergeben wurden.

Unklar ist, wie die Kunigunden-Reliquie nach Florenz gelangte. Die heilige Kunigunde und der heilige Kaiser Heinrich wurden auch in Florenz verehrt. Der dortige Bischof Hildebrand (1008-1025) hatte sie bei der Gründung der Basilika und des Klosters San Miniato al Monte unterstützt.

Für Domkapitular Jung ist dieses besondere Exponat "ein Stück fokussierte Historie " mit kunst- und kirchengeschichtlicher Bedeutung. Er sieht diese Kunigunden-Reliquie also nicht primär als ein "Objekt der Verehrung". So werde sie auch nicht für Gottesdienste in den Dom gestellt, zumal sie auch ein "unwiederbringlicher Schatz" sei.
Norbert Jung macht klar, dass es heutzutage keine neuen Reliquien von Kunigunde mehr gibt. In ihrem Hochgrab im Dom befinden sich nur noch einige Rippen, und die werden darin auch bleiben.
Anders sieht es mit Reliquien anderer Heiliger aus, die nach Empfehlung des Kirchenrechts traditionell in Altären beigesetzt werden: "Wir haben einen Vorrat, den der Erzbischof im Bischofshaus verwahrt", so Jung. Jedenfalls dürfe es nicht sein, dass Reliquien in den Kunsthandel kommen: "Kirchlicherseits ist der Handel mit Reliquien verboten."

Zu sehen bis Ende März

Die Kunigunden-Reliquie ist bis zum 31. März 2015 im Diözesanmuseum (Domplatz) ausgestellt. Dieses hat dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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