Hallstadt
Neue Leiter

Feuerwehr Hallstadt: Mit der Drehleiter groß geworden

Die Hallstadter Brandschützer hatten im Landkreis die erste Drehleiter, 20 Jahre lang die einzige. Nach 26 Jahren Dienstzeit ist nun die nächste Generation im Einsatz: beim Gerät wie bei den Bedienern.
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Dank der neuen Drehleiter kann die Hallstadter Feuerwehr bei ihren Einsätzen flexibel reagieren. Foto: Ronald Rinklef
Dank der neuen Drehleiter kann die Hallstadter Feuerwehr bei ihren Einsätzen flexibel reagieren. Foto: Ronald Rinklef
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Eine Drehleiter! Der Begriff, der vielen Feuerwehrlern einen ganz bestimmten Ausdruck ins Gesicht zaubert. "Wir kennen es nicht ohne", stellt dagegen Harald Kohmann selbstbewusst fest. Darf er. Denn als Hallstadt 1989 die erste Drehleiter im Landkreis bekam, war der heutige Zweite Kommandant gerade mal zwei Jahre alt. Als Elfjähriger hingegen hat Erster Kommandant Stephan Groh die Großübung zur offiziellen Inbetriebnahme mitgestaltet: "Als Opferdarsteller", wie er grinsend erklärt. Die Beiden sind mit der Drehleiter groß geworden. Als gestandene Feuerwehrmänner haben sie nun das Nachfolgemodell ausgesucht: BA-HA 3001 steht in der zweiten Garage von links.


Ein bisschen Wehmut

Hoch droben, auf Augenhöhe mit der Kirchturmuhr und den Hochhausdächern, erfüllt der Gedanke an die alte Drehleiter die leidenschaftlichen Feuerwehrleute mit einer gewissen Wehmut: Bei etwa 70 Prozent der Einsätze war die Drehleiter, also das Fahrzeug mit der Leiter obendrauf, mit dabei. Bei der Gasexplosion in einem Reihenhaus in der Friedhofstraße war die Deutz-Leiter zum letzten Mal unter "Hallstadter Flagge" im Einsatz. Und jetzt? Die alte Drehleiter wird künftig wohl im Ausland zum Einsatz kommen, vermutet Erster Kommandant Groh. Nach der Aufbereitung bei einer Spezialfirma. Die alte Drehleiter zu behalten, wäre weder zweckmäßig noch wirtschaftlich.

"2009 wurde die bisherige Drehleiter für 60.000 Euro komplett überholt." Neben der jährlichen, etwa 1000 Euro teueren UVV-Prüfung (Unfallverhütung) durch den Hersteller oder einen zertifizierten Betrieb ist alle zehn Jahre ein Wechsel der sechs (!) Reifen vorgeschrieben. Ebenso müssen unter anderem die Hydraulikschläuche ausgewechselt werden. Alles sehr aufwändig und zieht Kosten zwischen 10.000 und 20.000 Euro nach sich, weiß der Kommandant. Er weiß aber auch: "Je älter ein Gerät wird, desto anfälliger ist es. Es kann von einem Tag auf den anderen kaputt gehen."

Ab der Inbetriebnahme war die Hallstadter Drehleiter jedenfalls 20 Jahre lang die einzige im Landkreis und entsprechend oft im Einsatz. Seit 2009 verfügen auch Scheßlitz, Hirschaid und Burgebrach über je eine eigene Drehleiter, so dass der Landkreis gut abgedeckt ist und Hallstadt nicht mehr überall hin muss. "Was von den Rettungszeiten her ja auch problematisch wäre", erklärt Groh.

Weil die Hallstadter Wehr erfahren hat, dass sich auch Bamberg und der Landkreis Lichtenfels eine neue Drehleiter zulegen wollten, nahm man Kontakt auf. "Interkommunale Beschaffungen werden höher bezuschusst", führt Groh aus. Allerdings setzt das auch eine gemeinsame, also höchst identische Bestellung voraus. Nur die Beladung des Fahrzeugs kann dann von einander abweichen. Jede Menge Abstimmungen waren demnach erforderlich.

Etwa eineinhalb Jahre hat der Weg zur neuen Leiter gedauert. Dafür hat es neben dem regulären staatlichen Zuschuss von 192.500 Euro darauf noch einmal zehn Prozent - also 19.250 Euro - gegeben. Den Wechsel zu diesen Konditionen und zu diesem Zeitpunkt kommentiert Groh so: "Mehr Geld kann man nicht sparen."


In Fachmagazinen

Als der Verkauf feststand, wurde die alte Leiter in entsprechenden Fachmagazinen publiziert. "Es gibt da einige Kommunalhändler, die auf so etwas spezialisiert sind", weiß der Kommandant. Bekannt wurde das Vorhaben freilich auch in hiesigen Feuerwehrkreisen. Als einzige aus dem Landkreis signalisierte die Ebracher Wehr Interesse an dem Fahrzeug. Deswegen habe man mit dem Verkauf auch erst die Entscheidung des Ebracher Marktgemeinderates abgewartet. Doch der scheute sich vor den zu erwartenden Folgekosten für das relativ günstige alte Gerät. Deswegen ist es letztlich zum Händler nach St. Andreasberg "gewandert": 10.000 Euro hat es noch gebracht, bei Anschaffungskosten von 695.000 Mark im Jahr 1989.

Für nunmehr 580 443 Euro steht die neue Drehleiter der Hallstadter Wehr für ihre Einsätze zur Verfügung. Zuschüsse gab es vom Landkreis (277 500 Euro und vom Staat (211 750 Euro), so dass die Stadt einen Eigenanteil von 91 193 Euro zu tragen hat.

25 der 80 Aktiven sind eigens als Drehleiter-Maschinisten ausgebildet. Hier ist viel Fachwissen erforderlich. Seitens der Stadt (Bauhof) hält Jürgen Eichhorn, zugleich Feuerwehr-Aktiver, die Drehleiter in Schuss.

Gravierendste Unterschiede zur bisherigen Drehleiter, so Kommandant Groh, sind viele Neuerungen. Die mit wichtigste ist die Erhöhung der Kapazität: Statt bislang zwei Personen finden nun vier Platz. Viele Funktionsdetails bieten hohe Flexibilität bei den Einsätzen. Das brauche man auch, aufgrund der gestiegenen Anforderungen. Dank "Florian Hallstadt 30/1", so die Bezeichnung des Fahrzeugs, gehört die Drehleiter heute für jüngsten Stadtbürger weiterhin selbstverständlich zur Ausstattung ihrer Wehr.




Daten der Drehleiter:

Gewicht: Das Iveco Fahrzeug ( Magirus-Aufbau) wiegt 15 t.

Maße: Das 2,50 m breite Fahrzeug ist 10 m lang, Überstand der 30 m-Leiter ca. 1 m.

Last: Der Korb trägt 400 kg.

Navigation: Per Joystick am Maschinistenstand und Korb.

Leistung: Das Fahrzeug mit Vollautomatikgetriebe hat 300 PS- und ist 96 km/h schnell.

Neuerung: Integriertes Wasserrohr, Kamera für Navigation, Schachtfunktion. an
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