Für alle Bewohner der Region Bamberg, die nicht älter als 24 sind, war die Kälte im zu Ende gegangenen Monat Januar beispiellos. Minus 4,3 Grad betrug die Mitteltemperatur, gemessen an der Wetterwarte des Deutschen Wetterdienstes an der Galgenfuhr. Damit war es so kalt wie seit Mitte der 80er Jahre nicht mehr.
15 Eistage wurden im Januar 2009 registriert, das sind Tage, an denen die Höchsttemperaturen null Grad nicht übersteigt. Auch der absolute Rekordwert war extrem: Die tiefste Temperatur, die an der Regnitz gemessen wurde, fiel erstmals wieder seit 2002 unter die Minus-20-Grad-Marke. Als außergewöhnlich hoch erwies sich dagegen die Zahl der Sonnenstunden: Über 90 Stunden wurden registriert weit mehr als üblich.
Anders als vor sieben Jahren , als die Temperatur sogar auf minus 24,3 Grad absackte, war der Frost hartnäckiger, was die durchschnittliche Tiefsttemperatur auf lange nicht mehr gefühlte Minusgrade drückte.
Wer eine vergleichbar anhaltende Frostphase sucht, muss in den Annalen der Wetterwarte weit zurückblättern. Januar und Februar 1985 brachten ähnlich einschneidende Wintererlebnisse. Die Älteren unter uns noch werden sie noch gut in Erinnerung haben.
Damals herrschten in Bamberg im Januar frostige minus 6,7 Grad und auch im Februar betrug der Durchschnittswert noch bitterkalte minus 5,0 Grad. Der Untermain war wochenlang für den Schiffsverkehr gesperrt.

1956: minus zehn Grad im Mittel
Doch wie kalt kann es im milden fränkischen Regionen überhaupt werden? Die Grenzen nach oben sind offen, wenn man lange genug zurückgeht: Sage und schreibe minus 10,6 Grad betrug die Mitteltemperatur im Januar 1956 – ein Ereignis, das nicht einmal jedes Jahrhundert stattfindent, wie Gerhard Hofmann, Leiter der Klimaabteilung des Deutschen Wetterdiensts in München, sagt.

Kälte trotz Klimaerwärmung
Dass es trotz der Klimaerwärmung auch in Zukunft zu extrem kalten Wintern kommt, ist aus Sicht der Meteorlogen kein Widerspruch. Je nachdem, wo sich im Verlaufe eines Winters die zentrale Tiefdrucktätigkeit abspielt und welche Windrichtung vorherrscht, werde gelegentlich auch extrem kalte Perioden erleben, sagt Hofmann: „Es dürften sich allerdings die Abstände dazwischen vergrößern. Was zuletzt alle 20 Jahre eintrat, wird in Zukunft wahrscheinlich nur noch alle 30 oder 40 Jahre der Fall sein. Tendenziell schwächen sich auch die Extremwerte ab“, sagt der Experte vom Deutschen Wetterdienst.
Für Fans von klirrender Kälte und Schnee bedeutet dies: Man muss das Wetter genießen, wenn es da ist. Es kann Jahre dauern, bis Bamberg wieder einen ähnlichen Winter erlebt wie 2009.