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Mistendorf
Rad Fahren

Fahrradklau muss nicht sein

Zweiräder werden immer mehr zu Prestige-Objekten. Mit stilvoller Optik, mehr Technik und vor allem steigendem Preis wächst auch die Begierde der Diebe. Man kann sich aber auch davor schützen.
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"Die Leute geben einfach viel zu wenig für Sicherheit aus", bemängelt Michael Baier, Geschäftsführer vom Radsport Baier in Mistendorf. "Ein hochwertiges Schloss sollte ein Muss sein, nicht nur für teurere Räder, denn Fahrraddiebe gibt es in Bamberg zu Hauf."

Die Statistiken bestätigen seine Aussage. Nach Angaben der Polizeiinspektion Bamberg werden jährlich rund 500 Fahrrad-Diebstähle im Stadtgebiet gemeldet. Die Domstadt belegt damit den ersten Platz in ganz Oberfranken. Wie die Polizeiinspektion Bamberg-Stadt mitteilt, liegt die Aufklärungsquote zwischen 15 und 25 Prozent und damit relativ niedrig, jedoch deutlich über dem gesamtdeutschen Durchschnitt von rund zehn Prozent.
Doch was kann man tun, um seinen Drahtesel zu schützen? "Gute Schlösser sind ganz wichtig. Diebe lassen oft von Zielobjekten ab, wenn sie sehen, dass sie gut gesichert sind", erklärt Johann Frankenstein, Oberkommissar bei der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt. Zwar sei kein Schloss unknackbar, hochwertiges Verschlussmaterial erschwere aber einen Diebstahl. Langfinger müssten somit mehr Zeit aufwenden, um das Fahrrad seines Schlosses zu entledigen - was bei der ständigen Bedrohung erwischt zu werden, ein großes Problem darstelle. Billig-Schlösser wirkten im Gegensatz geradezu einladend. Darüber hinaus sollte das Fahrrad stets an ein festes Objekt angeschlossen werden.

Neben der richtigen Sicherung ist vor allem auf eine gute nächtliche Verwahrung zu achten. "Fahrräder sollten nachts niemals im Freien bleiben. Gauner können hier den Schutz der Dunkelheit nutzen, und da sie nachts meist unter keinerlei zeitlichem Druck stehen, in aller Ruhe ihren Geschäften nachgehen", betont Hauptkommissar Peter Grüner. Er empfiehlt, Räder nach Möglichkeit in Garagen oder Kellern aufzubewahren.
Erschwerend hinzu komme, dass der Versicherungsschutz, je nach Versicherung, in der Regel spätestens ab 22 Uhr und bis 6 Uhr erlösche. Werde ein Fahrrad in dieser Zeit entwendet, zahle die Versicherung keinen Cent.
Sollte der Ernstfall eintreten und ein Besitzer Opfer eines Diebstahls werden, empfiehlt Grüner, sofort Anzeige zu erstatten. "Die organisierten Diebe handeln sehr schnell. Umlackierungen und das Entfernen der Fahrradnummern laufen in kürzester Zeit ab." Die Gauner gingen dabei sogar teils soweit, Räder auseinanderzuschrauben und die einzelnen Komponenten individuell neu zusammensetzen, um eine Wiedererkennung zu erschweren. Daher sei eine umgehende Meldung von Nöten, um den Handlungsspielraum der Polizei möglichst auszudehnen.

Peter Grüner rät zudem, sich generell immer die Fahrradnummer aufzuschreiben und ein Foto vom Fahrrad zu machen. Somit stiegen im Falle eines Diebstahles die Chancen enorm, ein gestohlenes Objekt wiederzufinden.
Noch besser sei das Eingravieren einer Eigentümer-Identifikations-Nummer (EIN), eine bundesweit anerkannte, individuelle Nummer mit in Ziffern kodierten Angaben zum Besitzer. Diese wird, anders als die weitgehend versteckten Fahrradnummer, gut sichtbar direkt oben oder seitlich auf dem Rahmen angebracht. Bei Kontrollen könne so in Sekunden ermittelt werden, ob Fahrrad und Besitzer zusammenpassen. Eine Entfernung sei zwar auch hier möglich, allerdings mindere dies den Wert des Objektes erheblich, da der Rahmen verschandelt würde. Zudem sei das Fahrrad für geschulte Augen sofort als Diebesgut auszumachen.
Doch wer stiehlt eigentlich Fahrräder? Mit Klischees von ausländischen Dieben in weißen Lieferwagen räumt Polizei-Hauptkommissar Alois Ludwig gleich auf. "Ausländer sind nur in den wenigsten Fällen beteiligt, die Quote liegt hier bei rund zwei Prozent."

Der typische Zweirad-Gauner sei über 21 Jahre alt und vorher schon polizeilich aufgefallen. "Denn Fahrraddiebstahl ist kein Einstiegsdelikt", erklärt Peter Grüner. Neben den organisierten Verbrechern, die auf den hohen Profit von Mittel- und Oberklasse-Rädern abzielen, steige auch die Zahl der Delikte im Zusammenhang mit Beschaffungskriminalität. "Auch das Geld aus dem Verkauf eines vergleichsweise günstigen Rades auf dem Schwarzmarkt reicht aus, um den Drogenhaushalt für ein paar Tage aufzufrischen", meint Grüner. Doch zum Diebstahl muss es gar nicht erst kommen. Denn die richtige Abschreckung bricht die Entschlossenheit der Diebe schneller als sie die Schlösser.


Weitere Informationen zum Thema Fahrrad unter www.radeltour.infranken.de



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