Am kommenden Samstag beginnt mit dem Gründungsfest der FC-Bayern-Fanclub-Vereinigung "Rot Weiss Bamberg" ein neues Zeitalter für die über 500 Mitglieder von fünf bereits bestehenden Fanclubs: "Red United Altendorf", "Die Kaiserlichen Regnitztal", "Alt Bamberg", "Die Champions Zapfendorf" und "Mir San Mir Tütschengereuth".

Mit der Gründung dieses Dachverbands - bei bleibender Selbstständigkeit der Fan-Clubs - reagiert "Rot Weiss Bamberg" auf die in den letzten Jahren sich immer weiter verschärfende Krise beim Wetteifern, den "Kampf" um Tickets für Bayern-Heimspiele und auch die Unübersichtlichkeit für die vielen Fans, was die Angebote der vielen Fanclubs betrifft. Allein im Großraum Bamberg sind es mehr als 30 Fanclubs. Mit der Vereinigung ist man der 100. Verein im 96er Postleitzahlenbereich.

Die "goldenen Zeiten" der Kartenbestellungen, in denen die angekreuzten Wünsche auch erfüllt wurden, sind längst vorbei, sehr zum Leidwesen der Fanclubs und der Fans. "Vor Jahren wurden wir von Raimond Aumann, dem FCB-Fanbeauftragten, persönlich gelobt, was wir in Franken für Fanclubs hätten. Das sei ja Wahnsinn. Karten bekamen wir quasi für jedes gewünschte Spiel. Doch seit der WM 2006 und dem danach einsetzenden Boom in der Bundesliga bekamen wir es gerade die letzten Jahre deutlich zu spüren. Und auch was die Verteilung betrifft, das versteht kein Mensch mehr. Alles ist sehr undurchsichtig geworden", spricht Pankraz Schick, das Altendorfer "Urgestein" der "Reds", Klartext.

Dabei hat der "Profi-Besteller" am wenigsten Grund zum Klagen, denn die Altendorfer sind die einzigen "Allesfahrer". Sie besuchen alle 17 Bundesliga-Spiele. Aber in der letzten Saison hat es auch sie international bös erwischt: Sie hatten nicht für die komplette Champions-League-Vorrunde Tickets bestellt, da gab es auch nichts mehr fürs Viertel- und Halbfinale. Fürs Endspiel hatten sie "Glück": vier (!) Tickets. Die anderen vier Fanclubs gingen völlig leer aus.

Ganz bitter hat es heuer "Alt Bamberg" erwischt. "Nicht eine einzige Karte haben wir für die neue Saison bekommen", zeigt sich Vorstand Andreas Schneider konsterniert, nachdem es 2011/12 immerhin noch fünf Fahrten gab. Bedient ist auch Gerd Großpietsch als "Kaiserlichen"-Vorstand: "Bis 2009 lief alles bestens. Statt der gewünschten acht Spiele haben wir heute nur noch die Hälfte bekommen. Und alle in der Vorrunde. Auch mit Auswärtsfahrten sieht es schlecht aus. All unsere Mitglieder sind natürlich enttäuscht."

Beim Thema "Auslosung" kochen bei allen Beteiligten die Emotionen hoch. So recht will keiner daran glauben. Auch die neue "Rot Weiss Bamberg"-Führungsspitze runzelt da die Stirnen. "Die Bayern haben verständlicherweise ihr Programm total umgestellt, um jedem etwas bieten zu können. Aber das eben nicht nur einmal. Und so ist alles um etliches komplizierter geworden", ärgert sich Veit Dathe.

Trotz der unrühmlichen Situation und der Fakten - es gibt bereits fast 3000 Fan-Vereinigungen, für die pro Spiel um die 10 000 Karten verfügbar sind - stecken die Fanclubs den Kopf nicht in den Sand und werfen mit dem Dachverband einen Rettungsanker. Die Ziele sind klar: Weitere und hoffentlich bessere Möglichkeit der Ticketbestellung, Kostenminimierung und bessere Planung, was die Zusammenarbeit mit der Busauslastung betrifft, bessere Kommunikation und gemeinsame Feste und Unternehmungen.

Die Idee zum Dachverband kam von "Panki" Schick (er kommt als Organisator auf gut 500 Fahrten und war schon bei den Finals in Wien, Barcelona und Mailand dabei) und Thomas Körber. Das neue Vereinigungs-Logo - auch Teil des neuen Fanbusses, der am vergangenen Sonntag zum Heimspiel gegen Stuttgart seine Premierenfahrt absolvierte - entwarf Veit Dathe zusammen mit Thomas Körber. Beide freuen sich darüber, dass auch die Stadt Bamberg das Recht zur Nutzung für den "Bamberger Reiter" gab. Natürlich haben sich die Clubs bislang auch schon ausgeholfen, doch nun hat das Ganze eine richtige Struktur. Das gesamte Konstrukt ließ man sich dann Ende April bei einem Besuch der FC Bayern Geschäftsstelle in München noch "absegnen". Nicht erwischt hat es bislang die Tütschengereuther. "Wir hatten immer fünf Spiele, die haben wir auch heuer wieder bekommen", zeigt sich Zweiter Vorsitzender Jochen Gibfried zufrieden. Doch auch hier ist man glücklich, Teil der Vereinigung sein zu dürfen.

Doch kaum gegründet, steht nun schon die erste Bewährungsprobe bevor: Wie bekommt man für das Dienstag-Spiel am 25. September gegen VfL Wolfsburg, das leider nicht mehr in den Schulferien liegt und man somit die sonst so zahlreich teilnehmenden Familien mit den vielen jungen Bayern-Fans nicht oder nur schlecht mit einplanen kann, die insgesamt 200 Karten - vier Fanclubs allein je 50 Tickets - los? Schwierig, zumal es ja auch verboten ist, die Tickets öffentlich zu verkaufen! Könnte ohne die neu gegründete Vereinigung ein kostspieliger Spieltag für den einzelnen Fanclub werden ...

"Der Hype um den FC Bayern ist noch nicht zu Ende" (Dathe), "auf der Jahreshauptversammlung wird es sicherlich etwas turbulenter zugehen, wenn man sich so unter den vielen anderen Fanclubs umhört" (Großpietsch) - zwei Aussagen, die belegen, dass auch im Fanclubbereich ein Riesenumbruch im Gange ist. "Rot Weiss Bamberg" hat ein Zeichen gesetzt und will mit besserer Kommunikation, Koordination und Synergieeffekten für die kommenden Jahre gerüstet sein. Der Austausch untereinander, das bessere Miteinander und auch die Zusammenarbeit mit dem FC Bayern München selbst möchte man auf eine neue Ebene bringen.

In Zukunft will man dann auch manch anderen Fanclubs aus dem Raum Bamberg die Chance bieten, bei der Vereinigung mitzuwirken und sich so einer starken "rot-weißen" Gemeinschaft anzuschließen. Dieser Grundstein will man mit dem Gründungsfest am Samstag, 8. September auf dem Gelände des FC Altendorf legen. Beginn ist um 16 Uhr. Hierzu sind alle Mitglieder, Bayern-Fans und Fanclubs eingeladen.