Bamberg
Asylbewerber

Ausweichunterkünfte für Asylbewerber in Bamberg werden aufgelöst - Wohnungen gesucht

Weil die Stadt Bamberg die Ausweichunterkünfte abstößt, werden dringend Wohnungen auf dem freien Markt benötigt.
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Dlshad Alias mit Tochter Noor, Helgard Schanz, den Söhnen Azl, Amir und Alex sowie Ehefrau Hiba (von links)  Fotos: Matthias Hoch
Dlshad Alias mit Tochter Noor, Helgard Schanz, den Söhnen Azl, Amir und Alex sowie Ehefrau Hiba (von links) Fotos: Matthias Hoch
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Familie Alias sitzt auf gepackten Koffern. Voraussichtlich noch in dieser Woche wird sie von ihrer bisherigen Wohnung in der Neuerbstraße 45 in die Gemeinschaftsunterkunft an der Geisfelder Straße umziehen müssen.
Alle Familienmitglieder sind als Asylbewerber anerkannt. Sie stammen aus einer kleinen Stadt nahe Mossul im Irak und waren in der Heimat wegen ihrer Zugehörigkeit zur Religionsgemeinschaft der Jessiden verfolgt worden. "Jessiden können heute nicht mehr unter Moslems leben", sagt Familienvater Dlshad Alias, ein gelernter Automechaniker.
Für ihn und seine Frau Hiba beginnt jetzt die Suche nach einer Wohnung in Bamberg, denn die Unterbringung in der Geisfelder Straße kann nur von vorübergehender Dauer sein. Die Familie ist aufgefordert, sich eine Bleibe in der Stadt Bamberg zu suchen, denn die Wohnsitzzuweisung gilt nur für die Stadt. Von dem Papier hängt ab, welches Jobcenter zuständig ist, und davon wiederum die Vermittlung einer Arbeitsstelle.


Regierung stimmte zu

Die Alias' sind bei ihrer Suche aber nicht allein: Der Bamberger Verein "Freund statt fremd " und dessen Arbeitskreis Wohnung helfen ihnen. Simone Oswald und ihre Mitstreiterinnen hoffen sehr, dass sie Berührungsängste bei den Bamberger Vermietern abbauen und möglichst vielen Familien und Einzelpersonen zu einer dauerhaften Unterkunft verhelfen können.
Die Situation wird nämlich ernst: Die Stadt Bamberg hat alle Beherbergungsverträge für die von privaten Hausbesitzern angemieteten Ausweichunterkünfte im Jahr 2017 gekündigt. Die Begründung: Die Stadt komme ihrer Verpflichtung, Asylbewerber aufzunehmen, wegen der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken "weit über das vorgeschriebene Maß hinaus" nach - so ein Zitat aus dem Sitzungsvortrag im jüngsten Integrationssenat, dem ein Sachstandsbericht zur Unterbringung von Asylbewerbern vorgelegt wurde.
Nachdem Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz zugesichert hatte, die Stadt Bamberg kurz- und mittelfristig aus der dezentralen Zuweisung von Asylbewerbern herauszunehmen, konnte die Stadt die Kündigungen aussprechen - was nicht zuletzt eine Ersparnis für den Haushalt mit sich bringt: Die Kosten für die Unterkunft belaufen sich auf 25 Euro pro Person und Tag.
Nur für anerkannte Asylbewerber, die als "Fehlbeleger" in den Ausweichunterkünften leben, übernimmt die Regierung von Oberfranken die Kosten. Haben diese eine Wohnung auf dem freien Markt gefunden, bezahlt die Stadt die "angemessenen Kosten" der Unterkunft - für eine alleinstehende Person sind das 306 Euro pro Monat, woran sich der Bund mit 40,9 Prozent beteiligt.
Die Schließung der Ausweichunterkünfte bringt "uns jetzt in eine akute Notlage", sagt Simone Oswald. Allein im Wohnblock an der Neuerbstraße seien 80 Personen von der Kündigung betroffen. Spätestens bis Ende Mai müssen sie das Haus verlassen haben. Insgesamt stehen auf Simone Oswalds Liste zwölf mehrköpfige Familien und etwa 40 Einzelpersonen, die Wohnungen brauchen.
Ob eine Großfamilie unterzubringen ist oder eine einzelne Person: In beiden Fällen ist es nicht leicht, in Bamberg Wohnraum zu einem akzeptablen Preis zu finden. Einzelpersonen konkurrieren auf dem Wohnungsmarkt mit den Studenten, und für größere Familien sind große Wohnungen sowieso Mangelware.
Die Wohnsitzzuweisung erschwert die Suche noch einmal. Für Familie Alias sei eine Wohnung in Gundelsheim angeboten worden, berichtet Oswald. Aber die Wartezeit, die bis zur Umschreibung der Wohnsitzzuweisung auf den Landkreis vergehen würde, sei keinem Vermieter zumutbar: Er würde die Wohnung zwei Monate lang nicht belegen können. Außerdem sei der Wohnsitz die Voraussetzung für die Vermittlung in eine Arbeitsstelle.
Dlshad Alias ist im Sommer 2015 nach Deutschland gekommen. Zu Fuß und mit dem Bus kämpfte er sich in Richtung Westen. Er durchquerte die Türkei, Bulgarien, Serbien und Ungarn. 20 Tage war er unterwegs. Seine Frau und die Kinder kamen sechs Monate später. Sie waren mit dem Boot von der Türkei nach Griechenland gefahren und kamen über Mazedonien nach Deutschland. Ihre Reise dauerte eine Woche.
Helgard Schanz, die die Familie betreut, berichtet, dass Alias regelrecht aufgeblüht sei, als Frau und Kinder in Bamberg ankamen. Aus einem traurigen Menschen sei ein heiterer Mann geworden. Seit langem geht er ihr in der Kleiderkammer des Vereins "Freund statt fremd" tüchtig zur Hand. Die zwei ältesten Kinder gehen in die Schule, das jüngste, Alex, ist in Bamberg geboren. In ihrer Heimatstadt im Irak lebte die Familie in einem eigenen Haus, "wie jeder dort". In der Neuerbstraße in Bamberg musste sie mit drei kleinen Zimmern vorlieb nehmen.


Endlich in Sicherheit

Vermissen sie ihr altes Zuhause nicht angesichts der beengten Wohnsituation in Bamberg? Dlshad Alias lächelt: "Das ist nicht schlimm.Wichtig ist, dass wir hier in Sicherheit sind und die Familie zusammen ist."
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