Bamberg
Protesttag

"Finger weg vom Wald!"

Der Bund Naturschutz macht mobil gegen Pläne der Stadt, große Flächen des Hauptsmoorwaldes abzuholzen, um ein dort ein Gewerbegebiet zu erschaffen.
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Auch beim Bamberger Reitverein ist die Sorge groß, dass ein mögliches Gewerbegebiet viel Schaden anrichtet im Hauptsmoorwald. Foto: RiegerPress/CMS-Medien
Auch beim Bamberger Reitverein ist die Sorge groß, dass ein mögliches Gewerbegebiet viel Schaden anrichtet im Hauptsmoorwald. Foto: RiegerPress/CMS-Medien
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"Ist die Stadt denn jetzt ganz verrückt?" Mit deutlichen Kommentaren verschafften sich zahlreiche Besucher am Stand des Bundes Naturschutz ihrem Ärger Luft. Zusammen mit anderen Institutionen und Vereinen wie beispielsweise dem Verkehrsclub Bamberg und dem Reitsportverein hatten die Naturschützer am Samstag zu einem Protesttag in den Hauptsmoorwald eingeladen. Vor Ort klärten sie Interessierte über die Pläne der Stadt Bamberg auf, die dort um das Areal der Muna ein Gewerbegebiet errichten möchte. Dafür müssten aber zuvor an die 85 Hektar Wald gerodet werden.

Gleichzeitig sammelten die Gegner des Projekts Unterschriften, die demnächst der Stadtverwaltung vorgelegt werden sollen. "Wir nähern uns langsam aber sicher der 1000-Marke in Sachen Unterschriften, und auch unser Aktionstag kam sehr gut an. Mehrere Hundert Bürger kamen vorbei, um sich ein Bild vor Ort zu machen", bilanzierte Heinz Jung, Vorsitzender vom Bund Naturschutz Bamberg.

In den Gesprächen hätte sich herausgestellt, dass viele Bürger nicht wissen, welche Ausmaße und vor allem Konsequenzen die Errichtung eines Gewerbegebietes für den Wald hätte. Die meisten seien schockiert und entsetzt gewesen, dass "ihr" Naherholungsgebiet bedroht sei. Vor allem, so berichtete Jung, hätten zahlreiche Besucher nicht verstanden, wie die Bamberger Parteien jüngst bei der Abstimmung über die Bahn-Ostumfahrung die dortige Abholzung für eine Todsünde hielten, aber wenige Meter weiter riesige Waldflächen bedenkenlos für ein Gewerbegebiet opfern würden.


Botschaften an Bäumen

Etliche der Besucher nutzten im Rahmen des Aktionstages die Gelegenheit, sich einen Baum auszusuchen, ihn mit einem bunten Band zu umwickeln und damit zu signalisieren: "Das ist mein Baum, der steht unter meinem persönlichen Schutz." Viele schrieben auf den Bändern noch Botschaften wie "Lassd mein Baam in Ruh" oder "Finger weg vom Wald!" So wie der dreizehnjährige Felix und seine elfjährige Schwester Helene. Auch ihre Botschaft auf den bunten Bändern war unmissverständlich: Lasst die Bäume leben! "Wir wohnen zwar im Hain, aber dennoch kommen wir sehr oft in den Hauptsmoorwald, um dort Rad zu fahren oder spazieren zu gehen", erläuterte deren Mutter Edith Schröder. Denn dies zeichne Bamberg mit aus, dass es inmitten der Stadt noch zahlreiche Wälder zur Naherholung gebe. "Wir wollen hier den Wald unbedingt erhalten. Es dürfen keine weiteren Flächen Wald verdichtet werden", forderte sie. Schließlich sei gerade der Hauptsmoorwald ein Ort der Ruhe, an dem es viel zu entdecken gebe.

Gegen ein neues Gewerbegebiet ist auch der Reitverein Bamberg. "Für uns wäre ein neues Gewerbegebiet gleich doppelt fatal. Denn zum einen würde dadurch die Armeestraße verbreitert werden, die wir zum Ausreiten in den Wald überqueren müssen", klagte Zweiter Vorsitzender Andreas Penske. Schon jetzt sei die Überquerung der Straße mit den Pferden eine gefährliche Sache. Wenn noch mehr Autos und Lieferverkehr entlang fahren würden, wäre eine Überquerung fast unmöglich. Und zum anderen, so Penske, sei der Hauptsmoorwald einer der wenigen Wälder in Bamberg, in denen noch rund 30 Kilometer Reitwege ausgewiesen sind. "Wir haben bei uns keine großen Weideflächen. Auslauf haben unsere Pferde meist im Wald. Wenn hier jedoch große Flächen wegfallen, wären die Ausritte in Gefahr."


Der Kampf geht weiter

Der Bund Naturschutz will auf alle Fälle für den Erhalt des Hauptsmoorwaldes kämpfen. "Wir stehen noch am Anfang. Der Protesttag war erst der Auftakt, viele weitere Aktionen werden noch folgen", verkündete Heinz Jung.
Zudem habe der Bund Naturschutz bei der Regierung eine Unterschutzstellung des Waldes beantragt. Denn gerade die Gegend um den Schießplatz erhalte Sandmagerrasenflächen, die unbedingt geschützt werden müssten.
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