Wer glaubte, mit der Verrentung für das restliche Leben der lästigen Verpflichtung zur Steuererklärung entronnen zu sein, hat sich getäuscht. Was viele nicht wissen: Eine Gesetzesänderung regelt alles neu. In den nächsten Wochen wird das Finanzamt an die säumigen Rentner im Raum Bamberg Post versenden, die auf die ausstehenden Steuererklärungen aufmerksam machen soll.

Mit dem Alterseinkünftegesetz 2005 müssen viele bis dato steuerbefreite Rentner nun doch Steuern zahlen. Lange Zeit war die Art und Höhe der jeweiligen Renten für die Behörde nicht einsehbar. Sieben Jahre herrschte deshalb Passivität seitens des Finanzamtes. Aber inzwischen hat die Behörde Möglichkeiten, die Rentner gezielt in die Pflicht zu nehmen - und nutzt diese nun auch.

Was hat sich im Gesetz geändert? Weit verbreitet ist der Irrglaube, dass die Rentner "nun plötzlich" Steuern zahlen müssten. Genau genommen müssen sie das schon immer. Nur war der Prozentsatz der zu versteuernden Rente so niedrig, dass die abzuleistende Steuer so gering ausfiel, dass sie unter dem Grundfreibetrag lag und damit nicht gezahlt werden musste. Dadurch musste natürlich auch keine Steuererklärung abgegeben werden.

Beratung empfehlenswert


Seit 2005 hat sich der Teil der zu versteuernden Rente erhöht und er erhöht sich jedes Jahr erneut, bis im Jahr 2021 die Rente voll versteuert wird. Je höher die Rente ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Steuern nicht mehr im Grundfreibetrag liegen und tatsächlich abgeleistet werden müssen. "Pauschale Angaben, wer Steuer zahlen muss und wer nicht, können nicht gemacht werden, da auch die Art der Rente eine Rolle spielt", weiß Vera Jackowski, die stellvertretende Pressesprecherin im bayerischen Landesamt für Steuern. Ob Witwenrente, Leibrente oder Frührente: Für alle gibt es eigene Regelungen. Deshalb lohnt es sich, einen Fachmann zu Rate zu ziehen.

"Viele Pflichtige sind noch nicht aktiv geworden. Manche aus bloßem Unwissen, andere, weil sie abwarten wollen, bis das Finanzamt sich von selbst rührt", erklärt Hans Waldbach, der Beratungsstellenleiter der Lohnsteuerhilfe Bayern e.V. in Bamberg. Deshalb "rührt" sich das Finanzamt jetzt. Seit Herbst 2009 findet ein Datenaustausch zwischen den Finanzämtern und Rentenversicherungsträgern statt: Dank einer Identifikationsnummer können die Finanzämter nun Art und Höhe der Rente einsehen und somit gezielt die steuerpflichtigen Rentner anschreiben.

Bis zu sieben Steuererklärungen fällig


Dies bestätigt auch Vera Jackowski: "Vor der Einführung der Identifikationsnummer wäre es gar nicht möglich gewesen, zu bestimmen, wer unter den Rentnern jetzt Steuern zahlen muss und wer nicht." Da die Renten schrittweise Jahr für Jahr höher besteuert werden, erhöht sich auch die Anzahl der Rentner, die nicht mehr unter den Grundfreibetrag fallen. "Wer in ein paar Wochen einen solchen Schrieb bekommt, für den ist es allerhöchste Eisenbahn", mahnt der Beratungsstellenleiter, "denn dann können nachträglich bis zu sieben Steuererklärungen der letzten Jahre fällig werden."

Gerade für Rentner ist es dann oft schwierig, spontan alle nötigen Unterlagen wiederzufinden, vielleicht sogar die mehrerer Jahre. Wenn das Finanzamt zur Abgabe einer Steuererklärung auffordert, aber der Zahler nicht tätig wird, sieht sich das Amt dazu gezwungen, eine Schätzung der zu leistenden Beträge durchzuführen. Für den Steuerpflichtigen ist das schlecht, denn das Amt berücksichtigt dabei nicht die Möglichkeiten, mit denen der Rentner Steuern sparen könnte. Außerdem fallen dann Zinsen auf die Nachzahlung an und in seltenen Fällen droht sogar ein Bußgeld.

Auch Erstattungen sind denkbar


Die Steuererklärung kann, statt als lästige Pflicht, auch als willkommene Möglichkeit gesehen werden, sich das Geld zurückzuholen, das man vielleicht zu viel gezahlt hat. "Ich erinnere mich an einen gravierenden Fall, in dem ein Klient 14.000 Euro für vier Jahre zurückerstattet bekommen hat. In der Höhe ist das selten. Aber häufig bekommen die Zahler mehrere Tausend Euro für ein paar Jahre zurück", so Hans Waldbach. Oft, so Waldbach, verfügten ältere Menschen mit einer sehr niedrigen Rente noch über ein Vermögen bei der Bank. Wegen der niedrigen Rente befinden sie sich weit unter dem Grundfreibetrag. Auf die Zinserträge wird aber die volle Abgeltungssteuer gezahlt. Die könne dann teilweise wieder zurückgefordert werden.

Es kann auf jeden Fall hilfreich sein, sich an einen Fachmann zu wenden, um Klarheit über die eigenen Pflichten und Rechte zu gewinnen. Auch nach Erhalt eines Briefes lohnt es sich nicht, sich verrückt zu machen, wie Hans Waldbach weiß: "Die meisten Leute stellen sich die Situation dramatischer vor, als sie tatsächlich ist." Trotzdem rät er, schnell aktiv zu werden. Bei älteren Menschen, die im Heim leben und keine Familie oder Freunde haben, besteht für die Betreuer die Aufgabe, sich im Namen der Senioren an eine Steuerkanzlei oder an die "Lohi" zu wenden.