Bamberg

Etappe zur Lüpertz-Kathedrale

Ab Donnerstag sind die Entwürfe des Malers für die acht Fenster der St.-Elisabeth-Kirche erstmals vollständig am Ort des künftigen Einbaus zu sehen.
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Mit Hilfe eines Hubsteigers konnten die Entwurfkartons an die Decke der St. Elisabeth-Kirche gehängt werden. Fotos: Marion Krüger-Hundrup
Mit Hilfe eines Hubsteigers konnten die Entwurfkartons an die Decke der St. Elisabeth-Kirche gehängt werden. Fotos: Marion Krüger-Hundrup
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Bei all der Konzentration in dieser schwierigen Aufgabe ist Christoph Gatz und Ulrich Kahle nicht die Lust am Frotzeln vergangen. "Das wird die erste Lüpertz-Kathedrale weltweit!", sind sich die beiden Männer sicher. Erst der Apoll an der St.-Elisabeth-Kirche, dann die Glasfenster und eventuell noch eine Wandmalerei: So viel geballten Lüpertz gäbe es sonst nirgendwo!

Wenige Tage bevor die Ausstellung der Originalentwürfe für die acht spätgotischen Fenster am Ort des künftigen Einbaus eröffnet wird - am Donnerstag, 16. Juni, um 17.30 Uhr von Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und Erzbischof Ludwig Schick - sorgen Gatz und Kahle für die Installation. Sie gehören zur "Initiative Glasfenster Markus Lüpertz", die sich die Suche nach Spendern und Sponsoren auf die Fahne geschrieben hat. Eine höhere sechsstellige Summe muss aufgebracht werden. Da will die aktuelle Präsentation der Entwürfe natürlich Geldbeutel öffnen.

Ein fünf Tonnen schwerer Hubsteiger wurde nun in die kleine St.-Elisabeth-Kirche bugsiert, um die maßstabsgetreuen Entwurfkartons an der Decke aufhängen zu können. Ulrich Kahle schwebt im Hubwagen in luftiger Höhe, schraubt behutsam Ösen in die Fichtenbretter. Und das als autorisierter Fachmann für alte Gemäuer: Er ist Denkmalpfleger im Referat Oberfranken/Unterfranken des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege im Schloss Seehof. Und außerdem hat die Stadt Bamberg als Eigentümerin und die Dompfarrei als liturgische Nutzerin der St.-Elisabeth-Kirche dieser Aktion zugestimmt.

Architekt Gatz dirigiert vom sicheren Kirchenboden aus mit dem Zollstock, damit die fünf Meter hohen und 1,50 Meter breiten Bahnen auch gerade hängen. Das ist Zentimeterarbeit! Und schließlich passt alles. Rundherum.
Tatsächlich zeigen Lüpertz' acht Entwürfe, von denen vor einigen Monaten sechs im Kesselhaus zu sehen waren, sein generelles glasmalerische Konzept: transparente Ornamente, aus denen die einzelnen Bildmotive farbig hervortreten. In diesem Falle ordnet Lüpertz einige Szenen aus dem Leben der heiligen Elisabeth den sieben Werken der Barmherzigkeit zu und fasst diese in einem achten Fenster zum Jesus-Wort in Mt 25 zusammen.
Für Hans Lyer, Pfarrer der Gottesdienstgemeinde von St. Elisabeth, bringen die künftigen Fenster zum Verweilen und Lesen in der Bibel. Eine "Predigt in Glas und Licht", eine "Glaubensverkündigung" seien die Fenster, fügt Lyer hinzu.


Noch in Geduld üben

Doch der Priester muss sich noch in Geduld üben, bevor er zum Schauen und Hören einlädt. Zum einen natürlich, weil das Projekt "Lüpertz-Fenster" von einer gesicherten Finanzierung abhängt. Zum anderen, weil ohnehin erst geklärt werden muss, wann wieder regelmäßige Gottesdienste in der St.-Elisabeth-Kirche möglich sind, also etwa Vorabendmessen am Samstagabend und Gottesdienste der Studentengemeinde an den Sonntagabenden. Dafür braucht es eine Nutzungsvereinbarung zwischen der Stadt Bamberg und der Dompfarrei.

"Wir sind im guten Miteinander und im gegenseitigen Einvernehmen auf dem Weg zum gemeinsamen Ziel, nämlich einer regelmäßigen liturgischen Nutzung der St.-Elisabeth-Kirche", sagt Domdekan Hubert Schiepek, Administrator der Dompfarrei, auf Anfrage dieser Zeitung. Derzeit müssten beispielsweise noch Versicherungsfragen seitens der Dompfarrei geklärt und ein Beschluss der Kirchenverwaltung herbeigeführt werden. Erst dann könne die Vereinbarung gemeinsam vom zuständigen Kämmerer und berufsmäßigen Stadtrat Bertram Felix und ihm unterzeichnet werden. "Wir bemühen uns, dass es so schnell wie möglich gelingt, die Kirche regelmäßig wieder für die Liturgie zu nutzen - dafür ist ja eine Kirche da", erklärt Schiepek.

Für die aktuelle Ausstellung jedenfalls hat es eine gute Einigung gegeben, auch für die Sonderveranstaltungen als Rahmenprogramm: Vorträge etwa von renommierten Kunsthistorikern, Benefiz-Konzerte oder Führungen durch die Vorsitzende des Bamberger Kunstvereins, Barbara Kahle.

Die Entwürfe sind in der St. Elisabeth-Kirche bis zum 27. November zu sehen. Die Kirche ist samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr ganz geöffnet, werktags ist ein Zugang nur bis zum Gitter möglich.





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