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Immobilien

Ferienwohnungen in Bamberg: Immer noch die wenigsten legal

Vor gut einem Jahr war es eine große Überraschung: Rund 330 Ferienwohnungen in Bamberg wurden "schwarz" betrieben. Was hat sich seitdem getan?
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Diese Ferienwohnung in Bamberg wird ganz legal angeboten und betrieben. Damit ist sie eine der wenigen.  Foto: Ronald Rinklef
Diese Ferienwohnung in Bamberg wird ganz legal angeboten und betrieben. Damit ist sie eine der wenigen. Foto: Ronald Rinklef
Die Überraschung vor etwa einem Jahr war groß: Bei Untersuchungen der Stadtverwaltung war heraus gekommen, dass etwa 330 Ferienwohnungen illegalvermietet werden - von so vielen weiß die Stadt zumindest. Dem gegenüber standen gerade einmal zehn Anbieter, die ihre Unterkünfte ordentlich angemeldet hatten und über die entsprechenden Genehmigungen verfügten.

Kurz nach Bekanntwerden der illegalen Praxis in zahlreichen Fällen ging "eine Flut von Anträgen" im Baureferat ein, wie Baujurist Bernd Bauer-Banzhaf rückblickend sagt. Etlichen Betreibern von Ferienwohnungen war vorher offenbar nicht klar gewesen, dass sie eine sogenannte Umnutzungsgenehmigung brauchen.

Wie schaut es aktuell aus? "Etwa 150 Anträge zur Genehmigung von Ferienwohnungen sind bei uns eingegangen", sagt Bauer-Banzhaf. Diese seien noch noch nicht alle "verbeschieden". Das liege zum einen daran, dass man die Anträge zusätzlich zum bereits bestehenden Pensum an Arbeit bewältigen müsse.


Definition "Ferienwohnung"

Zum anderen habe man eine geplante Novellierung des Baugesetzbuches im Blick. In dieser könnte es erstmals eine Definition des Begriffes "Ferienwohnung" geben. "Dieser existiert bisher gar nicht." Derzeit laufen als Ferienwohnung betriebene Unterkünfte unter Bezeichnungen wie "sonstiger Gewerbebetrieb" oder "kleiner Beherbergungsbetrieb", je nach Nutzungsbereich. Dieser wiederum hängt mit der Gebietsart zusammen, ob es sich zum Beispiel um ein allgemeines oder reines Wohngebiet handelt, ein Gewerbegebiet oder Mischgebiet. Die Stadt kann zwar versuchen, in gewissen Gegenden regulierend einzugreifen. Allerdings: "In Mischgebieten - und davon gibt es in Bamberg viele - können wir Ferienwohnungen nicht einfach so verbieten."

Die "schärfste Waffe" der Stadt sei nicht das Baurecht, sondern das Sanierungsrecht, mit dem man eine Art Veränderungssperre erlassen könne. "Dazu gehört auch, dass Ferienwohnungen nicht genehmigt werden, wenn in einem Beschluss von der Stärkung des Wohnumfeldes die Rede ist."

Apropos Regulierungsmöglichkeiten: Bereits in der Vergangenheit war von verschiedenen politischen Fraktionen eineSatzung zur "Wohnraumzweckentfremdung" ins Gespräch gebracht worden, ein relativ strenges Steuerungsinstrument.Voraussichtlich im Mai könnte eine solche Satzung im Konversionssenat diskutiert werden.

Doch zurück in die Gegenwart. 330 illegale Ferienwohnungen waren der Stadt bekannt, in 150 Fällen haben sich die Betreiber zwischenzeitlich um eine Legalisierung bemüht.


"Schwarz" gebaut und betrieben

Was ist mit dem Rest? "Der ist nach wie vor schwarz", stellt der Baujurist klar. Nicht nur formal, sondern auch ganz plastisch in Form von Schwarzbauten. Kritisch sei dies vor allem in Hinblick auf den Brand-, Schall- oder Emissionsschutz.

Die Dunkelziffer schätzt Bauer-Banzhaf sogar noch höher: Er geht von etwa 500 illegal vermieteten Ferienwohnungen aus. Allzu sicher fühlen sollten sich deren Besitzer jedoch nicht. Der Baujurist deutet an: "Wir haben Erhebungen gemacht, durch die uns mittlerweile einiges bekannt ist."


Geht Wohnraum verloren?

Generell geht es bei dem Thema nicht nur um die rechtliche Einordnung, sondern auch um die Frage: Geht Wohnraum verloren aufgrund zahlreicher Ferienwohnungen? Deren steigende Anzahl sahen bereits in der Vergangenheit mehrere Stadtratsfraktionen kritisch.

Gleichwohl ist man sich in der Stadtverwaltung durchaus bewusst, dass Ferienwohnungen etwas Positives haben können. Wenn es sich laut Bauer-Banzhaf zum Beispiel um Immobilien handelt, die "auf dem normalen Wohnungsmarkt schwer zu vermitteln sind". Er nennt Erdgeschosswohnungen an einer sehr lauten Straße oder manche Dachgeschosswohnung mit extrem schrägen Wänden und schiefem Boden.

In der Stadtratssitzung vor einem Jahr hatte Bambergs Baureferent Thomas Beese bereits erläutert: Werden solche Wohnungen an Gäste vermietet, werden Leerstände verhindert und der Tourismus gefördert.

Beese sagte damals jedoch auch: "Mittlerweile werden allerdings auch bessere Wohnungen umgenutzt, die für Dauermieter attraktiv wären."

Kontakt zur Stadt


Anmeldung Wer seine Ferienwohnung genehmigen lassen möchte, meldet sich bei der Bauberatung der Stadt unter 0951/87-1761.
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