Bamberg
Urteil

Fahrer von Diebesbande drei Jahre später in Bamberg verurteilt

Neun Ungarn hatte das Bamberger Landgericht 2013 wegen schweren Bandendiebstahls verurteilt. Am Montag (13.02.17) bekam der Fahrer seine Strafe.
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Das Archivfoto aus dem Jahr 2013 zeigt die Bande, zu der auch der jetzt Verurteilte gehört. Foto: Anna Lienhardt
Das Archivfoto aus dem Jahr 2013 zeigt die Bande, zu der auch der jetzt Verurteilte gehört. Foto: Anna Lienhardt
In diesem Fall hat ihn der lange Arm des Gesetzes doch noch zu fassen bekommen: einen 40-jährigen ungarischen Staatsbürger. Der Mann war mit europäischem Haftbefehl gesucht und schließlich von England aus ausgeliefert worden.

Er hatte wohl gehofft, ungeschoren davonzukommen. Schließlich waren neun seiner Landsmänner bereits 2013 verurteilt worden, ihn hatte die Polizei damals noch nicht festgenommen. Doch am Montag bekam auch der 40-Jährige L. seine Strafe: Die zweite Strafkammer des Bamberger Landgerichtes verurteilte den Mann zu drei Jahren und neun Monaten wegen schweren Bandendiebstahls in vier Fällen. Positiv wertete das Gericht unter anderem, dass L. die Taten zugegeben hatte.

Seine Mittäter hatten Freiheitsstrafen zwischen sieben und drei Jahren bekommen. Einige von ihnen haben diese mittlerweile abgesessen und sind wieder auf freiem Fuß, wohingegen L. seine Zeit im Gefängnis noch vor sich hat.

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass er derjenige war, der bei den Raubzügen der Bande die Kleintransporter mit Diebesgut gefahren hat. "Als Helfer hat er nicht den großen finanziellen Reibach gemacht. Trotzdem weiß er, dass die Straftaten Gewicht haben", sagte Vorsitzender Richter Manfred Schmidt in der Urteilsbegründung. Etwa 100 Euro pro Fahrt hat L. laut eigener Aussage bekommen. Ein Polizeibeamter, Hauptermittler in dem ganzen Verfahren, beschrieb die Summe als "realistisch". Er rekapitulierte als Zeuge vor Gericht noch einmal, wie die Bande 2012 vorgegangen war und welche Rolle L. dabei gespielt hatte.

Demnach sei man der Truppe auf die Spur gekommen, als sich Reifendiebstähle in Süddeutschland und Bamberg gehäuft hatten. Die Polizei überwachte die Handys der Verdächtigen und nahm kurze Zeit später mehrere Männer fest. Das Diebesgut konnte bei Durchsuchungen in Ungarn in mehreren Fällen den Tatorten zugeordnet werden. So habe man im Haus des Bandenchefs Badezimmer-Garnituren, die in Deutschland gestohlen worden waren, verbaut wiedergefunden.


Transporter gleich mitgeklaut

In einem der größeren Fälle haben die Räuber einen Transporter gleich mit geklaut: Als sie zum zweiten Mal bei einer Reifenfirma in Bamberg einstiegen, "machten sie so viel Diebesgut, dass der mitgebrachte ,Sprinter‘ nicht mehr ausreichte", berichtet der Polizist in seiner Aussage. Also luden die Diebe ein Fahrzeug der Firma mit gestohlenen Reifen voll und nahmen es mit nach Ungarn. Rund 41 000 Euro war die Ware wert. Am meisten Beute machte die Truppe auf der Baustelle eines Umspannwerkes in Erlangen. Neben Werkzeug stahlen die Diebe vier große Kabeltrommeln mit 10 000 Metern Kupferkabeln. "Das waren schon Gewichte, da sind acht bis neun Personen notwendig", sagte der Polizist. Die Höhe des Diebesguts schätzen die Ermittler auf 108 000 Euro.

Auch in einem weiteren Fall hatte es die organisierte Bande auf Buntmetall abgesehen. "Offenbar waren in Ungarn auch Handlanger angestellt, die die Ummantelung der Kabel mit Cutter-Messern entfernten", sagte der Polizist. Reste von Kabeln und Kabeltrommeln habe man im Garten des bereits verurteilten Bandenkopfes gefunden.

Der vierte Raubzug, an dem der Angeklagte L. beteiligt war, fand in Sachsen statt. Dort brachen die Männer ebenfalls auf einem Firmengelände ein und stahlen Dieselkraftstoff, ein Motorrad, zwei Fahrräder und etwa 6,8 Tonnen Kabel. Wert der Beute: rund 45 000 Euro.

Der 40-jährige L. war in allen Fällen derjenige, der mit dem Kleintransporter auf einem nahe gelegenen Parkplatz wartete, bis er zum "Einsatz" gerufen wurde. Kurz vor dem Urteil entschuldigte L. sich und bat um Nachsicht: "Viele aus der Bande haben ein tragisches Schicksal. Ihre Frauen haben sie verlassen und sie haben keine Stelle mehr. Ich möchte meine Familie nicht verlieren", ließ er über seine Dolmetscherin mitteilen. Doch Richter Schmidt stellte in der Urteilsverkündung klar: "Das waren Straftaten, um sich und anderen Geld zu beschaffen, verbunden mit einem hohen logistischen Aufwand."
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